Gewinner
: Mit 28 Jahren Chef von mehr als 70 Leuten

Im Mai wurde Gerrit Gugat zum ersten Jungunternehmer des Jahres gewählt. Mit 28 Jahren trägt er bereits die Verantwortung über zwei Firmen.
Von
Burkhard Keeve
Oranienburg
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  • Auf der Mirko, der Mitteldeutschen Regionalkonferenz der Wirtschaftsjunioren Oberhavel in Oranienburg, wird Gerrit Gugat am 19. Mai zum besten Jungunternehmer ausgezeichnet.

    Auf der Mirko, der Mitteldeutschen Regionalkonferenz der Wirtschaftsjunioren Oberhavel in Oranienburg, wird Gerrit Gugat am 19. Mai zum besten Jungunternehmer ausgezeichnet.

    Burkhard Keeve
  • ora-190615-mirko-bu4 Mirko 2019 Wirtschaftsjunioren Oberhavel Oranienburg Sieger und Show

    ora-190615-mirko-bu4 Mirko 2019 Wirtschaftsjunioren Oberhavel Oranienburg Sieger und Show

    Burkhard Keeve
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Sein Vater wollte, dass er Abitur macht, er wird Dachdecker. „Ich hatte keinen Bock mehr auf Schule. Ich war im Grunde ein fauler Hund, der 3er–Kandidat aus der letzten Schulbank.“ Abenteuer, statt Abitur, so stellte er sich als junger Mensch den künftigen Werdegang vor. Denn er wollte zur Berufsfeuerwehr, dafür war eine Berufsausbildung die Voraussetzung.

Doch nach zwei Jahren als Dachdeckergeselle ließ er den Hammer fallen, stieg aus, um künftig noch höher zu steigen, auf Schornsteine, Windkraft– und Mobilfunkanlagen sowie steile Fassaden. Er schulte um und machte sich als Industriekletterer selbstständig. Als 21–Jähriger kraxelte er auf Stahlgerüsten in Kraftwerken herum, um in luftiger Höhe hängend am Seil, meterdicke Rohre zu montieren. Seine Augen leuchten auf bei diesen Erinnerungen. Überall war er in Deutschland auf Montage, aber auch in England, Italien und Spanien war keine Höhe vor ihm sicher. Irgendwann hatte er die Nase vom Rumziehen voll.

Ihn zog es zurück nach Hamburg. Doch kurz vor der Hansestadt bog er rechts ab nach Berlin. Da hatte Gugat eine Berlinerin kennengelernt. Sein Radius verkleinerte sich auf 300 Kilometer mit Schwerpunkt Berlin, der Freundin wegen. Dadurch geriet er beruflich mehr in Richtung Reinigung von Fassaden, Tragwerken und Glas. Ein Fingerzeig, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, genauso wie der Spurwechsel vor Hamburg. Durch seine Freundin lernte er Oranienburg kennen. Ende 2014 bekam Gugat Wind von einen „big deal“. Rowi–Inhaber suchte einen Nachfolger für sein komplettes Unternehmen. Vier Monate später die Unterschrift.

„Über Nacht war ich plötzlich Chef von 26 Leuten, die teilweise so alt waren wie meine Eltern.“ Mit einem Schuldenberg im Nacken stürzte er sich in die Arbeit. Ein Jahr später fuhr er mit seinem Team das beste Jahresergebnis der Firmengeschichte ein. „Ich bin sehr ehrgeizig, ich will das Bestmögliche“, sagt Gugat, und zwar so, dass man am liebsten sofort bei ihm anfangen will. Aber er fordert auch viel von allen und von sich. Er geht vor, denn er will immer weiter wachsen, nicht locker lassen, so lange, bis es klappt. Daran will er sich messen lassen. „Stagnation ist Rückschritt.“

Er nennt das Unternehmertugenden. Gleichzeitig aber Mensch bleiben, mit beiden Füßen auf dem Boden. Den Blick heben für die Probleme und sie lösen, wie für den Geflüchteten, den er einstellte. Weil der im lauten Heim nicht schlafen konnte, besorgte er ihm eine Wohnung. Seine Sekretärin schrieb Behördenbriefe in Deutsch für den Geflüchteten.

Stopp! Gugat ist kein Heiliger. Es gibt Schattenseiten. Drei Jahre arbeitete er 365 Tage im Jahr, die Beziehung zur Berliner Freundin ging „krachen“. Dafür übernahm er 2017 seine zweite Firma. Nach Rowi folgte die branchenähnliche Wilfried Rom GmbH in Potsdam. Mehr Leute, mehr Verantwortung. Gugat zog Bilanz und gedanklich die Reißleine. Er musste lernen, abzugeben, setzte bei Rowi gute Leute fürs Tagesgeschäft ein, muss nicht immer vor Ort sein und alles selbst entscheiden.

Gugat: „Das ist mir ganz, ganz schwergefallen.“ Dann zog er von Oranienburg nach Potsdam. „Das musste sein, ich war am Ende: 13 Stunden Arbeit, drei Stunden im Auto und schlecht schlafen“, ein ungesunder Rhythmus. 2018 machte er erstmals nach Jahren  wieder Urlaub. 14 Tage weit weg mit seiner neuen Freundin auf eine Insel, sodass er nicht einfach zurückfahren konnte, falls es in den Firmen brennt. Das alles hindert ihn aber nicht, weiter an Wachstum zu denken und an andere: „Ich will zurückgeben.“ Das macht er zum Beispiel bei der IHK. Dort berät er Existenzgründer und Betriebsnachfolger.