Erschließung
: Das Wie und Wo vom Wohnungsbau

Für Neubauten an der Feldstraße muss die Stadt Hohen Neuendorf einen Bebauungsplan aufstellen. In Pinnow ist ein größeres Wohnquartier noch umstritten.
Von
Heike Weißapfel
Hohen Neuendorf
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Baufreiheit für das erste kommunale Wohnungsbauprojekt der Stadt Hohen Neuendorf: An der Ecke Feldstraße wurde Platz für neue Häuser geschaffen. Es muss aber erst ein Bebauungsplan erarbeitet werden.

Heike Weißapfel

Doch noch ist der Weg damit nicht komplett frei. Eine Bauvoranfrage der Stadt wurde erst einmal negativ beschieden. Die Stadt wollte nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches bauen, weil sich die geplanten Mehrfamilienhäuser nach Ansicht des Bauamts in die nähere Umgebung einpassen würden. Das sah das Bauordnungsamt in Oranienburg aber anders. „Geraten wird uns zu einem Bebauungsplanverfahren, um Bausicherheit zu haben“, erklärte Bauamtschef Michael Oleck am Donnerstag den Stadtverordneten. Mehrere Mehrfamilienhäuser mit jeweils sechs bis acht Wohnungen sollen auf dem Plangebiet, das eine Größe von gut 5 600 Quadratmetern hat, entstehen. Die Stadtverordneten gaben der Aufstellung des B-Plans Nr. 69 nach kurzer Diskussion einhellig ihre Zustimmung.

Strittiges Pinnower Quartier

Dagegen ist die Idee, auf der Seite der Pinnower Kirche an der Landesstraße 20 ein neues Wohnquartier in Borgsdorf zu schaffen, schon umstritten, bevor überhaupt feststeht, wie viel der Fläche, die zurzeit im Außenbereich liegt, bebaut werden kann und soll. Insgesamt handelt es sich um einen Bereich, der etwa 47 000 Quadratmeter umfasst. Über den Antrag, den ein Privateigentümer eines Teils der Flächen auf Einleitung eines B-Plan-Verfahrens gestellt hat, diskutierten die Stadtverordneten in ihrer letzten Sitzung des Jahres noch einmal ausführlicher.

So hätten die Bündnisgrünen gerne den Geltungsbereich des B-Plans verkleinert und die Bebauungstiefe auf maximal 40 Meter entlang der Straße festgesetzt. Dazu brachten sie noch einen entsprechenden Antrag ein. Oliver Jirka sprach von 150 bis 190 Wohneinheiten, die sonst dort möglich seien. Zu den bestehenden 20 Häusern sei das ein Missverhältnis.

„Ich kann Ihnen fachlich in keiner Weise folgen“, sagte Fachbereichsleiter Michael Oleck mit feiner Ironie in Richtung der Grünen. „Das ist hier die Fläche, die wir überplanen wollen und nicht überbauen“, bremste er Erwartungen wie Befürchtungen. Die Stadt erwarte durch die Beteiligung Aufschlüsse über die Bebaubarkeit, beispielsweise vom Wasserschifffahrtsamt. „Danach können wir sehen, welche Fläche dann eventuell Baufläche werden kann.“ Vor allem im Süden des Plangebiets könnten Wohnungen entstehen. Im Norden sollen Grünflächen entwickelt beziehungsweise erhalten werden.

Seine Fraktion werde nicht zustimmen, sagte Harald Güther für den Stadtverein. „Das widerspricht den Darstellungen des Flächennutzungsplans und des Landschaftsplans. Es ist Außenbereich.“ Das Gebiet sei baulich nicht entsprechend vorgeprägt, es sei kein Vorranggebiet für sozialen Wohnungsbau und die Eingriffe in die Natur seien erheblich. Auch fehle der Anschluss an öffentlichen Personnennahverkehr.

Der Bedarf an Wohnraum sei vorhanden, auch wenn es sich nicht um sozialen Wohnungsbau handele, meinte Horst Tschaut (AfD). Wo die Kirche stehe, sei seit jeher der Mittelpunkt des Ortes.

„Nichts zu tun, ist Stillstand“, sagte Jutta Lindner (SPD). „Dass da nur 20 Häuser stehen, ist kein Gegenargmument.“ Außerdem liege das Gebiet an einer Landesstraße und sei so sehr wohl erschlossen.

Verhindern wollten die Grünen eine Bebauung ja gar nicht, erklärte Thomas von Gizycki. Die Grünen sprechen sich für eine ortstypische Bebauung nur entlang der Dorfstraße aus.

Klaus-Dieter Hartung (Linke) äußerte ebenfalls Bedenken: Hohen Neuendorf sei nicht verpflichtet, die Probleme der Hauptstadt zu lösen. „Sondern wir sind unseren Bürgern verpflichtet. Da ist Außenbereich. Warum erschließen wir nicht die Innenbereiche?“ Erschlossen sei das Gelände übrigens keineswegs, vielmehr gebe es noch nicht mal Trinkwasseranschluss.

Michael Reichert (CDU) kritisierte die Fraktion der Bündnisgrünen, weil sie mit der durch nichts belegten Behauptung, dort würden 150 Wohnungen gebaut, Ängste in der Bevölkerung schüre.

Schließlich wurde der Änderungsantrag der Grünen auf eine begrenzte Bebauungstiefe knapp abgelehnt. Auch die namentliche Abstimmung für den Aufstellungsbeschluss fiel mit 14 Ja-, 11-Nein-Stimmen sowie 3 Enthaltungen nicht unbedingt komfortabel aus.

Weitere Beschlüsse der Stadtverordneten

Der Wirtschaftsplan für das Jahr 2020 des Eigenbetriebs Wohnungswirtschaft Hohen Neuendorf (WWH) musste noch einmal neu beschlossen werden. Die Höhe des Gesamtkreditbetrags war falsch ausgewiesen worden und die Investitionen wurden konkreter gefasst.

Feuerwerk produziert Lärm, Müll und Feinstaub in erheblichem Maß. Es kann und soll in der Stadt Hohen Neuendorf nicht verboten werden – aber eingeschränkt. Als mögliche Schutzzonen könnten die Bereiche um Altenheime, Schulen, Kitas, S-Bahnhöfe und Gaststätten betrachtet werden. Für das Herbstfest soll künftig eine menschen-, tier- und umweltfreundliche Alternative zum Feuerwerk gefunden werden.

Bergfelde wächst und damit wachsen die Anforderungen an die soziale Infrastruktur. In einer Machbarkeitsstudie soll die Stadtverwaltung prüfen, welche Möglichkeiten sich beispielsweise durch Veränderungen und Umnutzungen von Einrichtungen ergeben. Letztlich könnte so ein Bürgerzentrum geschaffen werden. ⇥hw