Noch hat Justin Hippe keine komplette Spielzeit für den BSC Fortuna Glienicke auflaufen können. Die abgebrochene Saison 2019/2020 hatte logischerweise auch ihn ausgebremst. Anders als das gesamte Team hat der Stürmer jedoch keine Anlaufzeit gebraucht, um wieder voll durchzustarten. In den ersten vier Glienicker Partien traf der 24-Jährige bereits sechsmal.

Nach einem holprigen Start in die Saison scheint sich die Fortuna gefangen zu haben. Trügt der Eindruck, oder ist das tatsächlich der Fall?

Justin Hippe: Wir haben uns selbst den Start natürlich anders vorgestellt und dachten, dass wir ein paar Punkte mehr mitnehmen könnten. So, wie es jetzt aussieht, ist es zwar nach wie vor etwas unglücklich, doch wir sind froh, dass wir das letzte Spiel gegen Stahl Brandenburg gewonnen haben. Im Landespokal sind wir zuvor gegen Oberligist Seelow weitergekommen und das zeigt, dass wir langsam wieder in die Spur kommen.

Warum waren die ersten Begegnungen so schwierig für Ihre Mannschaft?

Man hat einfach gemerkt, dass die Mannschaft noch Zeit zur Vorbereitung gebraucht hätte, um die vielen Abläufe reinzubekommen. In unseren letzten beiden Spielen war nun aber deutlich zu spüren, dass vieles geklappt hat, was vorher noch überhaupt nicht funktionierte. Jetzt sind wir richtig drin.

Ist es denn nach wie vor so, dass Glienicke ohnehin spielstarke Gegner mehr liegen als ein Team, welches stark defensiv ausgerichtet ist?

Wir kommen damit einfach besser klar, wenn andere Mannschaften selbst gut Fußball spielen und den Ball laufen lassen können. Perleberg war beispielsweise nicht so stark wie Brandenburg oder Seelow, und schon hatten wir Probleme. Dass wir gegen diese Mannschaft zu Hause als Verlierer vom Platz gegangen sind, lag aber wohl auch daran, dass wir am zweiten Spieltag noch nicht so eine eingespielte Truppe waren wie jetzt.

Wie haben sich die Erfolge aus den zurückliegenden Wochen auf die Stimmung innerhalb Ihrer Mannschaft ausgewirkt?

Der Stimmung haben die Siege natürlich sehr gutgetan. Wobei ich aber auch sagen muss, dass wir uns alle in der Mannschaft sehr gut verstehen. Wir haben in dieser Saison ein richtig cooles und lustiges Team zusammen. Es macht einfach Spaß, mit den Jungs Fußball zu spielen. Auch die Reservespieler fiebern immer mit.

Das klingt aber so, als ob sich dahin gehend im Vergleich zur Vorsaison einiges verändert hat.

Wir hatten damals auch eine gute Mannschaft. Das Gefühl des Zusammenhalts ist diesmal aber anders.

Mit einem solchen Fundament sollte dann aber doch in der laufenden Spielzeit für die Fortuna einiges möglich sein. Wo soll die Reise hingehen?

Ich würde sehr gern oben mitspielen. Das ist für mich keine Frage, dafür spiele ich Fußball. Ich will einfach immer das Beste erreichen. Für das Team gilt das auch. Im Training ist zu sehen, dass die Qualität dafür vorhanden ist.

An diesem Sonnabend müssen Sie mit dem BSC beim Tabellenzweiten FC Concordia Buckow/Waldsieversdorf antreten. Was erwartet Sie dort?

Aus der vergangenen Saison wissen wir, dass das auch ein sehr spielstarker Gegner ist, der über große individuelle Klasse verfügt. Ich hoffe, dass uns dieser Gegner deshalb wieder liegt. Wenn wir so spielen wie zuletzt, können wir auch Buckow packen. Ich muss aber auch sagen, dass wir in jedem Spiel vor allem läuferisch an unsere Grenzen gehen müssen. Dadurch, dass die Vorbereitung nicht so lang war, haben wir in diesem Bereich noch Defizite.

Vor Ihrem Wechsel nach Glienicke standen Sie ausschließlich für Berliner Vereine auf dem Platz. Wie lautet Ihr erstes Fazit in Bezug auf den Fußball in Brandenburg?

Ich merke schon, dass hier in Brandenburg in der Landesliga einige Spieler dabei sind, die einiges drauf haben und durchaus höherklassig spielen könnten. Das Niveau ist aber allgemein sehr hoch. Ich bin mir auch sicher, dass einige Mannschaften aus der Landesliga auch in der Brandenburgliga mithalten könnten.

Was genießen Sie denn mehr? Die Spiele auf dem Glienicker Kunstrasen oder die zahlreichen Auswärtsfahrten und Begegnungen auf einer Naturrasenanlage?

Es ist natürlich immer etwas Besonderes, auf einem guten Rasenplatz, beispielsweise in Velten, zu spielen. Da freue ich mich natürlich sehr drauf. Ich habe mich aber auch so langsam an den Platz in Glienicke gewöhnt. Das ist eben ein Kunstrasen, der vielleicht nicht mehr so schön ist. Ich spiele aber einfach sehr gerne zu  Hause. Wir haben zwar nicht so viele Fans, und doch macht es Laune, vor der heimischen Kulisse zu spielen.

Bisher sind Sie für die Fortuna in der Landesliga 20-mal zum Einsatz gekommen und haben dabei 23 Treffer erzielt. Bedeutet diese starke Bilanz, dass Sie sich nicht nur schnell beim BSC zurechtgefunden haben, sondern auch das Spielsystem für Sie wie gemacht ist?

Ich wurde super empfangen. Die Mannschaft ist sowieso unglaublich nett. Die Charaktere passen bei uns einfach super zusammen. Da ich auch vom Trainer und auch vom Vorstand das Vertrauen bekommen habe, fühlte ich mich direkt wohl. Das gilt auch für unser Spiel. Ich bin eher der Spielertyp, welcher den Ball hält und festmacht. Dann habe ich meine Sturmpartner Marc Zellner oder Ümit Ejder und wir ergänzen uns einfach sehr gut.

Schauen Sie eigentlich auf die eigene Torquote, oder ist diese Ihnen egal?

Natürlich interessiert so etwas. Ein Stürmer will doch immer Tore schießen. Eine Zahl habe ich mir aber nicht gesetzt, die ich erreichen will. Ich lasse das einfach auf mich zukommen. Über allem steht aber natürlich, dass wir gewinnen. Wenn wir Punkte holen und ich nicht treffe, ist das doch logischerweise viel besser, als wenn ich drei Buden mache und wir trotzdem verlieren. Für meine persönlichen Ziele ist mir die eigene Statistik aber dennoch wichtig.

Gibt es eigentlich einen Grund dafür, dass Sie mit der Nummer acht und nicht, wie für einen Top-Stürmer üblich, mit der Neun auflaufen?

Es gibt in Glienicke einfach kein Trikot mit der Nummer neun, welches mir passt. Ich habe die Größe M zwar einmal anprobiert, dachte mir aber dann sofort, dass ich das nicht machen kann. Die Acht zu tragen ist aber für mich jetzt auch nicht so schlimm.