Fußball
: Mielitz: „Sport spielt jetzt eine untergeordnete Rolle“

Profi Sebastian Mielitz, der in Oberhavel aufwuchs, lebt in Schleswig-Holstein und spielt in Dänemark. Der Torwart berichtet von den Coronavirus-Auswirkungen auf den Grenzverkehr, die Trainingseinheiten und die Zukunftsplanung.
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Von Stefan Zwahr
Löwenberg
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  • Sebastian Mielitz bestritt 62 Spiele in der Bundesliga. Am 17. September 2011 wurde der damalige Bremer im Spiel in Nürnberg eingewechselt. Das Spiel endete 1:1.

    Sebastian Mielitz bestritt 62 Spiele in der Bundesliga. Am 17. September 2011 wurde der damalige Bremer im Spiel in Nürnberg eingewechselt. Das Spiel endete 1:1.

    Daniel Karmann/dpa
  • Sebastian Mielitz ist in der dritten Saison Torwart in der höchsten dänischen Fußballliga.

    Sebastian Mielitz ist in der dritten Saison Torwart in der höchsten dänischen Fußballliga.

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Auch im Nachbarland überschlugen sich zuletzt aufgrund der Coronavirus-Pandemie die Ereignisse. Schulen und Kitas sind geschlossen, der Betrieb in Sportvereinen wurde eingestellt.  Die für  das zurückliegende Wochenende geplanten Spiele wurden abgesagt. „Davor hatten wir schon ein Geisterspiel. Nun wurde der komplette Fußball lahmgelegt.“ An Training war zunächst nicht zu denken. Mittlerweile ist diese Regelung gelockert worden. „Wir haben in kleinen Gruppen trainiert, die sich auch nicht verändern werden. Das ist im Moment möglich. Mal sehen, wie es sich entwickelt.“

Mielitz, der 62 Spiele in der Bundesliga absolvierte, gehört einer vierköpfigen Torwart-Gruppe an. Mit normalem Training sei das nicht zu vergleichen. „Wir versuchen, während der Übungen die Distanz zu wahren, halten zueinander zwei Meter Abstand. Das ist nicht normal. Aber wir versuchen, mit den gegebenen Umständen klarzukommen.“ Das Duschen nach dem Sport sei nicht gestattet.

„Ein sehr spezieller Umstand“

Für derartige Einschränkungen hat der frühere  Spieler von Werder Bremen absolutes Verständnis. „Es ist ein sehr spezieller Umstand. Die Maßnahmen haben ja einen Grund. Das passiert nicht aus Spaß.“ Er denke, dass die Lage wirklich ernst ist. „Sport spielt jetzt eine untergeordnete Rolle. Das Wichtigste ist, dass man gesund bleibt und sich der Virus nicht weiter verbreitet.“

Auch für die Familie würde es riesige Einschnitte geben. „Wir versuchen, jegliche soziale Kontakte zu vermeiden.“ Schwierig sei das für die Kinder (ein und vier Jahre), die es gewohnt seien, draußen mit ihren Freunden zu spielen. „Wir versuchen, das zu verhindern. So schade, wie es für die Kinder ist. Zum Glück haben wir einen großen Garten.“

Der Torwart lebt seit drei Jahren in Schleswig-Holstein. Von dort pendelt er. „Es sind knapp 60 Kilometer bis Haderslev. Ich brauche gut eine Stunde.“ An der Grenze würde es keine Probleme geben. „Ich muss mich ausweisen und auch die dänische Krankenkarte vorzeigen. Zudem musste ich meinen Vertrag und den Lohnzettel vorlegen.“ Wartezeiten habe es nicht gegeben. „Ich fahre aber auch nicht auf der großen Grenze rüber, sondern dort, wo es keine Lkw gibt.“

Da er der einzige Spieler von SönderjyskE ist, der in Deutschland wohnt, ist die Trainingsbeteiligung hoch. Überlegungen, in Anbetracht der Lage nicht am Training teilzunehmen, stellte Mielitz nicht an. „Solange es möglich und vertretbar ist, werde ich es auf mich nehmen.“ Er versuche, sich so gut wie möglich zu schützen. „Das ist das Einzige, was man machen kann.“ So eine Situation habe es noch nie gegeben. „Darum weiß auch keiner, wo die Reise hingeht.“

Der Spielbetrieb in Dänemark wurde zunächst bis zum 26. März ausgesetzt. „Stand jetzt. Ich glaube aber nicht, dass das realistisch ist.“ Was dann passiert, ist unklar.

