Existenzsangst im Tourismus: Bittere Zeiten für Hotels und Pensionen in Oberhavel

Auch der Ferienhof Grüneberg musste seine Pforten für Gäste schließen. Das Bild vom Virus stammt vom sechsjährigen Franz, der Sohn der Hofbesitzer.
Burkhard KeeveIm Hotel und Spa Sommerfeld haben am Mittwoch die letzten 16 Gäste ihre Zimmer geräumt. Das Hotel ist komplett geschlossen. Seitdem sind auch 52 der 64 Angestellten „komplett in Kurzarbeit“, teilt Hotelchef Jan Schröter auf Nachfrage unserer Zeitung am Donnerstag mit. „Es gab viele Tränen“, sagt Schröter, der selbst versucht, die Lage mit größtmöglicher Sachlichkeit zu bewerten. „Doch die Frist des Meckerns ist abgelaufen.“ Alle Mitarbeiter hätten erkannt, in welcher Situation das Hotel und sie seien. „Sie sind dankbar, dass wir keine Kündigungen ausgesprochen haben. Jetzt ist ein großer Zusammenhalt spürbar. Das gibt auch uns Kraft“, so Schröter.
Die ist dringend notwendig. „Wir haben keine größeren Rücklagen und stellen jetzt einen Liquiditätsplan auf“, sagt der Hotel–Geschäftsführer. Denn nach einem zweimonatigen Ausfall von Einnahmen könnten auch keine Gehälter mehr gezahlt werden. „Wir müssen jetzt jede Menge Anträge stellen, zum Beispiel beim Finanzamt“, sagt Schröter. Trotz der globalen Krise, in der alle Menschen gefordert seien, so Schröter, sieht sich der Hotelier gut von der Politik vertreten und nicht allein gelassen. Es werde schnell reagiert. So könnten Kurzarbeiter jetzt auch Wohnungsgeld beantragen, „das ist ein wichtiges Zeichen“, sagt Schröter. „Die Menschen haben Angst, sie sorgen sich um ihre Zukunft, sie brauchen jetzt jede Hilfe. Um so wichtiger wird da die gegenseitige Unterstützung.“
Gäste nach Hause geschickt
Auch auf dem Hof Grüneberg steht seit Mittwoch alles still. Urlaub auf dem 120 Jahre alten typischen märkischen Bauernhof ist bis 19. April gestrichen. „Ich glaube aber, dass die Frist noch verlängert wird“, sagt Hof–Besitzer Johann Brüning. Die vorwiegend aus Berlin kommenden Gäste seien schlecht gelaunt abgereist, sagt Brüning, weil sie zurück in die Hauptstadt müssen, wo die Ansteckungsgefahr viel größer sei als auf dem Land. „Für den Betrieb ist das eine bittere Stunde“, sagt Brüning. „Wir waren ausgebucht.“ Der Hof läuft gut, doch große Rücklagen fehlen, „weil wir alles immer wieder in den Betrieb gesteckt haben“.
Andere Hotels und Pensionen in Oberhavel sind noch geöffnet. Zum Beispiel das Hotel am Lunikpark in Hohen Neuendorf. Allerdings dürfen dort keine Touristen, sondern nur noch Geschäftsreisende übernachten. Ausschließlich sie können auch im Hotel Sommerfeld übernachten. „Sie müssen ja irgendwo hin, wenn sie unterwegs sind“, sagt Geschäftsführer Jan Schröter. Das Hotel Wyndham Garden in Hennigsdorf gab am Donnerstag keine Auskunft zum Umgang mit Gästen in Coronazeiten. Im Stadthotel Oranienburg war die Lage am Donnerstag „noch ungewiss“.
