Zunächst drehte sich nach dem Drittligaspiel des Oranienburger HC gegen den Stralsunder HV (35:26)  in den Aussagen der Spieler noch auf dem Feld und der Verantwortlichen beim anschließenden Pressegespräch am Samstagabend in der MBS-Arena naturgemäß alles um die gerade absolvierten 60 Minuten. Aber angesichts der mit 260 Fans nur spärlich gefüllten Halle und dem fast greifbar in der Luft schwebenden Thema Corona konnten auch Aussagen dazu nicht ausbleiben. Schon beim Einlaufen der Mannschaften vor dem Anpfiff war die kurzzeitige Impression von einem „normalen“ Heimspiel schlagartig verflogen.

Maskiert aufgelaufen

Die OHC-Akteure kamen mit Gesichtsmasken aufs Parkett. Erst beim Platznehmen auf der Spielerbank wurden diese dann abgesetzt. Das gleiche Bild bot sich vor Beginn der zweiten 30 Minuten. „Logisch ist die Pandemie ein Thema. Aber was sollen wir spekulieren? Wie es weitergeht, liegt nicht in unserer Hand“, sagte OHC-Spieler Lasse Scharge.
Und als in der kleinen Presserunde auch die Trainer gebeten wurden, ihre Vorstellungen zum weiteren Verlauf der Saison darzulegen, gab es zunächst eine kurze Pause. Dann waren die Aussagen vom Stralsunder Steffen Fischer und von OHC-Coach Silvio Krause fast deckungsgleich. „Wir sind aus Stralsund losgefahren und haben auch gesagt, wer weiß, vielleicht ist es schon das letzte Spiel. Also lasst es uns genießen und Spaß haben!“, antwortete Steffen Fischer fast gelassen. Doch die Emotionen waren ihm anzusehen. „Wir sind machtlos“, fügte er noch hinzu.
Silvio Krause bemühte zunächst eine Floskel: „Wir schauen von Spiel zu Spiel. Aber im Ernst, wir, und alle anderen sicher auch, betreiben im Moment einen Riesenaufwand bei der Organisation und Absicherung des Spielbetriebs, der Hygienekonzepte und Auflagen aller Art. Es wäre sehr schade, wenn es nicht weitergeht. Wir und auch unsere Fans wollen weiter Spaß am Handball haben. Aber wir können halt nur alle Auflagen erfüllen und müssen abwarten.“

Weitere Einschränkung

Am kommenden Sonnabend steigt für den OHC zunächst die Auswärtspartie beim SC DHfK Leipzig II. Den nächsten Auswirkungen der derzeitigen Situation müssen sich die Kreisstädter dann sechs Tage später erneut zu Hause stellen. Aufgrund der terminlich engen Saison gibt es einen vom Deutschen Handball-Bund (DHB) terminierten Doppel-Spieltag für die ganze Liga. Am Freitag, 6. November, 19.30 Uhr, empfängt der OHC die HSG Hamburg Barmbeck. Bereits zwei Tage später, am Sonntag, ist die Mannschaft um 16 Uhr bei der Bundesliga-Reserve der Füchse Berlin zu Gast.
Die Rückspiele finden dann ebenfalls an einem Doppel-Spieltag statt. Schon jetzt ist klar, dass beim Heimspiel nicht mehr 260 Zuschauer dabei sein werden. Die Zahl wurde auf 150 reduziert. Bei weiter ansteigenden Infektionszahlen seien dann auf Beschluss der Landesregierung nur noch 100 zugelassen, sagte Christian Pahl, der damit bereits am vergangenen Sonnabend gerechnet hatte. „Die Mannschaft hat mich überzeugt und ein tolles Spiel geliefert. Aber wenn die Zahlen weiter so sprunghaft ansteigen werden, befürchte ich, dass die Saison nicht bis zum Ende gespielt wird. Wahrscheinlich wird es zunächst gänzlich ohne Zuschauer weitergehen. Und dann kann es sehr schnell gehen“, sagte der Sportliche Leiter, der zuvor bis zum Ende der letzten Saison sieben Jahre lang Trainer des Drittligisten gewesen war.

Verbände halten an Ligaspielbetrieb fest, Landespokal ausgesetzt


Das Präsidium des Handball-Verbands Brandenburg (HVB) hat sich am Montag in einer kurzfristig angesetzten Konferenz mit der aktuellen Situation rund um die Corona-Pandemie auseinandergesetzt. Die wichtigste Entscheidung dabei: Der Spielbetrieb in der Saison 2020/21 soll zum gegenwärtigen Zeitpunkt fortgesetzt werden. Dies ist die einhellige Meinung aller Präsidiums-Mitglieder und gilt unter der Voraussetzung, dass auf politischer Ebene seitens der Landesregierung keine gegenteilige Regelung erfolgt.

Allen Verantwortlichen ist die aktuell schwierige Situation logischerweise bewusst. In einer Mitteilung des Verbandes heißt es: „Bei einem erneuten Unterbrechen oder einem Einstellen des Spielbetriebs sind nachhaltige Schäden für den Fortbestand des Brandenburger Handballs und seiner Vereine zu befürchten.“ Aus diesem Grund seien alle Vereine aufgefordert, nochmals kritisch die eigenen Hygienekonzepte, sowohl für Trainingseinheiten als auch Wettkämpfe, auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Gleichzeitig sei es wichtig, Spiele nur aus zwingenden Gründen abzusagen.

Zusätzlich soll geprüft werden, ob eine Lockerung hinsichtlich der Abmeldung von Mannschaften eingeräumt werden kann.

Um weitere Ausweichtermine für coronabedingte Spielabsagen zu erhalten, legt das HVB-Präsidium zudem fest, dass der Landespokal der Frauen und Männer in der Saison 2020/21 ausgesetzt und damit nicht ausgespielt wird. Das Hauptaugenmerk liege darauf, den Ligaspielbetrieb so weit wie möglich durchzuführen. So ist unter anderem am vergangenen Wochenende der komplette Brandenburgligaspieltag der Männer ausgefallen.

Das Signal des Landesverbandes, den Spielbetrieb unbedingt aufrechterhalten zu wollen, kommt auf Kreisebene gut an. „Auch wenn die Infektionszahlen immer weiter steigen, hoffen wir natürlich, dass es für den Freizeitsport keine weiteren Einschränkungen geben wird“, sagt Tom Neumann. Der Pressewart des Kreisfachverbandes Oberhavel glaubt an eine Fortsetzung der Saison. „Von all dem, was man mitbekommt, scheint der Sport nicht zwingend ein großer Infektionsherd zu sein. Das sind scheinbar eher die privaten Feiern. Deshalb werden wir mit unseren Vereinen und den erarbeiteten Hygienekonzepten weiter den allgemeinen Vorgaben folgen.“ Zwingend einzuhalten ist: „Wenn es jemanden gibt, der als Kontaktperson gilt, ist dieser sofort aus dem Trainings- und Spielbetrieb herauszunehmen“, so Neumann. red/skr