Die Fläche südöstlich der Grundschule Lehnitz, auf der Anfang des Jahres Bäume gerodet wurden, hat sich die Natur ein Stück weit wieder zurückerobert. Doch dieses "grüne Klassenzimmer", so sieht es jedenfalls aus,  muss schon bald dem Erweiterungsbau der Friedrich-Wolf-Grundschule weichen. Die platzt bereits seit Langem aus allen Nähten und soll ab dem Schuljahr 2021/22 zu einer zweizügigen Bildungseinrichtung werden. Schon jetzt wird ein Fachraum im nahe gelegenen Kulturhaus durch die Schule genutzt, die schon bisher jahrgangsweise auch mal zwei Züge zu verkraften hatte.
Doch angesichts steigender Kinderzahlen im größten Oranienburger Ortsteil mit rund 3 500 Einwohnern führt an einem Erweiterungsbau kein Weg vorbei. Die Vorstellung früherer Ortsbeiräte, nur eine kleine einzügige Grundschule im Ort existieren zu lassen, ist von der Realität längst überholt worden und Geschichte. Schon zum Beginn des Schuljahres 2021/22 sind vorübergehend noch zwei Klassenzimmer in Containerbauweise – ähnlich wie bereits an der Grundschule Friedrichsthal – auf dem Gelände nötig, um eine Einschulung der Lehnitzer Kinder sicherzustellen.
Hoffnung auf milden Winter
"Wir arbeiten schon lange mit Hochdruck an dem Vorhaben zur Erweiterung der Lehnitzer Grundschule", sagt Heidrun Gassan, die Leiterin des Amtes für Grundstück- und Gebäudewirtschaft. Der Bauantrag für das rund neun Millionen Euro teure Projekt, das vom Erfurter Architektenbüro Kummer Lubk & Partner generalgeplant wird,  sei im Juli eingereicht worden. "Den Genehmigungsbescheid erwarten wir im vierten Quartal, sodass mit den Erd- und Bauarbeiten im Januar 2021 begonnen werden kann", sagt Heidrun Gassan. Sie hoffe auf einen milden Winter, um den Erweiterungsbau nach 18 Monaten bis Juni 2022 fertiggestellt zu bekommen. Auch das dürfte bei dem Vorhaben schon wieder eine durchaus sportliche Herausforderung werden.
Entstehen wird ein zweigeschossiges Gebäude, das südöstlich an den Bestandsbau andockt, U-förmig angelegt ist und damit einen Teil des Schulhofs umfasst, in dessen Mitte eine stattliche Kiefer alle Gebäude überragt. Ein Teil des Neubaus wird unterkellert. Dort werden sich Technikräume, ein Materiallager und das Schularchiv befinden. Alle Räume erhalten Fußbodenheizung. Die flachen Dächer werden mit Kies versehen und bekommen eine extensive Begrünung.
Das Erdgeschoss bietet Platz für die Fachkabinette für Naturwissenschaften, Kunst, Soziales, Musik sowie WAT mit entsprechenden Vorbereitungsräumen. Auch zwei Teilungsräume sind dort angeordnet. Den größten Platz nimmt die Aula, die auch über eine temporäre Bühne verfügt, mit 171 Quadratmetern ein. Sie dient auch als Essensraum. Eine Ausgabeküche ist ihr vorgelagert.
Hort im Altbau-Obergeschoss
Im Obergeschoss wird es vier neue Klassenräume  mit den jeweiligen Teilungsräumen geben. Auch die Schulleitung wird dort ihren Sitz haben, ebenso das Lehrerzimmer und das Schulsekretariat. Sanitärbereiche befinden sich auf allen Etagen, darunter eine Unisex-Toilette im Erdgeschoss. Der Altbau beherbergt acht Klassenräume und zwei Teilungsräume im Erdgeschoss. Das Obergeschoss mit neun Räumen im Altbau steht allein dem Hort zur Verfügung.
Wenn der Erweiterungsbau im Juni 2022 fertiggestellt ist und die zweizügige Schule dann Kapazitäten für bis zu 360 Schüler bietet, wird man in Lehnitz vorübergehend doch noch ein wenig zusammenrücken müssen. Denn bis März 2023, also für neun Monate, steht dann noch die Modernisierung des Altbaus an.
Mit Beginn der Schuljahres 2023 dürfte der Gesamtkomplex der Lehnitzer Friedrich-Wolf-Grundschule dann aber sein komplett neues Gesicht erhalten haben. Dazu gehören auch ansprechende Außenanlagen mit viel Grün und unter anderem  mit Balancierstange, Hüpfspiel, einem Sandbagger und zahlreichen weiteren Betätigungsmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler während der Pausen.

Standort mit Geschichte


Der Schulaltbau wurde von Häftlingen des KZ Sachsenhausen errichtet. Nach dem Krieg begann der Unterricht dort im Oktober 1945.

Nach Friedrich Wolf,  dem Arzt und Schriftsteller, der nach dem Krieg bis 1953 in Lehnitz lebte, ist die Schule seit Juni 1966 benannt.

Ein neuer Sportplatz entstand 1999 an der Schule, eine Turnhalle wurde 2005 eingeweiht und ein "Grünes Klassenzimmer" 2006. bren