Auf der Havelinsel entdecken die beiden kurz nach Mittag ein Berliner Paar, das es sich mit einem Bier auf einer Decke am Ufer des Oder-Havel-Kanals gemütlich gemacht hat. "Wir wohnen zusammen", entgegnen die beiden Frauen schon von Weitem den Männern. Ob das stimmt oder nicht, kontrollieren die beide nicht. Es sei zurzeit in Brandenburg im öffentlichen Raum grundsätzlich nicht gestattet, sich gemeinsam auf einer Decke zu sonnen, erklärt Stephan Beyer in freundlichem Ton. Er bittet die Frauen, aufzustehen. Doch die starten einen weiteren Versuch. "Wir wollen gleich schwimmen gehen und machen danach rhythmische Sportgymnastik", sagt eine Frau und rückt ihren Bikini zurecht. Dabei lacht sie. "Sport ist erlaubt", räumt Beyer ein. "Angeln würde auch gehen." Das gefällt den Berlinerinnen. "Dann organisieren wir uns Angeln von Bekannten aus Birkenwerder", sagt die andere und greift zum Handy. Damit geben sich die Männer vom Ordnungsamt zunächst zufrieden und gehen weiter. Am Havelaltarm treffen sie auf eine Mutter, die mit ihrem Sohn eine Radtour unternimmt. "Wir waren nur kurz mit den Füßen im Wasser, dann fahren wir gleich weiter", erklärt sie, ohne gefragt zu werden. Beyer und Hafemann nicken. Sie gehen zurück zu den Bikini-Frauen. Die haben offenbar doch keine Angel geliefert bekommen. Sie sind bereits wieder angezogen und packen ihre Sachen. "Hat ja funktioniert", kommentiert Beyer.
So agieren die Ordnungsamtsmitarbeiter permanent. Mit Augenmaß und Autorität sprechen sie die Menschen, die sie unterwegs treffen, an und weisen auf kleinere Fehlverhalten hin. "Die meisten versuchen, die Regeln einzuhalten. Und wenn sie es nicht machen und darauf angesprochen werden, sind sie verständnisvoll", fasst Martin Hafemann die Erfahrungen aus den vergangenen Tagen zusammen.
In Briese begegnen sie einer Familie. Die Grundschulkinder haben Sandschaufeln dabei und freuen sich aufs Buddeln am Strand. Doch Hafemann hält sie auf. "Der Strand am See ist gesperrt. Da können sie leider nicht buddeln." Die Eltern sind konsterniert, aber einsichtig. "Dann packen wir die Schaufeln eben wieder ins Auto und gehen spazieren", sagte der Vater.
Auch an der Havelbaude läuft alles regelkonform. Betreiber Marcel Hofer bedient seine Kunden am Zaun. Auf der Straßen sind Markierungen aufgebracht, die an die Abstandsregel erinnern. Bänke und Stühle gibt es nicht. Falls es doch zu Gruppenbildungen kommt, hat der Mann vom Grill ein Megafon griffbereit. "Alles vorbildlich", lobt Stephan Beyer das Provisorium an der Havelbaude. Zur Sicherheit schauen sie aber nach zwei Stunden noch einmal vorbei.
Martin Hafemann und Stephan Beyer wird am Karfreitag stets freundlich begegnet. "Leider werden wir aber oft auch nur als die angesehen, die die Knöllchen verteilen", so Beyer. Doch ihr Job ist weit vielschichtiger. "Wir haben zwar Verwaltungsfachangestellter gelernt, sind aber oft auch als Pädagogen, Sozialarbeiter und Kümmerer unterwegs", umschreibt Beyer das breite Anforderungsprofil seines Arbeitsalltages. Er erinnert an die obdachlose Frau, die sie im vergangenen Herbst halb verhungert auf der Havelinsel gefunden und gerettet haben. Es gibt aber eben auch Schattenseiten. "Zwangsräumungen zu begleiten, ist keine schöne Sache", gesteht Hafemann, der wie sein Kollege eine Hieb- und Schussschutzweste trägt. "Lieber haben, als brauchen", sagt Beyer knapp. An einem Karabinerhaken hängt sogar eine Dose Pfefferspray. "Für den Fall der Fälle", so sein Kollege.
Der Karfreitag ist ein entspannter Tag für die Männer vom Ordnungsamt. Es gibt keine Konflikte. Dennoch sei es gut, regelmäßig Präsenz zu zeigen. Die Menschen müssten immer mit ihnen rechnen. Auch in den nächsten Tagen und Wochen.

Kein freier Parkplatz in Briese


Der große Parkplatz in der Kolonie Briese war am Karfreitag proppenvoll . Kurz nach Mittag standen dort fast 90 Fahrzeuge – 50 davon mit Berliner Kennzeichen. 18 Autos waren in anderen Landkreisen gemeldet. 19 Fahrzeuge kamen aus Oberhavel. Das ist für sonnige Ostertage aber nicht ungewöhnlich.

Das Ordnungsamt ist auch an den Feiertage in Birkenwerder unterwegs. Zeitweise werden sie von Bürgermeister Stephan Zimniok (BiF) unterstützt. zeit