Erste Lesung
: Kuttner und „Kurt“ begeistern Publikum

Berliner Autorin liest in Oranienburg erstmals aus ihrem in der Kreisstadt spielenden Roman vor.
Von
Sophie Schade
Oranienburg
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Humorvoll und authentisch: Die 40-jährige Autorin Sarah Kuttner legte in der Oranienburger Stadtbibliothek ein hohes Tempo vor. Sie las Passagen aus ihrem in der Kreisstadt spielenden neuen Roman "Kurt" vor.

Sophie Schade

Kurz vor 20 Uhr stürmt Stefanie Wegner in die Bibliothek — und strahlt voll wilder Freude über das ganze Gesicht. Augenblicke zuvor hat sie die allerletzte Karte für die Premierenlesung von Sarah Kuttners neuem Roman „Kurt“ ergattert. „Ich habe erst gestern von einer Freundin aus Kremmen von dieser Lesung gehört“, sagt die 27–jährige, die eigentlich in Stralsund zu Hause und gerade in Brandenburg zu Besuch ist. Schon die ersten Romane von Sarah Kuttner hat sie verschlungen, und vor allem für den Humor lieben gelernt.

Ihre hohen Erwartungen sollen nicht enttäuscht werden, denn dieser einzigartige Charme und Humor prägt die Premierenlesung des neuen Romans vom ersten Auftritt der Autorin bis zur letzten Silbe. Zuerst ein wenig irritiert von der Fotografenschar am Bühnenrand, präsentiert sie ihrem Publikum voller Selbstbewusstsein, „wie niedlich ich mich für euch gemacht habe“.

Seit rund fünf Jahren hat Sarah Kuttner ein Wochenendhäuschen in der Umgebung der Kreisstadt. Damit sei sie also quasi Bürgermeisterin. Ob Alexander Laesicke, der im Publikum sitzt, sie deshalb nicht spontan zur Ehrenbürgerin der Stadt ernennen wolle? Zumindest den Bescheidenheitsorden hätte sie sich verdient, erwidert der Bürgermeister.

Durch ihre äußerst schlagfertige Art gewinnt die Autorin das Oranienburger Publikum schnell für sich — schon bevor sie ihr neues Werk überhaupt aufschlägt. Die Premierenlesung in der Stadt abzuhalten, in der sich der Hauptteil des Buches abspielt, erscheint nur konsequent. Die Protagonisten Lena und Kurt ziehen in ein Häuschen nach Oranienburg, weil seine Ex–Partnerin mit dem gemeinsamen Sohn Kurt nach Lehnitz gezogen ist und Kurt eine vernünftige Vater–Sohn–Beziehung aufbauen möchte.

Was zu Beginn wie eine Geschichte über die Konflikte, aber auch die schönen Momente des Lebens in einer Patchworkfamilie anmutet, wird auf einmal bitterernst, als Sohn Kurt in der Schule vom Klettergerüst stürzt und sich das Genick bricht. Wie Lena und Kurt mit ihrer Trauer umgehen und was das für ihre Beziehung bedeutet, darüber will Sarah Kuttner in ihrer Lesung dann doch nicht zu viel verraten.

In jedem Fall wird in der anschließenden Publikumsfragerunde sehr deutlich: Die Situationen, die sie bis zu diesem Punkt beschreibt, wirken nicht nur authentisch. Sie sind es mitunter. Das rührt sicherlich unter anderem daher, dass sich die 40–Jährige in den vergangenen Jahren in ihrem direkten Umfeld mit Trauer auseinandersetzen musste — wie so viele in diesem Alter.

Neben der berührenden Geschichte sind es ihre Anekdoten aus dem Leben in Oberhavel, die eine gemeinsame Basis zwischen Autorin und Publikum schaffen. Etwa der charakteristische Gestank des Klärwerks, den jeder Autofahrer auf der A10 unweigerlich kurz vor dem Dreieck Pankow ertragen muss. Inzwischen erinnere sie dieser Geruch immer daran, ebendort auf die Autobahn Richtung Berlin abzufahren. Denn dort schreibt sie nach wie vor die Geschichten auf, zu denen sie Brandenburg zumindest ein stückweit inspiriert.

Für den prominenten Besuch aus der Hauptstadt hat das Team der Oranienburger Bibliothek den Lesungsort — mitten in der Bücherei — standesgemäß herausgeputzt. Unterstützung gab es zudem von den Oranienwerkern: Geschäftsführer Marco Bartsch sorgte für die optimale Beleuchtung. Getränke gab es aus einer eigens aufgebauten Bar vom „Kellerkind“.