Die Industrie- und Handelskammer Potsdam appelliert an Kommunen und Veranstalter, Weihnachtsmärkte wegen der Corona-Pandemie nicht abzusagen, sondern Konzepte zu erarbeiten, die einen Marktbetrieb trotz der Eindämmungsverordnungen möglich machten.
Die IHK reagiert damit auch auf die Absagen in Oberhavel. Unter anderem finden der Zehdenicker Laternenzauber, der Weihnachtsmarkt auf dem Schloss und Gut Liebenberg und der Weihnachtsgans-Auguste-Markt in Oranienburg nicht statt. Auch in vielen Dörfern wurden die Märkte in der Adventszeit wegen Corona gestrichen.

Weihnachtsmärkte in Oberhavel sind wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die IHK fordert ausreichende Hygienekonzepte statt Absagen. Denn die Weihnachtsmärkte seien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und überlebenswichtig für den Einzelhandel in den Städten. „Die Inlandsnachfrage kann nur dann auf Brandenburg gelenkt werden, wenn die attraktiven Angebote im Herbst und Winter beibehalten werden. Dazu gehören insbesondere Weihnachtsmärkte“, heißt es in einer Mitteilung der IHK Potsdam von Freitag. Die Weihnachtszeit sei ein Zugpferd für das touristische Marketing. „Weihnachtsmärkte und Stadtfeste dürfen deswegen nicht leichtfertig abgesagt werden.“ Die IHK empfiehlt Hygienekonzepte, die sich an den Maßnahmen zum Infektionsschutz des Deutschen Schaustellerbundes orientieren könnten.

Ersatz im Schlosspark Oranienburg

Oranienburgs Stadtsprecher Ralph Kotsch hatte die Absage des Weihnachtsmarkts vorm Schloss in dieser Woche mit den kaum kontrollierbaren Besucherströmen zwischen den Buden begründet. Stattdessen hat die Oranienburg Tourismus- und Kulturgesellschaft TKO einen Ersatz vorbereitet. Vom 4. bis 13. Dezember findet im historischen Teil des Schlossparks die Veranstaltung „Winterträume im Advent – Lichtkunst und Kulinarik im Schlosspark“ statt. Besucher werden täglich kontrolliert in den Park gelassen. Eine ähnliche Veranstaltung mit Lichtskulpturen, beleuchteten Bäumen und Märchenerzählungen gab es als Premiere im Februar im Schlosspark Das Besucherinteresse war riesig. An den zehn Tagen im Dezember sollen im Schlosspark auch Speisen und Getränke verkauft werden.

Geregelter Einlass zu den Winterträumen

Der Einlass zu den Winterträumen soll geregelt werden, damit sich nicht zu viele Personen gleichzeitig im Park aufhalten. An den Veranstaltungstagen ist der Schlosspark von 10 bis 13 Uhr für Tagesgäste geöffnet. Das erste Zeitfenster für bis zu 1000 Besucher der Winterträume dauert jeweils von 14 bis 17 Uhr. Das zweite Zeitfenster für ebenfalls maximal 1000 Besucher öffnet sich dann jeweils von 17 bis 20 Uhr.
Die IHK erinnert nun daran, dass die verordneten Einschränkungen durch die Corona-Pandemie die Tourismuswirtschaft und den Einzelhandel besonders hart getroffen hätten. Durch den Wegfall des wichtigen Ostergeschäftes und der Pfingstausflügler seien Umsätze weggebrochen. Dadurch hätten viele Gewerbetreibende keine Rücklagen schaffen können.

IHK: Einzelhandel besonders betroffen

Die Unternehmen in Brandenburg hatten nach Angaben der IHK im ersten Halbjahr Nachfragerückgänge von 42,5 Prozent bei den Übernachtungen und von 50,5 Prozent bei den Ankünften im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu verkraften. Im Einzelhandel sei die Situation nach Standort und Branche differenziert. Besonders betroffen sei der Einzelhandel der Innenstädte mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren, teilt die IHK mit. Gerade für diese Branche sei das Weihnachtsgeschäft überlebenswichtig. Die Händler erhofften sich zusätzliche Kunden während der Weihnachtsmärkte. Die IHK fordert deshalb, auch an den verkaufsoffenen Sonntagen in der Vorweihnachtszeit festzuhalten.

Kommunen sollen helfen


Einzelhandel und Gastronomie geraten in existenzielle Probleme. Die IHK Potsdam verlangt deshalb: „Die Kommunen sind aufgefordert, lokale Bündnisse für lebendige Innenstädte unter städtischer Federführung ins Leben zu rufen.“

Die Gastronomie solle Hygienekonzepte erarbeiten und über Maßnahmen wie eine verbesserte Belüftungstechnik nachdenken. Die Kommunen sollten den Gastronomen erlauben, auch Außenflächen für die Bewirtung zu nutzen, weil durch die Abstandsregelungen weniger Gäste in den Gasträumen bedient werden können.

Der Landkreis Oberhavel hatte am Donnerstag eine Sperrstunde für Kneipen und Restaurants ins Spiel gebracht. Die seit einer Woche in Berlin geltende Sperrstunde um 23 Uhr wurde am Freitag vom Verwaltungsgericht gekippt. kd