Fitness
: Ein Personal Trainer als Antreiber und Mentaltrainer

Yannick Schindel, Kreisläufer beim Handball-Drittligisten Oranienburger HC, arbeitet als Personal Trainer. Seine Klienten kommen aus allen Altersgruppen und haben ganz unterschiedliche Ziele.
Von
Stefan Zwahr
Oranienburg
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  • Yannick Schindel studierte Sportwissenschaften und machte eine Ausbildung zum professionellen Athletiktrainer an der Sportfachschule Köln. Seit knapp einem Jahr arbeitet er als Personal Trainer. Mit "YS Performance" habe er sein Glück gefunden.

    Yannick Schindel studierte Sportwissenschaften und machte eine Ausbildung zum professionellen Athletiktrainer an der Sportfachschule Köln. Seit knapp einem Jahr arbeitet er als Personal Trainer. Mit "YS Performance" habe er sein Glück gefunden.

    Andreas Herz
  • Yannick Schindel spielt seit 2017 für den OHC.

    Yannick Schindel spielt seit 2017 für den OHC.

    MOZ.de
  • Auch die Betreuung von Vereinen und Einzelsportlern bietet Yannick Schindel an. Seine Teamkollegen vom OHC ließ er schon schwitzen.

    Auch die Betreuung von Vereinen und Einzelsportlern bietet Yannick Schindel an. Seine Teamkollegen vom OHC ließ er schon schwitzen.

    Andreas Herz
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Aus Sicht des Geschäftsmanns könnte sich Yannick Schindel darüber freuen. Macht er aber nicht. Seit gut einem Jahr arbeitet der Leegebrucher als Personal Trainer. „Und aus dieser Sicht sage ich, dass mehr dazu gehört.“ Vorsätze könne man negativ sehen. „Aber wenn es Personen gibt, die einen solchen Tag brauchen, um den nötigen Kick zu kriegen, warum sollen sie den nicht nutzen?“ Es würde Menschen geben, die den Einfluss von außen bekommen müssen, um zu realisieren, dass sie etwas tun müssen. "Das ist legitim. Viele brauchen diesen Anstoß.“ Gute Vorsätze allein würden aber nicht reichen. Wichtig sei, sie zu verwirklichen.

Dabei hilft Yannick Schindel, der mittlerweile über eine Grundklientel verfügt. Männer und Frauen halten sich in seiner Kundenkartei die Waage, von Kindern bis Rentnern ist alles vertreten. „Ich habe Stammkunden, die sehe ich fast jeden Tag, andere dafür nur an einem Tag pro Woche.“ Seine Kunden betreut der Fitnessprofi nicht ausschließlich in Muckibuden. "Ich habe drei Studios als Partner, gehe aber auch zu den Leuten nach Hause oder biete Outdoor-Training an. Es gibt Leute, die wollen nur draußen sein, und in einem schönen Park trainieren.“ Matten und Hanteln werden mitgenommen, zudem Bänke, Geländer  oder Wände für Übungen einbezogen.

Individualisierte Firmenfitness

Der 27-Jährige, der Sportwissenschaften studierte und eine Ausbildung zum professionellen Athletiktrainer an der Sportfachschule Köln absolvierte, bietet auch individualisierte Rundum-Betreuungen für Unternehmen im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung an. Firmenfitness stehe ganz weit oben. „Anhand einer eigens für die Firma angepassten Bedarfsanalyse wird ein Konzept entwickelt, welches Gesundheits- und Fitnesstraining, sowie Couchings in den Bereichen Ergonomie, Gesundheit, Fitness und Motivation beinhalten kann.“ Jedes Konzept werde individuell für das Unternehmen erstellt und lasse sicher jederzeit anpassen.

Auch die Betreuung von Vereinen und Einzelsportlern hat der Drittliga-Handballer im Portfolio. Seine Teamkollegen vom Oranienburger HC ließ er schon schwitzen. „Im Athletiktraining begleite ich einzelne Spieler und gesamte Teams in ihrer athletischen Entwicklung und weite Fähig- und Fertigkeiten aus.“ Durch gezielte Leistungsdiagnostik und daraus hervorgehende Trainingspläne und -Methoden werde die athletische Entwicklung der Sportler verbessert.

Personalisierte Konzepte

Der gebürtige Hesse betont: „Das Personalisierte schreibe ich groß.“ Von Trainingsplänen hält er nichts, arbeitet mit Konzepten. Der Unterschied: An einen Plan müsse man sich halten, ein Konzept sei hingegen eine Richtlinie. „Jedes Training wird am Tag selbst gestaltet. Erst wenn ich weiß, wie es der Person geht, stelle ich fest, was ich machen kann.“ In einem Fitnessstudio hingegen werde der Plan durchgezogen. „Wenn der Tag das nicht hergibt, muss man darauf eingehen.“

