Désirée Nick in Oranienburg
: Dschungelkönigin teilt aus – die besten Sprüche und Spitzen

Alte weiße Frau – unter diesem Titel erschien im September 2023 das Buch von Désirée Nick. In Oranienburg präsentierte die Unterhaltungskünstlerin einige Passagen. So lief der Abend.
Von
Stefan Zwahr
Oranienburg
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Désirée Nick nahm sich nach der Lesung in Oranienburg Zeit, um Fragen aus dem Publikum zu beantworten und Autogramme zu schreiben. Auch Fotowünsche wurden erfüllt – sehr zur Freude dieser Frauen von „Jettes Krämerladen“ aus Vehlefanz.

Stefan Zwahr

16 Bestseller entstammen der Feder von Désirée Nick. Mit „Alte weiße Frau“ legte sie im Herbst 2023 ihr bislang persönlichstes Buch vor. Bei der Lesung in Oranienburg sorgte die Unterhaltungskünstlerin nicht nur mit Passagen aus dem 289-Seiten-Werk für Stimmung. Markige Sprüche reihten sich aneinander.

Dabei mussten zunächst einige der 180 Gäste in der ausverkauften Bibliothek der Kreisstadt einstecken. „Es geht heute um alte, weiße Frauen. Wenn ich den Blick schweifen lasse, ist die Zielgruppe vertreten.“ Doch auch ältere Männer saßen im Publikum – und sorgten dafür, dass Désirée Nick ganz schnell in ihrem Metier war. „Alte Kerle geben sich beim Sex mehr Mühe. Sie denken, es könnte das letzte Mal sein.“

Désirée Nick über den Altersprozess

Wenngleich es während der knapp 60-minütigen Lesung viele Gründe zum Schmunzeln oder herzhaften Lachen gab, schnitt die gebürtige Berlinerin („Wer mich diskriminieren will, muss mit einer Reaktion rechnen“) durchaus ernsthafte Themen an – wie die Frage, wo Altersdiskriminierung im Alltag auf das weibliche Geschlecht lauert. Die Gesellschaft dränge Frauen ab einem bestimmten Alter konsequent ins Aus. „Frauen leben länger. Darum müsste es viel mehr alte weiße Frauen als Männer geben. Wir sind aber kein Thema.“

Während alte Männer aufgrund ihres Charismas, der tollen Erfahrung und großen Netzwerke gefeiert werden („Wer eine Grand-Canyon-Visage hat, bekommt die Charakterrolle“), hätten gleichaltrige Frauen oft Angst, in die Jahre gekommen zu sein. „70-jährige Nachrichtensprecher bekommen Formate, während sich 50-jährige Models erklären müssen.“

Ihre Forderung: „Gleichberechtigung in der Stigmatisierung“, um das Label der alten weißen Frau etablieren zu können. Soll heißen: „Es geht um das Recht der Frau, sich in einem System zu etablieren, in dem wir doppelt so alt werden wie unsere Großmütter.“

Am 13. September 2023 erschien das neueste Buch von Désirée Nick.

Stefan Zwahr

Die ausgebildete Balletttänzerin, die mittlerweile in Falkensee lebt, ist sich sicher: „Wäre Gott eine Frau, hätte sie den ganzen Schlamassel so weit nicht kommen lassen.“ Auch nicht, dass Männer (gemessen an der öffentlichen Darstellung) mit 70 Jahren alt werden, Frauen aber ab 30. Der Verteilung alter Rollen widmet sie in dem Buch viele Seiten.

Schönheitswahn in Hollywood

Der Verlag bewirbt das Buch – in dem Fragen rund um Sex, Mutterschaft, Feminismus, soziale Medien und künstliche Intelligenz erörtert werden – mit dieser Inhaltsbeschreibung: „Ein Manifest für alle über 40, die planen, die nächsten 60 Jahre zu den besten ihres Lebens zu machen!“ Die 67-Jährige macht darin deutlich, dass es nicht um Optik gehe. Frauen würden ohnehin zu oft „auf bunte Klamotten und hohe Hacken reduziert“. Es sei nicht normal, dass die US-amerikanische Sängerin Cher als 77-Jährige wie 30 aussehen würde. Keine Ausnahme, so Nick. „In LA und Hollywood gibt es keine Falten. Die sind ausgerottet wie die Feldmaus in Europa.“ Mit Perücke, künstlichen Zähnen und anderen Tricks werde eine Silhouette aufrechterhalten, „die abends in der Schublade verschwindet“.

