Diskriminierung: Polnische Homophobie beschäftigt Oberhavel

Klares Bekenntnis: Hohen Neuendorf hat am Tag gegen Homophobie vor der Stadthalle die Regenbogenfahne gehisst.
Verwaltung/Daniel DinseLGBT-freie Zonen ausgerufen
Kreis und Stadt sehen deshalb dringenden Gesprächsbedarf, auch wenn dort nach Erkenntnis beider Verwaltungen entsprechende Erklärungen noch nicht deklariert worden seien. Die Notwendigkeit, die partnerschaftlichen Beziehungen zu beenden, wird weder beim Kreis noch in der Stadt gesehen. Eher ist das Gegenteil der Fall.
„Nach jetziger Planung gibt es im Oktober ein Partnerschaftstreffen anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Partnerschaft mit Janow Podlaski. Aus Sicht der Stadt Hohen Neuendorf gehört das Thema unbedingt auf die Gesprächsagenda des Treffens“, kündigte Sprecherin Ariane Fäscher an.
„Eine pauschale Verurteilung ohne vorheriges Gespräch – im Idealfall persönlich – halten wir daher für nicht zielführend“, so Ariane Fäscher auf Nachfrage. Ein pauschaler Abbruch der Beziehungen per Deklaration würde aus Sicht Hohen Neuendorfs den Sinn einer Städtepartnerschaft konterkarieren. „Sollten wir im Gespräch mit Vertretern der Partnerstadt auf intolerante Haltungen ohne Dialogbereitschaft treffen, werden weitere Schritte unvermeidlich sein“, kündigte die Stadtsprecherin an. Im schlimmsten Fall wäre das ein zumindest vorübergehendes Stilllegen der Partnerschaft.
Dialog als Mittel der Wahl
„Wir halten davor allerdings einen politischen und gesellschaftlichen Diskurs gerade angesichts des Erstarkens nationalistischer und rechtskonservativer Strömungen im eigenen Land für wichtig. Anlässlich des Tages gegen Homophobie und der damit verbunden Flaggenhissung in Hohen Neuendorf wurde deutlich, dass wir in Deutschland selbst auch Diskussions- und vor allem Entwicklungsbedarf haben“, so die Stadtsprecherin.
Auf Landkreisebene gibt es eine vergleichbare Haltung. Aufgrund von Gesprächen auf Arbeitsebene wissen wir, dass der Kreistag von Biala Podlaska nicht vor hat, einen entsprechenden Beschluss zum Thema zu fassen. Der Kreistag in Siedlce hat das Papier bereits abgelehnt. Dies hat unser Koordinator für deutsch-polnische Beziehungen recherchieren können“, teilte Landkreissprecherin Irina Schmidt auf Anfrage mit.
Sie kündigte an, dass bei einem der nächsten Partnerschaftsbesuche das Thema offen miteinander besprochen werde. Sie betonte, dass der Landkreis Oberhavel sich für eine freiheitliche, selbstbestimmte und offene Lebensweise von allen Menschen einsetze und verwies ebenfalls auf die Hissung der Regenbogenflagge vor der Kreisverwaltung. "Mit diesem Zeichen leben wir nicht zuletzt auch dem Partnerkreis unsere Werte und den Umgang mit dem Thema vor und unterstützen auf diese Weise die Menschen in Polen“, so Irina Schmidt.
