Wer die Bahn nutzt, kennt das Fusion-Festival auch ohne dort gewesen zu sein. Vor der Pandemie lockte das Festival (fast) jedes Jahr Ende Juni zehntausende Gäste an. Tagelang waren die Züge des RE5 nach Neustrelitz proppevoll. In Oranienburg war der Zustieg in die Züge aus Berlin manchmal nicht mehr möglich. Dicht gedrängt standen die Menschen hinter den Waggontüren. Die Rückreisewelle dauerte meist bis Dienstag an. In den Waggons roch es nach Schweiß und Alkohol.
Diese Woche ist es wieder so weit: Vom 29. Juni bis 3. Juli findet die Fusion auf dem ehemaligen Flugplatz in Lärz bei Neustrelitz statt. Auf der Homepage des Festivals läuft ein Countdown. 70.000 Tickets wurden verlost, bis zu 100.000 Menschen werden erwartet - einige kommen als Zaungäste oder in der Hoffnung, doch noch irgendwann auf das Festivalgelände zu gelangen. Es gibt vergünstigte Sonntags-Tickets. Tausende Gäste werden vermutlich wie in den Vorjahren mit der Bahn anreisen. Allerdings rät das Organisationsteam des Festivals dringend davon ab: „Das 9-Euro-Ticket wird leider kein empfehlenswerter Ride auf die Fusion“, heißt es.

Zusteigen in überfüllte Züge kaum möglich

Denn die Züge sind an den Wochenenden sowieso schon sehr voll. Das 9-Euro-Ticket hat sogar dafür gesorgt, dass Regionalzüge Richtung Ostsee wegen Überfüllung geräumt wurden. In Oranienburg haben Fahrgäste bereits erlebt, dass sie in den RE5 nach Rostock nicht mehr zusteigen konnten. Wer ein Fahrrad mitnehmen will, hat grundsätzlich wenig Chancen, dafür noch einen Platz zu finden. An diesem Wochenende dürfte der Zustieg in den RE5 in Fürstenberg, Gransee, Löwenberg und Oranienburg also besonders schwierig werden.
In früheren Jahren setzte die Bahn Sonderzüge zur Fusion ein. Doch die wird es in diesem Jahr nicht geben. Laut Veranstaltern habe die Bahn mitgeteilt, dass „alles Material für den 9-Euro-Ansturm“ benötigt werde. Deshalb gebe es in den Zügen kaum Kapazitäten für Festival-Gäste.

Bundespolizei greift ein

Mit besonders großem Andrang wird insbesondere am Mittwoch und Donnerstag sowie bei der Rückreise am Sonntag gerechnet. „Hier wird es zu massiven Problemen kommen“, teilen die Festivalmacher mit. „Wir raten dringend von der An- und Abreise mit der Bahn über Neustrelitz ab.“ Die Bundespolizei habe bereits angekündigt, den Zugang zu den Zügen zu regulieren. „Wenn die Züge schon voll sind, ist es nicht ausgeschlossen, dass ihr am Bahnhof Neustrelitz strandet“, informiert die „Fusion“ ihre Gäste, die mit dem Zug zurück Richtung Berlin wollen.
„Wir fahren mit dem Bus“, sagt Anna, die mit ihrem Freund Kai zur Fusion nach zwei Jahren Pause wieder fährt. Die Organisation sei perfekt, die Anreise entspannt. Vom Zentralen Omnibusbahnhof ZOB in Berlin fahren sogenannten Bassliner-Busse direkt nach Lärz und von dort auch wieder zurück. Wer unbedingt auf Bus und Bahn angewiesen ist, solle diese Busse nehmen, raten die Festivalmacher. Es würden zusätzliche Busverbindungen angeboten.

Mit dem Fahrrad ab Birkenwerder

Dennoch fahren auch wieder Shuttle-Busse vom Bahnhof Neustrelitz zum Festivalgelände. Die Busse würden jeweils bis zum Eintreffen des letzten Zugs aus Richtung Berlin fahren - allerdings nur für Gäste mit Festivalticket. Auf der Festival-Homepage gibt es auch Tipps für die Anreise mit dem Auto oder per Taxi. Außerdem gibt es eine gemeinsame Radtour zum Festival. Die Tour startet am Donnerstag (30. Juni) um 10 Uhr am Bahnhof Birkenwerder (mit der S1 erreichbar) und führt auf 85 Kilometern nach Lärz. Die Tour wird von drei erfahrenen Personen bis zum Ziel begleitet und auch online beschrieben.
Das Programm der Fusion beginnt am Mittwoch um 18 Uhr und endet Sonntagabend. Auf den 40 Bühnen sieht das Programm insgesamt 1150 Acts vor. Das sind neben bekannten DJs elektronischer Musik auch Performances, Theater und Musikbands. Dazu kommen zahlreiche Lichtinstallationen, die zur Magie des Festivals beitragen. „Fernab des Alltags entsteht für vier Tage eine Gesellschaft der ganz speziellen Art“, beschreibt der Kulturkosmos Müritz e.V. das Festival, das 1999 zum ersten Mal stattfand. Die Gäste werden umfassend versorgt. Auf dem Gelände gibt es sogar einen „Konsum“ im Zirkuszelt mit Waren des täglichen Bedarfs. In den beiden vergangenen Jahr fiel die Fusion pandemiebedingt aus.