Energie in Oranienburg
: Wie die Stadt mit klimaneutralen Immobilien punkten will

Bundesbauministerin Klara Geywitz besuchte Oranienburg. Beim Thema klimaneutraler Stadtsanierung soll die Stadt eine bundesweite Vorreiterrolle spielen. Wie genau gelingt das?
Von
Sophie Brachvogel-Lüttke
Oranienburg
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Voll des Lobes: Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) besuchte die „Weiße Stadt“ in Oranienburg. Bürgermeister Alexander Laesicke (links) und Woba-Geschäftsführer Christian Urban freuten sich vor versammelter Presse.

Sophie Brachvogel-Lüttke

Oranienburg plant, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein und die Wärmeversorgung auf regenerative Energien umzustellen. Voll des Lobes für die Oberhavel–Kreisstadt war Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD), die am Donnerstag (14. Dezember) zu Gast war und von einer Vorreiterrolle sprach. „Die Stadt ist weiter, als es das Gesetz fordert.“

Bei ihrem Arbeitsbesuch machte sich die Ministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ein Bild von der kommunalen Wärmeleitplanung sowie dem energetischen Sanierungskonzept für die Weiße Stadt. Thema war auch Ausbau von Geothermie und die Frage, wie künftig mit diesem Bodenschatz zu verfahren ist. Anders als viele andere Städte hat Oranienburg mit der Arbeit an der kommunalen Wärmeleitplanung schon begonnen. In gut einem Jahr soll das Konzept stehen. „Ein wichtiges Instrument für die Gestaltung der Wende hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung“, so Klara Geywitz.

Viel Lob für Oranienburg

„Oranienburg ist eine gefragte Stadt. Unsere Einwohnerzahl wächst stetig“, so Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos). Wohnungsbau und die nötige Infrastruktur dafür bereitzustellen und gleichzeitig dem Klimaschutz gerecht zu werden, sei „eine große Aufgabe, die wir gern bewältigen und auf die wir unter anderem mit unserem Klimaschutzkonzept und vielen Fachleuten in unserer Verwaltung gut vorbereitet sind“. Oranienburg will die Wärmeversorgung in der ganzen Stadt auf regenerative Energien umstellen. „Damit das gelingt, hat sich die Stadt frühzeitig auf den Weg gemacht und unter anderem im Quartier ‚Weiße Stadt‘ mit Mitteln des Bundesbauministeriums in den Stadtumbau und die energetische Stadtsanierung investiert“, heißt es aus dem Bundesbauministerium in Berlin.

„Viele Millionen Euro wurden in Oranienburg investiert. Die Stadt ist Vorreiter bei der energetischen Stadtsanierung im Berliner Raum“, lobte Klara Geywitz. Bei der energetischen Stadtsanierung sehen sich auch die Entscheidungsträger aus Oranienburg „mit Unterstützung von Bundes– und Landesförderung auf dem Weg“. Für das Quartier „Weiße Stadt“ wurde bereits ein energetisches Sanierungskonzept erstellt. Auf dem Areal Walther–Bothe–Straße/Weiße Stadt werden Gebäude saniert, Wege für umweltfreundliche Mobilität bereitet, zusätzliche grüne Inseln in der Stadt geschaffen und auf klimaneutrale Energieerzeugung gesetzt. Danach bestehe alleine für den Bereich Gebäudesanierung ein theoretisches Einsparpotential von 8,739 Tonnen CO₂ pro Jahr. Das entspricht einem Rückgang von 56 Prozent.

Das 74 Hektar große Quartier — mit Plattenbauten, aber auch Ein– und Zweifamilienhäusern — verfüge darüber hinaus über Einsparpotentiale durch die verstärkte Nutzung von Solarenergie. „Die komplexe dichte DDR–Bebauung ist gut geeignet für die Transformation durch den geringen Flächenverbrauch und gute Energieerschließung“, erklärte die Ministerin bei ihrem Vor–Ort–Besuch.

Begleitet wurde sie auch von Christian Urban, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg Dieser zeigte der Ministerin die Fortschritte an einem Wohnblock an der Innsbrucker Straße. Energetischer Umbau zum Effizienzhaus 70, Grünanlagen zur Klimaregulierung und Aufnahme von Regenwasser nach dem Schwammstadtprinzip sowie Barrierefreiheit sind die Schwerpunkte bei der Sanierung mit KfW–Fördermitteln aus dem Bundesbauministerium. Die Klimaanpassung des Quartiers wird von einer Sanierungsmanagerin unterstützt — die berät, vernetzt und Chancen aufzeigt.

Tiefengeothermie — Unterstützung gefordert

Speziell beim Thema Tiefengeothermie, also Wärme aus dem Erdinnern, sehen die Oranienburger Stadtwerke schon jetzt große Chancen. Das kommunale Fernwärmenetz, mit dem schon jetzt ein Drittel der Oranienburger Bevölkerung versorgt wird, könnte diese klimaneutrale Energie sofort aufnehmen.

Was die Stadt mit der kommunalen Wärmeplanung vorhat und welche Hürden es gibt, erläuterte Bürgermeister Laesicke im Gespräch mit den Beteiligten. „Für Oranienburg ist Geothermie eine riesengroße Chance, wichtiger sogar als Windkraft und Solarenergie.“ Allerdings stehe die Stadt jetzt vor der Herausforderung, wo die Wärme über welche Erdleitungen herkommen solle und auch die Finanzierung sei Thema. Dafür warb die Stadt bei der Ministerin um zusätzliche Unterstützung von Land und Bund, was beispielsweise durch Förderprogramme möglich sei.

Inhalte der kommunalen Wärmeplanung sind folgende Fragen: Wie werden Häuser und Wohnungen in Oranienburg derzeit beheizt? Welche technischen Möglichkeiten bestehen für die Zukunft — ob zum Beispiel Heizen mit Erdwärme, mit Wärmepumpen oder anderen umweltfreundlichen Technologien? Wie gelingt die Umstellung und wie kann sie finanziert werden?

Laesicke: „Gesetzliche Regelungen wie das gut 100 Jahre alte Bergrecht sollten reformiert werden, beim derzeitigen Stand können Kommunen gegenüber Großinvestoren in Nachteil geraten.“ Peter Grabowsky, Geschäftsführer der Oranienburger Stadtwerke, ergänzte: „Wir können neue Formen der Energiegewinnung, wie Tiefengeothermie, vielfach erst dann realisieren, wenn die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen ist. Mit anderen Förderbedingungen auf Bundesebene könnten wir bei CO2 Einsparungen noch schneller vorankommen.“

„Es sollte einen Raumordnungsplan auch für den unterirdischen Bereich geben“, so Klara Geywitz. Dafür müsse das Bergrecht novelliert werden. Erdwärme ist gemäß Bundesberggesetz als bergfreier Bodenschatz deklariert. Problem könne sein, dass die Aufsuchungserlaubnis als mögliches Spekulationsobjekt für Finanzinvestoren dienen könnte. Bisher konkurrieren diese Interessen, denn es gibt bislang keinen Vorrang für die öffentliche Wärmeversorgung. Immerhin sei laut Bundesverband Geothermie die Erdwärme der bedeutendste Bodenschatz in Deutschland.

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