Forschung: Flatowerin als einzige Brandenburgerin beim „2°Campus“ dabei

Die Gruppe, in der Belana Zwadsich forscht, beschäftigt sich unter anderem mit der Haltung von Schweinen. Dazu hat das WWF Videos aus diversen Betrieben zur Verfügung gestellt.
Marco WinklerBelana Zwadsich erforscht in ihrem Team die artgerechte Haltung von Schweinen und wie sich diese auf Gütesiegel auswirkt. „Ich war zufällig auf der WWF-Seite und sah den Aufruf“, erinnert sich Belana Zwadsich. Sie ist zwar keine Schülerin mehr – ihr Abi am Evangelischen Gymnasium Neuruppin hat sie in der Tasche –, aber passte noch in die Altersspanne. Mit einer Handvoll Gleichaltriger bildet sie die Ernährungsgruppe. „Wir arbeiten mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde zusammen.“ Eigentlich hätte die Gruppe die Hochschule besucht. „Doch wegen Corona ist der Campus in diesem Jahr komplett digital.“
Es gibt drei Blöcke. Im ersten hörten die Jugendlichen gemeinsam Fachvorträge. Sie lernten sich kennen. "Im aktuellen Sommerblock beschäftigten wir uns mit der Lösung einer Frage, die wir als Aufgabe gestellt bekamen.“ Die Forschungsfrage: „Wie unterscheidet sich das Wohlbefinden der Schweine in den verschiedenen Haltungssystemen und inwiefern können sie artgerecht gehalten werden?“
Im ersten Schritt werten die Jugendlichen Videos aus verschiedenen Betrieben aus, in denen Schweine gehalten werden. Die Gruppe habe von ihrem wissenschaftlichen Mentor Methoden an die Hand bekommen, um das Wohlbefinden der Tiere zu analysieren. „Wobei man sagen muss, dass das gute Betriebe waren, die auf die Haltung ihrer Tiere wert legen.“ Und sie erfahre ständig Neues: „Schweine haben die Intelligenz eines drei- bis vierjährigen Kindes und sind schlauer als Hunde.“
Belana Zwadsich und ihre WWF-Gruppe nehmen in einem zweiten Schritt vor allem die Kennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen unter die Lupe. Laut einer nicht repräsentativen Umfrage der Gruppe mit 35 TeilnehmerInnen würden viele nicht genau wissen, was die Gütesiegel überhaupt im Detail bedeuten.
Es gibt unter anderem das staatliche Bio-Siegel, ein EU-Bio-Logo, Label wie „Neuland“, „Nature & Respect“, "Für Mehr Tierschutz“, „Pro Weideland“, das Fairtrade-Zeichen, EU-Kennzeichnungen zur „geschützten Ursprungsbezeichnung“ und separat zur „geschützten geografischen Angabe“, zahlreiche Prüfzeichen und viele mehr. „Für den Verbraucher sind sie in ihrer Vielzahl vielleicht eher verwirrend“, sagt Belana Zwadsich. Für die Ernährungsgruppe steht eine selbst gesetzte Unterfrage im Fokus: Was sagen die Lebensmittelsiegel über die Haltung aus? Reichen die Kriterien für das Erlangen eines Siegels und gibt es Ansätze, die Siegel transparenter zu gestalten?
Belana Zwadsich ist von Natur aus an Klimathemen interessiert. Sie selbst ist der Thematik auch abseits des Campus verbunden: Aktuell macht sie einen Bundesfreiwilligendienst beim Bund für Umwelt und Naturschutz. "Außerdem lebe ich seit Ende vorigen Jahres vegetarisch“, zählt sie fast schon zurückhaltend einen nicht unbedeutenden Schritt auf. Als Dorfkind sei sie zudem auf den Öffentlichen Nahverkehr angewiesen, der den ökologischen Fußabdruck verbessere.
An ihrem Neuruppiner Gymnasium wurde das Klimabewusstsein der Jugend aktiv beflügelt. Über ein Programm bildete die Schule ihre Lernenden zu Klimabotschaftern aus. „Wir haben Spenden gesammelt, eine Pflanzaktion auf dem Schulhof gestartet und Vorträge gehalten.“ Die Schule selbst sei TeilnehmerInnen der „Fridays for Future“-Bewegung entgegengekommen. „Sie konnten dann etwas früher den Unterricht verlassen, um an Demos teilzunehmen“, sagt die 17-Jährige. Ihre Generation werde mit dieser Bewegung groß. „Genau deshalb macht es Spaß, nun mit den Experten forschen zu dürfen. Man lernt, klimabewusster zu denken und das eigene Verhalten zu hinterfragen.“
Die Campus-Ergebnisse werden im Herbst (dritter Block) vorgestellt. Am Ende wird die Flatowerin die einzige Brandenburgerin in diesem Jahr mit einem 2°Campus-Diplom sein.