Denkmal: Alte Mautanzeige zurück in Nassenheide
Spurlos verschwunden
Beim Ausbau der Umgehungsstraße der ehemaligen Fernverkehrsstraße „F 96“ in den Jahren 1973/74 war der Stein spurlos verschwunden. In langen und umfangreichen Recherchen wurde der Stein schließlich auf einem Privatgrundstück in Rheinsberg entdeckt. Am 28. November 2002 erfolgte seine Rückholung durch den damaligen Leiter der Straßenmeisterei Nassenheide, Bernd Harf, in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe. Nach der Restaurierung des Schriftzuges wurde er wieder aufgestellt, an die „Position 40 km“, allerdings auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ein Fehler, der nun im Zusammenhang mit dem Bau des Radweges von Nassenheide nach Teschendorf durch den Leiter der Straßenmeisterei, Gunnar Jandt, korrigiert werden konnte.
Konkret handelt es sich um einen Preußischen Meilenstein in Rundsockelform, der 1875 aufgestellt worden war. Der Stein mit der eingemeißelten Inschrift „V MEILEN bis BERLIN“ ist ein technisches Kleindenkmal der Verkehrsgeschichte an der Bundesstraße 96, wie Bernd Erzmann von der Arbeitsgruppe Meilensteine erklärt. Er habe den Reisenden, die zu jener Zeit mit der Pferdekutsche auf der Postroute Berlin-Strelitz unterwegs waren, die bisher zurückgelegte Entfernung ab Berlin angezeigt. Zugleich sei er eine Information zur Zeit und dem zu zahlenden Betrag gewesen, so Erzmann weiter. Aus dieser Zeit stamme auch die Redewendung: „Einen bestimmten Meilenstein zurücklegen oder erreichen“, so der Fachmann weiter.
Um 1840 wurden entlang der Preußischen Staatschausseen sogenannte Viertel-, Halb- und Ganzmeilensteine jeweils auf der östlichen Fahrbahnseite aufgestellt. Der Nullpunkt für die Bemessung der Entfernung war der Kandelaber am Stadtschloss im Berliner Stadtzentrum. Einen Preußische Meile ist 7532,48 Meter lang. „V Meilen“ entsprechend rund 37,7 Kilometer von Berlin aus gemessen. Deshalb befand sich der erste Standort des Meilensteins zirka 200 Meter vom südlichen Ortseingang beziehungsweise der Gemarkungsgrenze Nassenheides entfernt – in der Nähe der ehemaligen „Chausseegeld-Erhebungsstelle“, dem heutigen Wohnhaus neben der Straßenmeisterei. Zu jener Zeit waren die Postrouten nur teilweise befestigte oder festgefahrene Sandwege.
Von Berlin nach Fürstenberg
Bis 1850 war der befestigte Chausseeausbau von Berlin nach Oranienburg auf der gesamten Länge entlang der alten Postroute etappenweise fertiggestellt worden. Weiter ging es dann bis nach Fürstenberg, das damals zum Herzogtum Mecklenburg-Strelitz gehörte, auf den festen Lehmbahnen, wenn es trocken war.
Entlang der Preußischen Chausseen waren überwiegend im Meilenabstand an natürlichen Straßeneinengungen und Gemarkungsgrenzen Chausseegeld-Erhebungsstellen, im Volksmund auch als Zollhäuser bezeichnet, nach einheitlichen Richtlinien am Straßenrand gebaut worden. Mit einem Schlagbaum konnte die Straße aus dem Gebäude heraus mit einer Kette gesperrt werden. Das „Chausseegeld“ wurde an den preußischen Staatschausseen von 1828 bis 1875 kassiert, an Neben- und Privatstraßen sogar noch bis 1918, haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Meilensteine ermittelt. Entlang der B 96 stehen solche ehemaligen Zollhäuser unter anderem noch in Birkenwerder an der südlichen Gemarkungsgrenze und eben in Nassenheide.
Meter ersetzt Meile
Mit der Einführung des metrischen Systems, also der Umstellung der Entfernungsmessung von Meilen auf Meter, in Preußen in den Jahren 1872 bis 1875, wurden dann auch ab 1875 die Meilensteine auf Fünf- beziehungsweise Zehn-Kilometer Abstände umgesetzt. Die Steine wurden gemäß eines Erlasses der preußischen Regierung „mit dem eingemeißelten Schriftzug der Chaussee abgewandten Seite“ aufgestellt. Auf der „neuen“ Vorderseite wurden die Kilometer-Zahlen mit schwarzer Schrift auf weißem Untergrund aufgebracht. Auf dem Meilenstein an der Berliner Straße 8 in Hohen Neuendorf ist das noch gut zu erkennen. Meist jedoch sind die aufgemalten Angaben mit der Zeit verblasst.
Apropos: Auf der Fassade des Wohnhauses Berliner Straße 29 in Oranienburg ist als Schmuck auf der Giebelseite der Postkutschen-Fahrplan von 1821 aufgemalt worden. Von Berlin nach Neustrelitz, dessen ehemaliger Marktplatz als das Zentrum des einstigen Herzogtums Mecklenburg-Strelitz galt, waren es 14 Meilen oder rund 105 Kilometer.
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Meilensteine haben für ihre Recherchen folgende Quellen verwendet. Herbert Liman: Dokumentation über vier Meilensteine zwischen Berlin nach Oranienburg (2001), Rolf Zimmermann: Informationen und Aufzeichnungen zu den MLS II – V im Kreis OHV/Oranienburg sowie diverse Beiträge im Meilenstein-Journal der Forschungsgruppe selbst.
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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

