Das Gründerzeitgebäude gehört der Familie Merz. Nur so sei der Geschäftsbetrieb in den vergangenen Jahren überhaupt noch möglich gewesen. Denn immer weniger Kunden fanden den Weg in das Traditionsgeschäft. Der Werbeslogang "Geiz ist geil" sei verheerend gewesen, sagt Merz. Er habe die Kunden zu Schnäppchenjägern gemacht, die immer weniger bereit seien, für lang haltende Qualitätsware einen entsprechenden Preis zu zahlen. Der Internethandel setze dem Einzelhandel noch mehr zugesetzt.
Das spüren auch andere Geschäftsleute in der Innenstadt. Gabriele Berger schließt im Dezember ihr Wäschegeschäft am Boulevard. Zwei ihrer Nachbarläden stehen bereits seit längerer Zeit leer. Noch weitere Ladenlokale der Woba sind seit Langem ungenutzt. "Ab mittags kommen keine Kunden mehr. Das Geschäft lohnt sich nicht", begründete Gabriele Berger die Schließung. Es seien kaum noch Passanten auf dem Boulevard unterwegs. Es sei beschämend, wenn auswärtige Besucher sie fragen: "Wo ist denn hier die Innenstadt?"
Seit Gabriele Berger zum Ausverkauf Rabatte anbietet, kommen die Stammkunden vermehrt. "Ich habe zehn Paar Strumpfhosen gekauft", sagt eine Oranienburgerin. Eine ältere Dame im Laden fragt: "Wo soll ich denn künftig Wäsche kaufen?".
20 leere Läden
Geschäftsstraßenmanger Stefan Wiesjahn sagt, die Bernauer Straße sei keine Bummelmeile mehr. Auch weil ältere Ladeninhaber keine Nachfolger mehr finden würden. Hier sei Unterstützung notwendig. Ebenfalls geschlossen hat der Frisörladen neben Otto Brückner. Vor der Schließung steht zudem das Sanitätshaus Schulz  in der Mittelstraße. Einziger Lichtblick seien die Neueröffnung der Postbank in der Bernauer und der georgische Imbiss in der Mittelstraße, so Wiesjahn. Dadurch verschwand etwas Leerstand. Insgesamt sind aber in der Bernauer Straße und den Seitenstraßen 20 Läden ungenutzt
Die verbliebenen Händler feiern Freitag von 18 bis 22 Uhr wieder Lichternacht. Die Bernauer Straße ist in dieser Zeit für den Verkehr komplett gesperrt.