Um die dramatisch steigende Kurve an Corona-Infektionen wieder abzuflachen, haben sich Bund und Länder am Mittwoch auf schärfere Kontaktbeschränkungen verständigt. Davon betroffen ist auch der Groß- und Einzelhandel. Dort soll ab 2. November nur noch maximal ein Kunde pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche erlaubt sein.
Annelore Schöne-Wilschke, Inhaberin des Tee- und Gewürzkontors Oranienburg an der Bernauer Straße, sieht der neuen Regelung pragmatisch entgegen: „Was gemacht werden muss, muss gemacht werden.“ Zieht man die wuchtigen Teeschränke in ihrem Geschäft ab, könne sie auf knapp 30 Quadratmetern Ladenfläche noch zwei Kunden gleichzeitig begrüßen. „Bei uns stehen die Leute aber nicht Schlange“, sagt die gebürtige Thüringerin nüchtern. Die temporäre Maßnahme sei für sie daher zu verkraften.

Banger Blick auf Weihnachten wegen Corona

Bange wird der Ladeninhaberin, die seit 13 Jahren das Teekontor an der Bernauer Straße betreibt, allerdings mit Blick auf die Weihnachtszeit, in der sie einen Großteil ihres Jahresumsatzes erwirtschaftet. „Tee geht nur in den Monaten mit ‚r‘“, sagt sie. „Und der März und April fehlen mir schon.“ Viele Wareneinkäufe, wie etwa Osterschokolade, habe sie dieses Jahr bereits „umsonst gemacht“. Und die traditionell verkaufsschwachen Sommermonate seien ohnehin eine Zitterpartie. Entsprechend frustriert zeigt sich die Teehändlerin darüber, dass es nun „schon wieder losgehe.“

Nur kein zweiter Lockdown

Sie fühle sich von der Politik im Stich gelassen und vermisse finanzielle Hilfen für kleinere Händler, sagt Annelore Schöne-Wilschke. Dennoch habe sie Verständnis dafür, dass etwas getan werden müsse, um die dramatische Entwicklung der Neuinfektionen zu verlangsamen und einen Kollaps des Gesundheitssystems zu vermeiden. Eines sei aber sicher, meint sie: „Noch einen Lockdown würde ich nicht überstehen.“
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