Faszination Wurst
: Fleischer feiert 25 Jahre Meisterjubiläum

Seinen Meisterbrief bekam Ehrenfried Ranft vor 25 Jahren.
Von
Wiebke Wollek
Staffelde
Jetzt in der App anhören

Mag keinen Wirbel um seine Person: Ehrenfried Ranft in seiner Produktionsstätte in Staffelde. Nebenan befindet sich einer der Läden, in dem die frischen Produkte verkauft werden. Sein Meisterbrief hängt normalerweise im Büro.

Wiebke Wollek

Ehrenfried Ranft ist Geschäftsführer der Rhinland Fleischerei in Staffelde – gemeinsam mit seinem Sohn Stephan Ranft, dem er bereits alle wichtigen Aufgaben im Büro übertragen hat. "Es ist schon schön, dass mein Sohn das übernimmt“, kann der 64-Jährige mit ruhigem Gewissen sagen. Dass der Sohn alles im Sinne des Vaters entscheidet, erwartet er aber nicht. „Die Jugend muss sich ihre eigenen Wege suchen.“ In etwa einem Jahr will er sich weitgehend aus dem Fleischerhandwerk zurückziehen. „Dann habe ich das Rentenalter erreicht“, sagt er. Ob das wirklich so klappt, weiß er noch nicht. Die Arbeit in der Produktion bereitet dem Meister damals wie heute große Freude. Auch auf dem eigenen Teller sieht er gerne die eigenen Produkte. „Bockwurst mit Kartoffelsalat esse ich am liebsten“, sagt er.

Die Meisterprüfung vor 25 Jahren dauerte zwei Tage. "Eine Kochwurst, eine Brühwurst und eine Rohwurst musste ich herstellen“, sagt Ehrenfried Ranft. Außerdem sollte er ein Rinderhinterviertel ladenfertig machen. Und weil gerade Fußball-Weltmeisterschaft war, gab es noch eine besondere Aufgabe. „Ich habe so ein Spielfeld gebaut – mit Wurst garniert. Aber so ganz genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern“, erzählt der Fleischer.

Von klein auf hatte der gebürtige Hennigsdorfer seinen Wunschberuf vor Augen. „In meiner Familie waren alle Bauern“, sagt er. Doch auf dem Hof seines Großvaters in Vehlefanz, den Ehrenfried Ranft später übernahm und noch heute bewohnt, wurde zweimal jährlich geschlachtet. „Da war ich als Kind dabei und bin früh damit in Berührung gekommen“, sagt er. Die Familie habe ihn also in seiner Berufswahl geprägt.

Im Jahr 1971 begann der damals 15-Jährige seine Lehre bei Obermeister Vetter in Leegebruch. "Ich habe auch beim Meister geschlafen, er hatte ein Zimmer für seine Lehrlinge“, sagt Ranft. Nach der Ausbildung arbeitete der junge Fleischer ein Jahr bei Meister Posselt in Velten, dann musste er seinen anderthalbjährigen Wehrdienst antreten.

Sein Weg führte ihn dann in die Hennigsdorfer Fleischerei Höhl, wo er 13 Jahre tätig war und kurz nach der Wende auch noch seine Meisterschule begann.  Die frühen Neunziger Jahre beschreibt er als unsichere Zeit.  „Es war damals alles ein bisschen anders“, sagt er. Um seine berufliche Zukunft zu sichern, war der Weg in die Selbstständigkeit naheliegend. Voraussetzung dafür war der Meistertitel. „Und Weiterbildung schadet ja auch nicht“, erzählt Ranft augenzwinkernd.

Kurz darauf wechselte der Meisteranwärter zur Rhinland Fleischerei in Staffelde, der er bis heute treu geblieben ist. Die Abendschule absolvierte er in Oranienburg, der praktische Teil fand in Berlin statt.

Als Meister konnte Ehrenfried den Betrieb aktiv mitgestalten, übernahm immer mehr verantwortungsvolle Aufgaben, bis ihm schließlich im Jahr 2000 die Geschäftsführung übertragen worden ist.

Jetzt ist die nächste Generation am Zug. Wenn Stephan Ranft, 44 Jahre alt, in den kommenden Jahren den Betrieb vollständig übernehmen wird, kann sein Vater sich anderen Aufgaben widmen. Auf dem Hof in Vehlefanz gibt es immer viel zu tun. Dort gibt es neben einem großen Gemüsegarten auch Pferde, Katzen, Hühner und Enten.

Betrieb mit Tradition

Mitte der 80er-Jahre entstand die Rhinland-Fleischerei. Damals gab es einen Vertrag zwischen der LPG Kremmen und dem Hennigsdorfer Stahlwerk, deren Mitarbeiter mit frischem Fleisch und Wurst versorgt werden sollten. Die Läden sind erst nach der Wende eröffnet worden. Später kam der Partyservice dazu.  ⇥wol