Buttersäure-Verdacht
: Jetzt ermittelt auch der Staatsschutz

Ein Oranienburger Wohnhaus ist am Donnerstagabend evakuiert worden. Drei Menschen mussten behandelt werden. Die Feuerwehr suchte stundenlang nach der Ursache für üblen Gestank.
Von
Tilman Trebs
Oranienburg
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  • Vom Flur dieses Gebäudes ging der üble Gestank am Donnerstagabend in Oranienburg aus. Es wurde evakuiert. Die Feuerwehr war bis Freitagmorgen im Einsatz.

    Vom Flur dieses Gebäudes ging der üble Gestank am Donnerstagabend in Oranienburg aus. Es wurde evakuiert. Die Feuerwehr war bis Freitagmorgen im Einsatz.

    Tilman Trebs
  • Die Feuerwehr war bis Freitag gegen 2.40 Uhr mit rund 60 Kräften im Einsatz.

    Die Feuerwehr war bis Freitag gegen 2.40 Uhr mit rund 60 Kräften im Einsatz.

    Tilman Trebs
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Übler Gestank

Der beißende, nach Säure und Erbrochenem riechende Gestank war am Donnerstagabend kurz nach 18 Uhr aufgetreten. Die Feuerwehr war danach mit insgesamt 60 Einsatzkräften bis tief in die Nacht damit beschäftigt, die Quelle zu lokalisieren. Unter anderem wurden auch alle Kellerräume untersucht. Zunächst waren neben den hauptamtlichen Feuerwehrkräften die Löschzüge Innenstadt und Sachsenhausen mit 32 Kräften im Einsatz. „Wir mussten später am Abend die Atemschutzgeräteträger ablösen. Deshalb haben wir noch die Feuerwehren aus Germendorf und Friedrichsthal nachalarmiert“, sagte Einsatzleiter Jens Pamperin am Freitagmorgen.

Neben den insgesamt 60 Feuerwehrleuten seien Polizei, Rettungsdienst und Deutsches Rotes Kreuz im Einsatz gewesen. Das DRK hatte die Verpflegung der Einsatzkräfte in der Nacht übernommen, der Rettungsdienst drei Anwohner versorgt, die über Übelkeit klagten. Eine Mutter und ein Kind wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Ein junger Mann erholte sich nach Auskunft von Stadtbrandmeister Sven Marten an der frischen Luft.

Die rund 20 Bewohner des Eckhauses waren zunächst gebeten worden, in ihren Wohnungen zu bleiben. Im Laufe des Abends ließ die Feuerwehr das Haus dann aber doch räumen. „Sechs Mieter haben wir für die Nacht im Hotel an der Havel untergebracht, die anderen fanden bei Verwandten und Bekannten Unterkunft“, sagte Oranienburgs Sozialdezernentin Stefanie  Rose. Gegen 9 Uhr am Freitagmorgen habe die Feuerwehr das Gebäude zunächst wieder an die Hausverwaltung übergeben. Die Bewohner sollten aber erst nach der Reinigung des Hauses wieder  in ihre Wohnungen zurückkehren dürfen. „Wir haben die Flure mit Spezialmitteln gründlich reinigen lassen, den üblen Gestank beseitigt, sodass alle Bewohner am Freitag ab 15 Uhr wieder zurück in ihre Wohnungen konnten“, bestätigte auf Nachfrage eine Sprecherin der Hausverwaltung. Einen solchen Vorfall habe es bisher in dem Haus nicht gegeben.

Unklar war am Freitag noch, was den üblen Gestank genau ausgelöst hat. „Wir konnten dazu keine konkreten Feststellungen treffen“, sagte Einsatzleiter Jens Pamperin, der wie Stadtbrandmeister Sven Marten anhand des Geruchs aber vermutet, dass es sich um Buttersäure handelte. Immerhin konnte in der Nacht noch geklärt werden, woher der Gestank kam: aus dem unteren Hausflur.

Flüssigkeit im Hausflur

„Die Flüssigkeit war wohl im und vor dem Hausflur verteilt worden“, sagte Pamperin. Allerdings habe der Regen die Substanz im Hof weggespült. Im Gebäude hatte ein Gastronom, vor dessen Tür die übel riechende Flüssigkeit offenbar ausgebracht worden war, bereits „Reinigungsmaßnahmen vorgenommen“, so Pamperin. „Dadurch konnten wir dort auch nichts mehr feststellen.“

Die Polizei hat am Abend aber Linoleum aus dem Flur sichergestellt, um von diesem Material noch Spuren der stinkenden Substanz analysieren zu können. Polizeisprecherin Ariane Feierbach sagte dazu lediglich, dass der Kriminaldauerdienst Beweise gesichert habe, die nun ausgewertet würden.

Unklar sei noch, ob dem Gestank eine Straftat zugrunde liegt und wenn ja, welches Motiv die möglichen Täter hatten. „Da sich in dem Gebäude zwei ausländische Restaurants befinden und in dem Haus auch zahlreiche Migranten leben, ist auch der Staatsschutz in die Ermittlungen mit eingeschaltet worden“, sagteAriane Feierbach. Der Polizeiliche Staatsschutz wird beim Verdacht auf mögliche politische Motive hinzugezogen. Mit ersten Ermittlungsergebnissen sei frühestens in der kommenden Woche zu rechnen, so die Polizeisprecherin.