CSD in Oranienburg
: Rechte Gegendemo angekündigt – Polizei und Initiator alarmiert

Am 21. September 2024 soll in Oranienburg der zweite CSD stattfinden. Rechte Gruppierungen haben eine Gegendemo angekündigt. Es könnte zur kurzfristigen CSD-Absage kommen.
Von
Marco Winkler
Oranienburg
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Christopher Street Day: Oranienburg 09.09.2023 1. CSD Oberhavel , Impressionen vom Demonstrationszug und der Abschlusskundgebung , Foto: Karsten Schirmer

Am 21. September 2024 findet in Oranienburg der zweite Christopher Street Day (CSD) statt. Eine Gegendemo wurde angemeldet. CSD-Initiator Boldt-Händel spricht von einer Bedrohungslage.

Karsten Schirmer

Rund 600 Menschen nahmen 2023 am ersten Christopher Street Day (CSD) in Oranienburg teil. Am 21. September 2024 findet die zweite Auflage unter dem Motto „Oberhavel ist bunt“ statt. Eine angekündigte Gegendemonstration sorgt für Probleme. Wie die CSD-Initiative und die Polizei darauf reagieren und warum es sogar zu einer spontanen Absage kommen könnte.

Schon zur Premiere hatte es im Vorfeld des CSD eine leichte Bedrohungslage gegeben, wie Initiator Candy Boldt-Händel im Mai 2024 sagte. Das Oranienwerk als Veranstaltungsort habe Drohanrufe erhalten, die rechtsextremistische Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ auf der Route Flyer verteilt, auf denen vor Homosexuellen als „Gefahr für das deutsche Volk“ gewarnt wurde.

Demo gegen den CSD in Oranienburg aus rechter Ecke?

Initiator Candy Boldt-Händel – er tritt am 22. September für Die Linke als Direktkandidat für den Landtag an – hält sich mit Informationen zum Routenverlauf 2024 zurück. Immer wieder gab es in diesem Jahr Störaktionen auf den CSD-Demos, unter anderem in Bautzen durch die rechtsextreme Partei Freie Sachsen und in Dresden durch die rechtsextremistische Gruppierung „Elblandrevolte“.

Auch in Bernau sorgten Rechtsextreme für Unruhe, in Eisenhüttenstadt wurden Steine Richtung CSD-Teilnehmer geworfen, in Frankfurt (Oder) blieb es ruhig. Gerüchte, in Oranienburg hätte sich die „Elblandrevolte“ – eine Ortsgruppe der Jungen Nationalisten – angekündigt, werden offiziell nicht bestätigt. Sicher ist: Es ist eine Gegendemo geplant, die Probleme mit der queeren Lebensweise hat.

Das bestätigte die Polizeidirektion Nord auf Nachfrage. Mit weiteren Informationen hält sich die Pressestelle zurück. „Jeder soll die Möglichkeit bekommen, seine Meinung kundzutun“, so Polizeisprecher Joachim Lemmel. Er verweist auf das Versammlungsrecht. „Sollte es zu Störaktionen kommen, sind wir da.“ Es sind mehr Beamte im Einsatz als üblich, zwei Versammlungen wollen begleitet und abgesichert werden.

Aus welchem Spektrum die Gegendemo kommt, wird offiziell nicht kommuniziert. Laut Informationen der Redaktion soll es sich um mehrere rechtsgerichtete und rechtsextreme Gruppierungen handeln, 300 Teilnehmer sollen angemeldet worden sein.

Es könnte sein, dass sich beide Gruppen kurzzeitig gegenüberstehen, ähnlich wie bei AfD-Kundgebungen und Gegendemos in der Vergangenheit. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Joachim Lemmel spricht lediglich von zwei abgegrenzten Bereichen.

Christopher Street Day: Oranienburg 09.09.2023 1. CSD Oberhavel , Impressionen vom Demonstrationszug und der Abschlusskundgebung , Foto: Karsten Schirmer

Bei Candy Boldt-Händel laufen die Fäden oder Organisation für den CSD in Oranienburg zusammen. Für die Die Linke kandidiert er 2024 zudem für den Landtag.

Karsten Schirmer

Am Dienstag (17. September) gab es noch einmal Gespräche zwischen Polizei und der CSD-Initiative zur Sicherheitslage. Kurzzeitig stand offenbar eine Absage vom CSD im Raum. Candy Boldt-Händel sagt klar: „Der CSD findet statt. Die Demo jetzt abzusagen, wäre das falsche Zeichen.“ Dennoch ist auch er alarmiert und hat die Sicherheit im Blick.

Die Gegendemonstranten, die meisten dürften mit der Bahn kommen, wollen sich zu 12 Uhr am Bahnhof treffen, um im Anschluss durch die Stadt zu ziehen. Viele CSD-Teilnehmer reisen ebenfalls mit der Bahn an. Der Oranienburger Christopher Street Day startet zu 13 Uhr an der Ecke Lehnitzstraße/Lindenstraße.

Die queere Community und rechte Gegendemonstranten werden also aller Voraussicht nach am Bahnhof aufeinandertreffen. Candy Boldt-Händel rät CSD-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern nicht alleine, sondern in Gruppen anzureisen, auch wenn durch die Polizei alles abgesichert sein wird.

Sein Organisationsteam, Standbetreiber, Bands und Künstler – um 15 Uhr beginnt das CSD-Fest auf dem Schlossplatz –, sie alle werden sich am Donnerstag (19. September) online kurzschließen. „Ich hoffe, es bleiben alle dabei“, so Boldt-Händel. „Wir werden jetzt auch mehr freiwillige Ordner suchen. Wir dürfen uns nicht kleinkriegen lassen.“ Er will noch einmal möglichst viele Menschen mobilisieren, auf dem CSD ein Zeichen für Vielfalt und die Sichtbarkeit queerer Lebenswelten zu setzen.

Dennoch geht für ihn und sein Team die Sicherheit vor. „Wenn wir Samstagmorgen merken, die Gefahrenlage ist so hoch, dass der CSD nicht verantwortbar ist, werden wir eine Entscheidung treffen.“ Das könne eine andere Route sein, eine Absage der Kundgebung, des Festes oder der kompletten Veranstaltung. Die Bedrohungslage werde ernst genommen.