„Ich hatte am Wochenende frei und konnte nicht einfach zu Hause auf dem Sonnenstuhl sitzen, während woanders Hilfe gebraucht wird.“ Lucas Fünfhaus hatte vergangenen Freitag bis 21.30 Uhr Dienst beim DRK im Impfzentrum Oranienburg. Um 22 Uhr setzte er sich in seinen VW Transporter und fuhr Richtung Eifel, um übers Wochenende Opfern der Flutkatastrophe zu helfen. Vorher holte er in Berlin noch eine Waschmaschine ab, die er günstig im Internet erworben hatte. Als der Verkäufer erfuhr, dass die Waschmaschine ins Katastrophengebiet geht, überließ er sie Lucas Fünfhaus kostenlos. Mit ins Auto kamen noch Bautrockner, Schaufeln und Werkzeug.

Er wollte unbedingt helfen

„Es wurde zwar gesagt, private Helfer sollen nicht mehr ins das Gebiet fahren. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass dort keine Hilfe gebraucht wird“, sagt der Veranstaltungstechniker und DJ, der seinen Beruf seit der Pandemie nicht mehr ausüben kann. Wie er seinen Lebensunterhalt nach der Schließung des Impfzentrums am 31. Juli bestreiten soll, weiß der 31-Jährige noch nicht. Die Ungewissheit hielt ihn aber nicht ab, beim Aufräumen zu helfen, selbst wenn die Benzinrechnung ihm in der momentanen Situation etwas weh tat.
Das Ausmaß der Zerstörung übertreffe das, was man aus Bilden in den Medien erahnen konnte, sagt Lucas Fünfhaus. Der Oranienburger halb beim Aufräumen im Kreis Bad Münstereifel.
Das Ausmaß der Zerstörung übertreffe das, was man aus Bilden in den Medien erahnen konnte, sagt Lucas Fünfhaus. Der Oranienburger halb beim Aufräumen im Kreis Bad Münstereifel.
© Foto: Lucas Fünfhaus

„Kriegsähnliche Zustände“

Als der Lehnitzer im Katastrophengebiet ankam, erkannte er schnell das Ausmaß der Zerstörung. „Es sieht aus wie nach dem Krieg“, sagt er. Auf seinen Fotos sind neben beschädigten und völlig kaputten Gebäuden und Straßen auch zerstörte Landstriche zu sehen. Man könne sich kaum vorstellen, mit welcher Kraft das Hochwasser Schäden angerichtet hat. Herausgedrückte Fenster, das nackte Fachwerk eines Hauses, weggerissene Straßen und eingestürzte Wände. „Wenn man das alles sieht, schießen einem die Tränen in die Augen. Das sind Bilder, die man nicht vergisst.“
In Iversheim im Kreis Bad Münstereifel wohnt die Schwester eines Freundes aus Oranienburg mit ihrer Familie. „Die Erft fließt dort über das Grundstück“, sagt Fünfhaus. Eigentlich sei das Flüsschen an dieser Stelle nur drei Meter breit und 50 Zentimeter tief. Doch nach dem Starkregen wurde aus der Erft ein reißender Strom, der eine breite Schneise der Verwüstung hinterließ.

Fotos im Müll gefunden

Das Wasser stand deckenhoch im Keller des Haus der Freunde und lief auch durch die Wohnräume. Auf dem Grundstück ließen die Fluten das zurück, was sie anderswo mitgerissen hatten. Neben allerhand Müll, sperrigem Holz, Strommasten und Baumaterial auch Gegenstände aus einer weit entfernt liegenden Firma und persönliche Dinge aus überfluteten Häusern wie Wäsche, Spielzeug und Fotos. „Die Fotos haben wir mit Wäscheklammern an einen Zaun gehängt“, berichtet der Helfer aus Oranienburg. Einige Nachbarn hätten Leutee wiedererkannt.
In Müll und Gerümpel tauchten beim Aufräumen auch persönliche Gegenstände und Spielzeug auf.
In Müll und Gerümpel tauchten beim Aufräumen auch persönliche Gegenstände und Spielzeug auf.
© Foto: Lucas Fünfhaus
„Wenn Feuerwehr und THW das Wasser abgepumpt haben, bleibt ja noch viel zu tun. Aber damit sind die meisten Betroffenen allein“, sagt Fünfhaus, der tatkräftig beim Aufräumen des Grundstücks mitanpackte. Die Solidarität der Einheimischen sei groß. Im Dorf hing eine Liste mit Dingen, die gebraucht wurden. Lucas Fünfhaus fuhr in einen Baumarkt und besorgte Elektromaterial und Werkzeuge. „Da hatte niemand die Muße oder Kraft auch noch in den Baumarkt zu fahren“, sagt er. Also nahm er eine weitere Ausgabe auf sich. Er wisse aber, dass die Hilfe direkt dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
"Die Landschaft sieht aus wie nach einem Krieg", beschreibt Lucas Fünfhaus die Zerstörung in Iversheim.
„Die Landschaft sieht aus wie nach einem Krieg“, beschreibt Lucas Fünfhaus die Zerstörung in Iversheim.
© Foto: Lucas Fünfhaus

Entscheidung nicht bereut

Lucas Fünfhaus will wieder an die Erft fahren und beim Aufräumen helfen. Viele Menschen dort seien verzweifelt. „Man spürt die Belastung“, sagt er. Und das Ausmaß der Katastrophe sei ja viel größer als er es erahnt habe. Er bereue nicht, trotz des Rats, besser nicht zu fahren, doch im Katastrophengebiet gewesen zu sein. Denn Hilfe sei dort nötig. „Ich hatte nach der Rückkehr das Gefühl, das war einfach richtig so“, sagt Lucas Fünfhaus.
Wer Lucas Fünfhaus unterstützen möchte, kann sich bei ihm per E-Mail unter info@dj-luce.de melden.
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Spendenkonto Hochwasserhilfe

Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021