Fischerei: 200 000 Glasaale in Oberhaveler Seen gesetzt
In Oranienburg warten die Mitglieder des Kreisanglerverbands Oberhavel gespannt auf die frische Ladung. An sechs Stellen vom Lehnitzsee über den Voßkanal bis zum Dreetzsee bei Grüneberg sollen sie die durchsichtigen Minis aussetzen. Dann heißt es wieder, geduldig zu warten. Denn im besten Fall werden aus den 0,3 Gramm leichten Winzlingen einmal dicke und fette Aale. Darüber freuen sich dann die Komorane und die Angler an den Ufern. Das dauert aber mehr als sieben Jahre und hängt ganz von der Futterlage und den Fressfeinden ab. Großen Appetit auf junge Aale hat zum Beispiel die Schwarzmundgundel. „Die sind unglaublich gefräßig“, sagt der Vorsitzende des Kreisanglerverbands Oberhavel, Olaf Wusterbarth. An Ende schaffen es vielleicht fünf Prozent zu überleben. Immerhin wären das 10 000 ausgewachsene Exemplare.
Am Mittwoch ist jedenfalls kaum vorstellbar, dass aus einem dieser sechs bis acht Zentimeter langen Miniaale einmal ein Fisch von mehreren Kilo und einer Länge von bis zu einem Meter werden kann. „Dabei sind sie schon drei Jahre alt“, sagt Wusterbarth, „und sie haben schon mehrere Tausend Kilometer Strecke hinter sich gebracht, bevor sie vor der französischen Atlantikküste gefangen werden.“
Insgesamt 684 Kilogramm Glasaale sind am Mittwoch in Brandenburg ausgesetzt worden. Sie gehören zum Pilotprojekt „Zur Erhöhung des Aallaichbestandes im Havel–Dahme– und Spreeeinzugsgebiet des Landes Brandenburg“. Mehr als zwei Millionen Glasaale frischen jetzt die Bestände der Havel, Dahme, Spree und deren sich anschließenden Gewässer auf.
Bei 300 Euro pro Kilogramm Anguilla anguilla, so der lateinische Name für Aale, sind bei der aktuellen Aktion mehr als 200 000 Euro in den Fischnachwuchs geflossen. Eine Notwendigkeit, wie die Anglerverbände meinen. Denn eine natürliche Zuwanderung des Aals aus dem Meer in die Binnengewässer wird durch den Menschen quasi verhindert. Das liege an den Wehrstufen, den Querverbauungen der Flüsse und den Wasserkraftanlagen, die zu tödlichen Hindernissen für die Aale würden.
Der Aal selbst macht es sich auch nicht einfach. Hat er einmal — zum Beispiel in der Havel — seine Laichfähigkeit erreicht, ist also erwachsen geworden, dann will er zurück nach Mittelamerika. „Er braucht Salzwasser, um sich fortzupflanzen“, sagt Olaf Wusterbarth. Wenn er es schafft, alle Hindernisse in Europa zu überstehen, schwimmt der Aal Tausende Kilometer zurück in die Sargassosee (in der Nähe der Bahamas), wo alles wieder seinen Anfang nimmt.


