Schleichweg? Nein! Es herrscht Waldbrandstufe fünf und die Angst zu stranden, ... 7.39 Uhr, am Startpunkt Löwenberg beginnt der Schilderwald Umleitung. Die einen weisen links nach Neuruppin, die B 167 ist noch immer gesperrt. Rechts rum soll der gemeine Pendler seit heute die B 96 und Teschendorf umfahren.
Nach drei Kilometern die erste Hürde: die Schranken in Neulöwenberg. Geschlossen. Wohl dem, der die Öffentlichen nutzen kann. Ich chauffiere zwei Grundschüler mit Mappen, die es teilweise auf 20 Kilo bringen, wohne im ländlichen Raum. Im sehr ländlichen Raum ohne Bus, der einen schnell zum Zug bringt. Ich bräuchte 45 Minuten für die sechs Kilometer  zum Regionalexpress. Also: nein!

Mit 45 km/h durch Neulöwenberg

Am Ende dieses Gedankenspiels sind die ersten fünf Minuten Warten verflogen. Die Schranken öffnen, es läuft flüssig bei knappen 45 Stundenkilometern durch Neulöwenberg. Kurz überkommt mich der Gedanke, die schmale Strecke durch den Wald nach Grüneberg zu nehmen, bringt nichts. Teschendorf bleibt von Grüneberg aus für Wochen Sackgasse. Mit gemächlichen 80 Stundenkilometern und erstaunlich wenig Verkehr geht es weiter Richtung Liebenberg.
7.49 Uhr Ankunft in Liebenberg, die erste Ampel an der Kreuzung nach Grüneberg, nicht eingeschaltet. Vor mir stoppt es dennoch. Ein verständnisvoller Mitpendler lässt LKW nach Grüneberg abbiegen. Der ist die Ruhe selbst oder selbst Kraftfahrer. Chapeau! Der erste Bus, der von Nassenheide über Freienhagen umgeleitet wurde, kommt mir entgegen. Die Schulglocke in Löwenberg läutet gleich, das dürfte knapp werden.

Lange Grünphase sorgt für flüssigen Verkehr

7.51 Uhr vorbei an Falkenthal. Noch immer freie Fahrt. Immer noch erstaunlich wenig los.  7.54 Uhr Neuholland. Hamburger Kreuzung, der nächste Stopp an der eigens installierten Ampel, um in Richtung Nassenheide weiterzufahren. Die Grünphase dauert acht Autos und mehr. Aus der anderen Richtung steht man länger. Freitags dürfte hier das Chaos herrschen, denke ich noch. An diesem ersten Umleitungstag läuft’s.
Mein Tross kommt der B 96 näher. Die Verkehrsdichte nimmt zu. Neuholländer und Freienhagener kriegen jetzt obendrauf, was Teschendorfern und Löwenbergern an Straßenlärm erspart bleibt. Jetzt, wo es ruhig ist an der B 96 in Löwenberg, bekommen übrigens Anwohner die Erschütterungsmessung, die sie seit Ewigkeiten einfordern. Ihr Haus sackt ab, wegen des Verkehrs auf der B 96. Das soll die Messung im nun deutlich ruhigeren Löwenberg beweisen oder widerlegen. Jetzt, unter Vollsperrung? Innerbehördliche Verwirrung oder Kalkül?

Sanierte Straße ist schmal und ohne Mittelmarke

Zurück zur Umleitungsstrecke! Mit 70 läuft es recht flüssig in Richtung Großsiedlung Freienhagen. Anwohner haben die Jalousien unten. Die relativ frisch sanierte Straße ist schmal, hat keine Mittelmarke. Bei der Menge an LKW fällt das auf. Tempo 30 und ein Überholverbot wurden wegen Staugefahr abgelehnt, berichtete ein Anwohner kürzlich. Der eine oder andere Freienhagener befürchtet, das Vierfache an Fahrzeugen durch den Ort rauschen zu sehen.
8.02 Uhr: Die Perlenschnur an Kfz fährt in Freienhagen ein. Die neu installierte Geschwindigkeitstafel zeigt ein „Danke“. Schneller geht’s eh nicht. Auch hier eine provisorische Ampel, diesmal für die Fußgänger. Spätestens wenn die AWU im Laufe des Tages die Papiertonnen leert, die schön aufgereiht an der Straße stehen, dürfte es eng werden im Dorf.
8.05 Uhr Ankunft in Nassenheide, die Schranken sind geöffnet, der Regionalexpress ist längst durch, die Zugfahrenden haben ihr Ziel erreicht, während ich auf der L 251 Schrittgeschwindigkeit fahre, wegen eines Baufahrzeug. Und Rasenmahd? Heute, an Tag 1 der Umfahrung einer der meistfrequentierten Bundesstraßen der Republik? Hier hat anscheinend wieder jemand die Ruhe weg.

Harte Zeiten für Nassenheider

Die Schlange an der Ampelkreuzung zurück auf die B 96 ist erstaunlich kurz, endet 50 Meter vor dem Zebrastreifen. Der erste verliert dennoch die Ruhe, nimmt den ampelfreien Weg durchs Wohngebiet, mein Beileid für die Anwohner. Auch den Nassenheidern in der zweiten Reihe stehen harte Zeiten bevor.
8.09 Uhr: Es geht weiter, die Fahrweise manches Verkehrsteilnehmers lässt es beim Linksabbiegen kurz stocken, aber das nicht erst seit dieser Umleitung.
So leer war es auf der neuen B 96 jedenfalls noch nie. Vielen Dank an all die, die sie in weiser Voraussicht heute gemieden haben. Mit 100 Stundenkilometern bis zur Abfahrt Oranienburg-Nord – ich kann mich nicht erinnern, wann mir dieses Glück zuletzt zuteil wurde. 8.13 Uhr, die pure Entspannung bei der Einfahrt in Oranienburg, auch hier so leer wie nie, nur fünf Minuten bis ins Zentrum! Vor mir lediglich ein Handwerker mit Pritschenwagen. Für ihn geht weder Bahnfahren noch Homeoffice.
Fazit: Fahrzeit verdoppelt, Entfernung auch, aber das äußerst entspannt  an Tag 1 der Umleitung. Ein Träumer, der glaubt, es bleibt so leer.