Während andere an der Bank des TuS 1896 Sachsenhausen die nächste gute Aktion der eigenen Mannschaft feierten, verfolgte Christopher Groll die letzten 35 Minuten des Stadtderbys der Fußball-Brandenburgliga gegen den Oranienburger FC Eintracht in zweiter Reihe. Dem 30-Jährigen bot sich in diesem für alle Seiten wichtigen Spiel dank einer 2:0-Führung, welche er selbst mit dem ersten Treffer auf den Weg brachte, die Gelegenheit, einen Gang runterzuschalten. Vieles fiel in diesem Moment von Groll ab. „Was die vergangenen Wochen emotional für mich bedeutet haben, darüber brauchen wir nicht zu reden“, sagt er.

Fußball an zweiter Stelle

Der Sachsenhausener stand in vielen der zurückliegenden Derbys auf dem Platz, etliche davon entschied er mit. Diesmal war jedoch etwas anders. Grundlegend anders. „Mein kleiner Mann war erstmals dabei“, sagt Christopher Groll. „Ich bin ganz frisch Papa geworden, weshalb ich dieses Derby ganz sicher nicht vergessen werde.“
Am 21. September erblickte Taavi Levin das Licht der Welt. „Er ist für meine Freundin und mich jetzt natürlich das Größte“, sagt Groll. Jedoch hatte die Familie einiges durchmachen müssen, bis der Satz über die Lippen kommen sollte, welchen jeder nach einer Geburt hören möchte. „Jetzt sind alle wohlauf.“ Dass Christopher Groll dieses kurze Statement mit dem Wort jetzt einleitet, bedeutet aber auch, dass dies nicht immer so war. „Einiges ist etwas schwierig gelaufen. Taavi hatte mit der Atmung zu tun. Das war keine schöne Nummer“, berichtet er von der Zeit aus dem Krankenhaus. „Mit Fußball ablenken konnte ich mich in diesen Tagen überhaupt nicht.“

Mit dem Hinterkopf den Sieg eingeleitet

Der TuS-Spieler spricht dabei von Erfahrungen, die erst einmal verarbeitet werden mussten. Und in den Sekunden nach seinem Treffer zum 1:0 (43.) war genau das zu spüren. Während viele Spieler beim Jubeln den Daumen in den Mund stecken oder eine Wiege andeuten, um die Geburt ihres Nachwuchses öffentlich kundzutun, drehte der Sachsenhausener groll-like mit dem ausgestreckten Zeigefinger ab. „Über etwas anderes habe ich nicht nachgedacht. Ich war in diesem Moment auch etwas aufgelöst“, gibt er zu.
Denn dass es überhaupt dazu kommen sollte, das eigene Team nach einem Freistoß von Dennis Wulff per Treffer mit dem Hinterkopf auf die Siegerstraße zu befördern, war für Groll alles andere als selbstverständlich. Nach dem Bekanntwerden der Startaufstellung habe er logischerweise „gebrannt. Die Freude war riesig, dass ich anfangen durfte“. Aufgrund der zuletzt nicht immer einfachen familiären Situation habe er jedoch nicht mit Trainingsbeteiligung glänzen können. „Deshalb finde ich es richtig stark vom Trainer, dass er sein Vertrauen in mich gesetzt hat. Es war überhaupt nicht klar, dass ich spielen werde. Ich denke aber, dass ich mit dem Tor und einem nicht ganz so schlechten Spiel auch einiges zurückzahlen konnte“, sagt er.

Stolz auf die Freundschaften

Groll hat geliefert. Und Trainer, Freunde und sein gesamtes Umfeld taten es auch, weshalb der 30-Jährige nun entspannter als noch vor Kurzem in die Zukunft mit der Familie und dem Team blicken kann. Für ihn sei es ein tolles Zeichen gewesen, wer alles in der Woche vor dem Stadtderby bei der „Pullerparty“ vorbeischaute. „Solche Dinge sind ja doch immer recht kurzfristig und spontan angesetzt.“ Trotzdem waren neben den Sachsenhausenern auch viele Spieler aus Oranienburg dabei. Genauso passend war, dass es nach der Partie am Sonnabend auch eine Einladung von OFC-Spielern für ein kleines Oktoberfest in Lederhosen gab. „Es gehört doch einfach dazu, dass man sich nach einem etwas robusteren Derby wieder die Hand reichen kann und zu dem einen oder anderen eine etwas engere Freundschaft pflegt“, sagt Christopher Groll.