Die Motivation seiner Klienten ("Einige von ihnen sehen Personal Training als ein Statussymbol") sei völlig unterschiedlich. „Was sie alle gemein haben: Es sind Leute, die langfristig was erreichen wollen.“ Und das sei auch möglich. Schindel: „Es ist ganz egal, wie alt jemand ist, welche Gebrechen er hat oder wie der Ist-Zustand aussieht. Es geht immer bergauf. Alle können sich verbessern.“ Als Sohn einer Chefchirurgin und eines Physiotherapeuten sei ihm der medizinisch-sportliche Hintergrund in die Wiege gelegt worden. Seine Kunden würden wissen: „Wenn sie mich buchen, werden sie Erfolg haben.“

Völlig normal sei, dass es zunächst eine gewisse Skepsis geben würde. Auch, weil man viel Geld bezahlen würde. Doch dann würden sich erste Erfolge einstellen. „Ich habe einen Sixpack, die Arme werden definierter, ich bekomme den Knack-Po, den ich vor 20 Jahren haben wollte. Das sind Effekte, die dafür sorgen, dass eine Sucht entsteht. Wenn man merkt, wie es sich verbessert, ist das ein Antrieb.“ Dabei gehe es nicht nur um die Optik. Viele würden sich freuen, wenn sie wieder die Tasse aus dem obersten Fach holen oder problemlos die Treppe steigen könnten.

Bei seiner Arbeit sei ein Personal Trainer als Schleifer und Pädagoge gleichermaßen gefragt. „Ich liebe diesen Job, weil er so abwechslungsreich ist. Es gibt Kunden, die brauchen den Arschtritt. Und es gibt andere, denen ich zureden muss, die ermuntert werden müssen. Da bin ich dann als Mentaltrainer gefragt.“ Oft komme der Antrieb aber von den Kunden selbst. „Sie bezahlen nicht wenig Geld. Dann will man dafür auch was tun und setzt sich selbst unter Druck.“

Yannick Schindel sagt: „Ich bin zu zehn Prozent Trainer und zu 90 Prozent Coach.“ Der Trainer verfüge über das Wissen, was sich jeder überall herholen könne. „Der Coach ist aber derjenige, der die Kompetenz hat, das Wissen zu vermitteln. Das ist das Entscheidende. Ich denke, ich habe einen Weg gefunden, mein Wissen so weiterzugeben, dass die Leute was damit anfangen können.“

Sportliche undberufliche Entwicklung

Yannick Schindel spielt im dritten Jahr für den Drittligisten Oranienburger HC.

Zum Handball fand er als 15-Jähriger. "Bis dahin habe ich Fußball gespielt. Ich habe es sogar in die Hessen-Auswahl geschafft, allerdings als Torwart."

Beim TV Aßlar fing Schindel mit dem Handball an. "Das war in der untersten Jugendliga. Schlechter ging es nicht, man konnte nicht absteigen."

Schon ein Jahr später erfolgte der Wechsel zur HSG Wetzlar. "Der Sprung in die zweithöchste Junioren-Spielklasse war ein bisschen zu hoch. Ich habe das erste Jahr in der B-Jugend fast komplett auf der Bank verbracht, spielte etwa 15 Minuten. Aber ich habe viel trainiert." Nach dem Abstieg in die 3. Liga gab es mehr Spielpraxis. "Wir haben alles gewonnen."

Mit der A-Jugend standen Spiele in der Bundesliga an. "Ich habe viel an meinem Körper gemacht und hatte auch das Spielrecht für die Oberliga-Mannschaft der Männer." Im letzten Jugendjahr durfte Schindel in der Ersten der HSG mittrainieren und rutschte in der Saison danach in den erweiterten Kader des Erstligisten.

Gegen den THW Kiel durfte der damalige Youngster ebenso ran wie in einigen DHB-Pokal-Spielen. "Ansonsten habe ich Zweite gespielt."

Nach der Schule verschlug es Schindel nach Potsdam. Schon in frühester Jugend hatte er ein Praktikum in einem Fitnessstudio gemacht. "Schon als 16-Jähriger machte ich erste Zertifizierungen. Da ich eine Wirtschaftsschule besuchte, konnte in auch in den Bereich Rechnungswesen schon reinschuppern."

An der Sporthochschule Köln sorgte ein "Tag der offenen Tür" endgültig dafür, dass er seine Zukunft im Sport sah. "Das hat mich fasziniert."

In Potsdam studierte er Sportwissenschaft und spielte für den Drittligisten 1. VfL Potsdam. Das Zweitspielrecht hatte für eine Saison Grün-Weiß Werder. Nach zwei kompletten Spielzeiten in der Landeshauptstadt spielte Schindel ein Jahr für Werder und wechselte dann im Sommer 2017 zum Oranienburger HC.

Während des Studiums arbeitete der Kreisläufer praxisnah, "direkt am Olympiastützpunkt". Die Arbeit mit Profiathleten und Jugendlichen habe ihm viel Input verschafft, "was meinen Horizont unglaublich erweitert hat".

Mit dem Wechsel zum OHC musste Schindel den Olympiastützpunkt verlassen. Als Leiter eines kommerziellen Studios wurde er nicht glücklich. "Ich habe gemerkt, dass ich das nicht will."

Als Personal Trainer hat Yannick Schindel sein Glück gefunden. ⇥sz