Ehrenamt
: Wildtierretter versorgen verletzten Hund nach einem Unfall

Miele Kohler wusste wegen seines verletzten Tieres nicht weiter. In seiner Not wandte er sich an den Gnadenhof.
Von
Marco Winkler
Wensickendorf
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Erst zu Hause merkte Miele Kohler, dass es seinem Hund nicht gut geht.

Gnadenhof & Wildtierrettung Notkleintiere

„Das Leben kann schon ein Arschloch sein.“ Mit diesen Worten überschreiben die Wildtierretter am Sonnabend einen Facebook-Post. Darin schildern sie einen Unfall, der sich am Vormittag zugetragen hatte. Zwei Autos krachten zwischen Schmachtenhagen und Oranienburg frontal zusammen. In einem Wagen saß ein Mann mit einem Hund. Er wurde nur leicht verletzt und ging mit seinem Tier nach Hause. Ins Krankenhaus wollte er nicht, da sich niemand um seinen Hund hätte kümmern können.

Spätfolgen beim Hund

Zu Hause dann die Spätfolge: Das Tier blutet aus der Nase, es geht ihm nicht gut. In seiner Not und dieser Schocksituation rief der Besitzer die Wildtierretter an. „Okay, wir können zwar nicht helfen, unsere Kassen sind leer, aber scheiß drauf, weggucken können wir auch nicht. Das würde uns um den Schlaf bringen“, schreiben die Retter, die nicht lange Für und Wider abwogen. Sie halfen ohne groß daran zu denken, dass damit eine erneute Rechnung ins Haus flattern wird. „Keiner wusste zu dem Zeitpunkt, wie schwer der Hund verletzt war.“ Beim Tierarzt stellte sich heraus: Herzblutung, diverse Traumata, starkes Schädelhirntrauma, stark gestauchte Wirbelsäule, aber keine Brüche.

„Grundsätzlich ist der Tierhalter für das Tier und die medizinische Versorgung nach einem Unfall zuständig“, informierte Dörte Röhrs von der Polizeidirektion Nord auf Nachfrage. Sollte der Tierhalter dazu nicht in der Lage sein, weil er beispielsweise selbst verletzt ist, „informieren wir eines unserer Vertragstierheime“. Die Mitarbeiter holen das Tier dann ab und kümmern sich um die ärztliche Behandlung. Miele Kohler sitzt am Montag, als ihn das Telefonat des Redakteurs erreicht, gerade beim Tierarzt zur Nachuntersuchung.

„Nach dem Unfall wollte mir die Feuerwehr helfen“, erinnert er sich. „Aber mein Hund ist sehr nervös, er lässt nicht jeden an sich heran. Er hatte auch nur eine etwas rote Schnauze, wirkte sonst unversehrt.“ Deshalb dachte er, er könne ihn einfach mit nach Hause nehmen. Doch er lag falsch: „Er war auf einmal ganz apathisch, hörte nicht auf seinen Namen, blutete aus der Nase, zog die Beine nach.“ Der 61-Jährige bekam Panik. „Ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte.“ Niemand stand ihm zur Seite. Er hatte kein Auto mehr, keiner konnte zum Tierarzt fahren, das Portemonnaie war leer. Genau die Situation, die die Tierretter als „Das Leben kann schon ein Arschloch sein“ beschreiben.

Miele Kohler ist dankbar für die unkomplizierte und schnelle Hilfe. Seinem altdeutschen Schäferhund – „Ostlinie. 30 Jahre habe ich auf so einen Hund gewartet!“ – gehe es mittlerweile gut. Am Montag wurde der neun Jahre alte Gefährte noch einmal geröntgt. „Genau deshalb bin ich vor drei Jahren aus dem Westen nach Oranienburg gezogen“, sagt Miele Kohler. „Wegen der Hilfsbereitschaft, Landschaft und Leute, alles stimmt hier. Es ist für der schönste Platz in Brandenburg“, sagt der gelernte Stuckateur und Malermeister.

Die Wildtierretter waren nach ihrem Facebook-Post überrascht, welche Welle der Hilfsbereitschaft sie erneut erfahren durften. „So viele kleine und große Spenden sind angekommen. Wir sind gerührt über eure Anteilnahme“, schreiben sie. Ja, das Leben könne einem manchmal übel mitspielen. Es gebe aber mehr gute Menschen als gedacht.

Jederzeit auf  Spenden angewiesen

Der Verein ist auf Spenden angewiesen. Eine Sammelstelle Futter- und Sachspenden wurde auf dem Gnadenhof im Gärtnerweg 15 in Wensickendorf eingerichtet.

Spenden sind auch möglich aufs eingerichtete Konto:Gnadenhof & Wildtierrettung Notkleintiere e.V.IBAN: DE07830654080004863500BIC: GENODEF1SLRDeutsche Skatbankoder per PayPal-Zahlung an  spenden@notkleintiere.de

Alle Infos, darunter auch Spendenwünsche, gibt es zudem im Internet unter www.notkleintiere.de⇥win