Bürgerversammlung: Enertrag stellt Pläne für Wasserstoffkraftwerk vor

ora-191025-enertrag Bürgerversammlung Wasserstoffanlage Wasserstoffkraftwerk bei Schmachtenhagen Zehlendorf Wensickendorf Enertrag
Tilman TrebsDie Wasserstoffanlage, die die Prenzlauer Firma Enertrag bauen will, soll künftig Kraftstoff für die Züge der Heidekrautbahn sowie Linienbusse und Müllfahrzeuge produzieren. Allein die Heidekrautbahn will mit der Umstellung ihrer Flotte 2,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid und 840 000 Liter Diesel pro Jahr sparen. Das neue Kraftwerk soll aus Wind- und Sonnenstrom sowie Wasser im Elektrolyseverfahren rund 390 Tonnen Wasserstoff pro Jahr herstellen. Dafür hat Enertrag eine knapp 30 Hektar große Ackerfläche an den Bahngleisen im Auge. Dort plant das Unternehmen neben einer 40-mal 20 Meter großen Kraftwerkshalle mit den nötigen Anlagen auch drei 230 Meter große Windräder und einen fünf Hektar großen Solarpark. „Wir wollen den Strom für den Wasserstoff und den Treibstoff dort selbst produzieren, wo er gebraucht wird“, sagte ein Enertrag-Vertreter. Unklar blieb am Mittwoch aber, wie und wo die nötige Tankstelle errichtet wird. Gesucht wird eine Fläche an der Heidekrautbahn zwischen Basdorf und Wensickendorf. Sie soll mit einer Leitung aus Schmachtenhagen versorgt werden.
Ebenso offen blieb bei der Versammlung, woher das Wasser für die Anlage kommen soll. Ein Thema, das das Publikum nach zwei Dürresommern und Verboten, Gärten zu Wässern, brennend interessierte. Die Enertrag-Planer haben ausgerechnet, dass sie 59 Kubikmeter pro Tag und 10 500 Kubikmeter im Jahr brauchen. Eine Antwort, wer so viel Wasser liefern kann, hatten die Planer jedoch nicht parat. Man sei sowohl mit dem Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverband (NWA) als auch mit den Oranienburger Stadtwerken im Gespräch. „Vielleicht machen wir ein Projekt, das am Ende allen hilft“, hießt es von Enertrag in Schmachtenhagen.
Eine Aussage, die das Plenum nicht zufriedenstellte. „Die Stadtwerke sind hier gar nicht zuständig. Das können Sie vergessen“, sagte Oranienburgs Stadtverordnetenvorsteher Dirk Blettermann (SPD). Die Überlegung von Enertrag, das Wasser aus einem Tiefenbrunnen zu pumpen, kam auch nicht gut an. Denn viele Anwohner nutzen selbst solche Brunnen und fürchten, irgendwann auf dem Trockenen zu sitzen. „Das Tiefenwasser ist nicht auffüllbar“, gab ein Anwohner zu bedenken. Birgit Kodian von der Lokalen Agenda 21 in Oranienburg wiederum betonte, die Region habe zwar ein Problem mit dem Oberflächenwasser, Grundwasser sei aber genug vorhanden
Unklar ist auch die Stromversorgung. Denn zur Überraschung der Ortsbeiräte aus den drei Oranienburger Ortsteilen kündigte Enertrag am Mittwoch in Schmachtenhagen an, auf die drei Windräder eventuell zunächst zu verzichten und sie erst in einer weiteren Ausbaustufe zu errichten. Der Solarstrom allein würde allerdings nicht ausreichen, um die Anlage zu betreiben. Deshalb soll womöglich ein Kabel zu einem Barnimer Windpark zu verlegen.
Sorgen bereitet einigen Anwohnern zudem, dass das Anlagenareal als Industriegebiet ausgewiesen werden soll. „Sie brauchen ja nicht alle 30 Hektar. Was kommt noch dazu“, wollte ein Zehlendorfer Landwirt wissen. Er könne sich nicht vorstellen, dass sich das Unternehmen dort mit Landwirtschaft begnügen werde. Enertrag erklärte, das weder ein weiterer Ausbau der Anlage geplant sei noch andere Unternehmen aufs Gelände geholt werden sollen. Die Fläche müsse aber als Industriegebiet ausgewiesen werden, weil ein Gewerbegebiet wegen der Ferne zur Stadt nicht zulässig sei und das Areal nicht im Windeignungsgebiet liege. Oranienburgs Stadtplanungsamtsleiter Christian Kielczinski fügte an, dass über die Bauleitplanung ausgeschlossen werden könne, dass auf dem Gelände weiteres Gewerbe angesiedelt wird.
Emissionen werde das Werk keine ausstoßen, beteuerte Enertrag auf Nachfragen. Die Kompressoren zur Verdichtung des Wasserstoffes würden sich im Gebäude befinden und mit Schallschutz verbaut. Kein Wohngebäude liege dichter als einen Kilometer am Werk. Die Sicherheit der Anlagen werde gutachterlich überprüft, Explosionen seien nahezu ausgeschlossen. An den Havarieplänen werde gearbeitet.
Die Ortsvorsteher von Schmachtenhagen und Wensickendorf, Katrin Kittel und Heinz Ließke (beide Freie Wähler), zeigten sich zufrieden mit der Veranstaltung. Es sei gut, das sich Enertrag frühzeitig den Bürgern stelle. Es seien aber Fragen offen geblieben, die Skepsis vieler Menschen sei weiter hoch. Enertrag kündigte weitere Bürgergespräche an. Realisieren will das Unternehmen die Anlage übrigens bis zum Jahr 2023.
Infokasten
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel
