Trainer Steven Rohrlack ist hin- und hergerissen. Überwiegt der Ärger über eine katastrophale erste Halbzeit seines SV Friedrichsthal im Spiel beim Häsener SV, oder ist es doch der eher zufriedene Blick zurück, dass es seiner Mannschaft gelang, derart Moral zu zeigen, dass sie sich nach einem 0:6-Rückstand sogar noch die Chance auf einen Punktgewinn erspielte? „Es ist wohl das 0:4 zur Pause, welches mich am meisten ärgert“, sagt der SVF-Coach, der sich in der Kreisoberliga letztlich dem HSV mit 5:6 geschlagen geben musste.

Unglückliche Szene

85 Minuten waren in Häsen gespielt, als sich Mercier Kolasinski den Ball zum Freistoß zurechtlegte. Der Friedrichsthaler schoss die Kugel jedoch drüber. „Dabei hätte der Ball nur irgendwie auf das gegnerische Tor kommen müssen“, beschreibt Steven Rohrlack eine für ihn unglaubliche Szene. Denn: „Häsens Keeper Philipp Pommerening war ausgerutscht.“ Damit hatte der SV sogar noch den möglichen Ausgleich in einer turbulenten Partie auf unglückliche Art und Weise liegengelassen.
Dass es zu dieser Gelegenheit allerdings überhaupt noch kommen sollte, damit hatte beim SVF niemand mehr gerechnet. Denn bereits nach etwas mehr als einer halben Stunde lagen die Gäste schon aussichtslos mit 0:4 zurück. Und eben jene Aussichtslosigkeit sollte kurz nach der Pause sogar noch an Kontur gewinnen, als Häsen die Treffer fünf und sechs folgen ließ und damit scheinbar alle Hoffnungen der Friedrichsthaler auf ein halbwegs versöhnliches Resultat endgültig beendete.

Unerwartetes Comeback

Doch anstatt sich komplett deklassieren zu lassen, waren plötzlich die Friedrichsthaler am Drücker. „Meine Mannschaft wacht leider immer erst zu spät auf. Die vier Gegentreffer zwischen der 21. und 31. Minute dürfen uns aber einfach nicht passieren. Da waren wir überhaupt nicht auf dem Platz, meine Abwehr nicht gut und unsortiert“, sagt Steven Rohrlack. „Wir haben es den Häsenern sehr einfach gemacht.“ Deshalb sei es schön gewesen, später eine Reaktion seiner Elf, mit fünf Treffern in Serie, nach etwas mehr als 50 Minuten,  zu erleben. „Kassieren wir vor der Pause vielleicht nur zwei Gegentreffer, bekommen wir am Ende möglicherweise sogar noch die Chance, das Spiel zu gewinnen.“

Verletzte kehren zurück

In derlei Kaffeesatzleserei will sich der Coach des SV Friedrichsthal jedoch nicht großartig verlieren. Er will trotz dieser Begegnung, welche auch Häsens Trainer Bastian Peschel als „völlig verrückt“ bezeichnet, positiv nach vorne schauen. Hatten bei der Partie in Häsen in seinem Team noch Spieler wie Sebastian Stanke aus der eigenen Ü 45 oder Jungs aus der eigenen Reserve aushelfen müssen, werden die personellen Sorgen nun weniger. „Die Verletzten kommen nach und nach zurück“, sagt ein diesbezüglich zufriedener Steven Rohrlack, der spätestens nach dem freien Kreispokal-Wochenende am 10. Oktober eine wesentlich entspanntere Situation in seinem Kader erwartet, als in den Wochen nach dem Saisonstart. In den fünf bisherigen Kreisoberliga-Spielen kamen auf Seiten des SV Friedrichsthal bereits 28 Fußballer zum Einsatz.