Dieter Bohlen in Oranienburg: „Pop-Titan“ singt am Schloss – so war das Konzert

Dieter Bohlen am Schloss in Oranienburg. Er spielte nicht nur Hits von Modern Talking. Warum der Abend schön, aber nicht „mega“ war.
Karsten SchirmerNostalgie-Pop in barocker Kulisse: Dieter Bohlen gastierte am Freitag (6. September) am Schloss in Oranienburg, um 40 Jahre Modern Talking zu feiern. Der 70-Jährige ist kurz vor dem Start der neuen „Deutschland sucht den Superstart“-Staffel auf Jubiläumstour. So lief das Konzert. Eine Kurzkritik.
Für die einen eine Zeitreise in die Jugend, für andere vielleicht eine spaßige „Bad Taste“-Party, für weitere ein „Seh ich den Bohlen endlich mal“-Moment: Das Publikum ist so bunt wie die Farben in Dieter Bohlens Sonnenbrillen. Eine „schöne Nacht“ hat er im Vorfeld in einem Interview versprochen.
Konzert von Bohlen in Oranienburg nicht ausverkauft
Punkt 20.02 Uhr betritt er die Bühne, ganz in Weiß, gut gelaunt. Die Band spielt routiniert „You can win if you want“, Pop von 1985. Erste „Dieter, Dieter, Dieter!“-Rufe im Anschluss. Mit Bohlen sind alle per Du. Er selbst spricht seine Fans mit „meine Freunde“ und „meine Schnuckelhasen“ an.
Wer 70 Euro für Dieter Bohlen bezahlt hat, bekommt Dieter Bohlen, inklusive Witze über eine hochgelegte Latte und den Anblick seiner „unendlich geilen Waden“. Etwas abgenutzt inzwischen und erwartbar, aber halt typisch Bohlen. Ein Fest für Zyniker. Doch welcher Zyniker geht schon freiwillig auf ein Bohlen-Konzert?
Dieter Bohlen in Oranienburg – beste Fotos und schönste Fans:
Auffällig dennoch: Keine 2000 Menschen haben Karten für den Auftritt gekauft. Das knapp zweistündige Konzert war – im Gegensatz zu Matthias Reim am Sonnabend (7. September) – nicht komplett ausverkauft. Zieht Bohlen doch nicht mehr so?
Der gebürtige Niedersachse polarisiert, er provoziert – und das gerne. Sprüche wie „Wollt Ihr wissen, was der Unterschied zwischen Eurer Stimme und 'nem Eimer Scheiße ist? Der Eimer!“ haben ihn als DSDS-Juror erst so richtig bekannt gemacht.
Passend dazu der Modern-Talking-Hit „TV makes the Superstar“ von 2003. Ironie kennt Bohlen nicht. Aber daran stören sich die Fans nicht. Kein Skandal – auch alte mit Naddel & Co. – konnte seinen Erfolg bisher bremsen. Er hat mehr als 100 Titel als Sänger, Komponist oder Produzent in den Charts platziert. Der wohl erfolgreichste Musikschaffende im deutschsprachigen Raum ist Entertainer.
Genau das macht er in Oranienburg – wenn auch mit etwas brüchiger Stimme. Dafür holt die Live-Band alles aus den alten Songs raus. Selbst „My bed is too big“ von seiner Gruppe Blue System klingt rockiger als das Original. Die Leute feiern das.
Die Show wirkt einstudiert. Weil sie einstudiert ist. An einer Stelle etwas mehr Spontanität: Er holt drei Menschen aus dem Publikum auf die Bühne, die im DSDS-Stil kurz den erfolgreichsten Modern-Talking-Song singen: „Cheri Cheri Lady“.
Dennoch: Bohlen spielt nur ein Best-of seiner alten Band. Zum Großteil vertraut er auf seine DSDS-Schützlinge Mark Medlock und Beatrice Egli, singt kurz „Eine Nacht“ von Ramon Roselly und spielt am weißen Klavier sogar „Für Dich“, den er für Yvonne Catterfeld mitgeschrieben und produziert hat.
Doch das Publikum wird erst so richtig laut, als er nach knapp einer Stunde Thomas-Anders-Pause wieder Modern Talking spielt: „Atlantis is calling“, „Brother Louie“, „You're my heart, you're my soul“. Die „schöne Nacht“ haben „der Dieter“ und seine Band routiniert geliefert, ein richtiges „Mega!“ haben sie sich aber wohl nicht verdient.