Zitate von Désirée Nick

„Was ist Mann, was ist Frau? Da muss man heutzutage vorsichtig sein. Ein falscher Begriff kann Leuten die Karriere kosten.“

„Ich habe darüber nachgedacht, was Männer zu Schweinen macht. Okay, das sind nicht alle. Manche sind auch Arschlöcher.“

„Wenn man Menschen nicht überzeugen kann, sollte man sie verwirren.“

„Viagra erinnert mich an Disney World. Eine Stunde anstehen für zwei Minuten reiten.“

Sie selbst steht dazu, dass ihr Hals „bei ungünstigen Bedingungen“ wie Krepppapier aussehen würde. Dennoch: „Ich möchte kein Full-Face Lifting. Ich will nicht, dass mein Mund aufschnappt, wenn ich mich bücke.“

Das Privatleben der Nick

Dass Nick im September 2023 auf der Titelseite des „Playboy“ zu sehen war (sie wurde damit das bisher älteste deutsche Model des Erotikmagazins), war in Oranienburg kein Thema. Ihr Privatleben durch Fragen aus dem Publikum aber schon. Die langjährige Kabarettkünstlerin war 17 Jahre mit Heinrich Prinz von Hannover liiert und ist aktuell Single. „Wenn ich einen Mann haben wollen würde, hätte ich einen.“ Sex? Wozu? „Was ich nicht leiden kann ist, wenn Männer so stöhnen, bevor sie kommen. Davon wache ich auf.“

Rückblickend seien die Jahre zwischen 20 und 30 „die schrecklichsten meines Lebens“ gewesen. „Dann habe ich angefangen, mein Glück selbst zu beantworten.“ Von allein komme es nicht. „Meine Reality hat sich nicht aus Filterfotos ergeben.“ Nach Ballett und Schauspielausbildung, Theologiestudium, der Mitgliedschaft im Ensemble der Deutschen Oper Berlin und zwei Jahren als Revuegirl im Pariser Lido wurde Nick durch die Teilnahme an diversen TV-Formaten einem größeren Publikum bekannt – auch durch Schlagfertigkeit und spitze Zunge. Die Popularität verhalf ihr 2004 zum Gewinn der zweiten Staffel der RTL-Produktion „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“.

Auch in Australien präsentierte sie sich damals als schrille Diva, die bissig und unverblümt ihre Meinung sagt. Hat dieses Auftreten berufliche Gründe? „Ich habe von Hause aus ein komödiantisches und humoristisches Talent. Das habe ich geschliffen und ausgebaut.“ Auch daher brauche sie keinen Ghostwriter oder Gagschreiber. „Ich mache meine Bücher allein.“ Klar sei zudem: „Ich hätte Schwierigkeiten, mit humorlosen Menschen befreundet zu sein.“

Mit ihrem Alter hat Désirée Nick keine Probleme. „Ja, ich bin zu jung für Bingo und zu alt für Ecstasy. Alter ist aber eine Frage der Perspektive. Ich bin glücklich, im Rentenalter angekommen zu sein.“ Auch, weil sie auf viele Erfahrungen zurückgreifen könne. „Ich brauche fünf Minuten, um zu erkennen, wer ein Arschloch ist. Und ich behalte es nicht für mich.“

Daniel Fehlauer leitet die Stadtbiblothek in Oranienburg. Der Besuch von Désirée Nick bescherte ihm ein volles Haus. Die 180 Karten waren schnell vergriffen.

Stefan Zwahr

Abschließend betont Désirée Nick (die mit diversen nicht ganz jugendfreien Sprüchen für Gelächter sorgte), dass die Welt ohne Frau über 50 auseinanderfallen würde. Daher präsentierte sie den Zuhörern in Oranienburg einen Überlebenstipp: „Nie die Gelegenheit verpassen, irgendwo gratis pinkeln zu gehen – und immer schön von vorn nach hinten wischen.“

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