„Wir werden von unserem Manager auf dem Laufenden gehalten. Aber im Moment ist es ganz ruhig.“ In der 14 Mannschaften umfassenden Alka-Superliga steht der Mielitz-Club, der an der Haderslebener Förde beheimatet ist, auf dem elften Tabellenplatz. Zwei Spieltage stehen in der Hauptrunde noch aus. Die Abstiegsrunde droht. Könnten seine Teamkollegen demzufolge mit einer Annullierung der Saison leben? „Gute Frage. Damit habe ich mich noch nicht befasst. Ich denke, es wird sowieso viele Veränderungen geben.“

Keiner könne das Ausmaß einschätzen. So würden zum Beispiel viele Verträge zum 30. Juni auslaufen. „Meiner ja ebenso. Wenn die Liga zu Ende gespielt werden sollte, würde es bestimmt bis über den 30. Juni hinausgehen. Es ist noch vieles im Ungewissen.“ Da müssten die Verbände eine Antwort drauf haben, wenn es so weit ist. Bis dahin gehe es um das Wohl der Bevölkerung. „Das steht im Vordergrund.“ Mielitz berichtet von einem Nachbarn, der ein Restaurant betreibt und dieses wohl schließen müsse.  „Für viele ist das ein Existenzkampf. Da geht es uns Fußballern noch gut.“

Durch die Wiederaufnahme der Teameinheiten habe der Verein versucht, nach vielen Tagen des individuellen Trainings etwas Normalität in die Situation zu bringen. „Da ist natürlich viel Eigenmotivation gefragt. Für einen Sportler ist es das Schwerste, nicht zu wissen, wann es weitergeht. Man arbeitet auf ein Ziel hin, ohne die Ziellinie zu sehen.“

Von Grüneberg über Werder Bremen nach Dänemark

Sebastian Mielitz, geboren am 18. Juli 1989, wuchs in Neulöwenberg auf.

Seine ersten Vereine waren die TSG Fortuna 21 Grüneberg (1996 bis 1999) und der Löwenberger SV (1999/2000). Nach zwei Spielzeiten beim Oranienburger FC Eintracht und einer Saison in den Diensten des MSV Neuruppin landete der Torwart beim FC Energie Cottbus.

2005 folgte der Wechsel in die B-Jugend des SV Werder Bremen.

Sein Profidebüt in der 3. Liga (insgesamt 41 Einsätze) gab Mielitz im August 2008. 16 Monate später absolvierte er sein erstes Spiel in der Bundesliga (0:0 gegen den 1. FC Köln) und kam in seinem bislang einzigen Europa-League-Spiel gegen Nacional Funchal zu seinem ersten internationalen Einsatz.

In der Champions League bestritt der Schlussmann sein erstes von insgesamt zwei Spielen im Oktober 2010. Gegner war Twente Enschede.

Im DFB-Team hatte der Keeper aus Oberhavel bereits zuvor drei Spiele für die U-20-Nationalmannschaft bestritten. 2009 gehörte er zum Kader bei der Junioren-Weltmeisterschaft und kam zu einem Einsatz gegen Kamerun. Nummer 1 war Ron-Robert Zieler.

Sebastian Mielitz absolvierte für Bremen 62 Spiele in der 1. Bundesliga. In der Saison 2012/13 stand er in allen 34 Partien auf dem Platz, verlor aber im Januar 2014 seinen Stammplatz an Raphael Wolf.

Beim SC Freiburg stand Mielitz in der Saison 2014/15 unter Vertrag, bestritt dort zwei seiner sechs DFB-Pokalspiele.

Nächste Station war der Zweitligist Greuther Fürth. Für diesen kam er in 33 Spielen zum Einsatz – allesamt in der Saison 2015/16. Der im Sommer 2017 auslaufende Vertrag wurde nicht verlängert.

Zur Saison 2017/18 wechselte der Vater von zwei Kindern zum dänischen Erstligisten SönderjyskE Fodbold, der in Haderslev beheimatet ist. Sein Vertrag läuft bis 2020. Bislang kam er in Dänemark in 94 Spielen zum Einsatz. ⇥sz