Heimatforscher
: Der Geschichtskreis Borgsdorf bleibt aktiv

Die Borgsdorfer Gruppe hat zwar ihre Veranstaltungen abgesagt, aber die Arbeit geht weiter.
Von
Daria Doer
Borgsdorf
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  • Horst Bittkau und Dr. Erdmann Bieber zeigen die sechs Heft der "Borgsdorfer Geschichte(n)", die inzwischen erschienen sind.

    Horst Bittkau und Dr. Erdmann Bieber zeigen die sechs Heft der "Borgsdorfer Geschichte(n)", die inzwischen erschienen sind.

    Daria Doer
  • Die Stele erinnert an die Tradition des Borgsdorfer Gartenbaus.

    Die Stele erinnert an die Tradition des Borgsdorfer Gartenbaus.

    Daria Doer
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Diese Geschichten, Fotos und Erinnerungen sammeln die Mitglieder des Geschichtskreises für das kleine Borgsdorf. Sie bemühen sich, all das vor dem Vergessen zu bewahren, was das Leben der früheren Bewohner ausgemacht hat. Sie wissen, dass, obwohl nicht weit entfernt von der Berliner Trümmerwüste und nahe am fast vollständig zerstörten Oranienburg, in Borgsdorf genau zwei Bomben fielen. Diese beschädigten im Mai 1943 und im Sommer 1944 dasselbe Haus in der Bahnhofstraße 2, damals ein Gasthaus, später ein Konsumladen, dann ein Kino und heute schließlich ein Wohn– und Geschäftshaus.

Alte Urkunde ist erhalten

Eine viel ältere Geschichte erzählt Horst Bittkau, der zu den Gründungsmitgliedern gehört: „Am 2. März 1790 überschrieb der preußische König Friedrich Wilhelm II. einem Friedrich Preußing und seinen Erben ein Büdnerhaus. Dessen Familie wohnte dort, bis sie vor ein paar Monaten aus Altersgründen das Haus verkaufen musste.“ Friedrich Preußing war Invalide, also ein nicht mehr dienstfähiger Soldat. Er bekam eine schon vorhandene Doppelhaushälfte und Land, um sich und seine Familie zu ernähren. Einerseits war er damit versorgt, andererseits sicherte die königliche Schenkung auch die Bewirtschaftung des Acker– und Gartenlandes in dem kleinen Vorwerk Pinnow. Das ist inzwischen 230 Jahre her. Das  Grundstück in der Dorfstraße 6 war durchgehend im Besitz derselben Familie.

Werner Schötz, der Nachkomme Friedrich Preußings sagt: „Auf dem Grundstück stehen heute zwei Häuser. Das große Backsteinhaus hat meine Urgroßmutter 1896 bauen lassen, aber in dem kleinen Haus daneben steckt noch die alte Bausubstanz.“ Nicht nur Haus und Grundstück haben sich erhalten, auch die Schenkungsurkunde und das Wissen um die Landzuweisung sind in der Familie immer weitergegeben worden. Eine Kopie der Urkunde ist im Geschichtsstübchen der Stadt Hohen Neuendorf in der Karl–Marx–Straße 24 ausgestellt.

Gründung vor sechs Jahren

Zusammengefunden hat sich der Geschichtskreis im September 2014, als Hohen Neuendorf eine Stele plante, die an die ehemalige Gärtnerei erinnert, auf deren Gelände sich heute das „Blumenviertel“ befindet. Damals suchte die Stadt Zeitzeugen und Interessierte für das notwendige Hintergrundwissen. Die Stele wurde zwei Jahre später enthüllt und steht an der Stelle des ehemaligen Haupteingangs zur Gärtnerei, heute die Kreuzung Sperber– und Blumenstraße. Leider sind die Bilder inzwischen kaum noch zu erkennen, aber der damals sorgfältig erarbeitete Text spricht für sich.

Seitdem treffen sich die Mitglieder einmal im Monat. Die Zeitzeugen und Hobbyhistoriker haben in den vergangenen sechs Jahren historische Postkarten neu drucken lassen, Vorträge gehalten und historische Spaziergänge organisiert. Neben anderen Veröffentlichungen bringen sie als eigene Reihe die „Borgsdorfer Geschichte(n)“ heraus. Deren erste Hefte mussten schon nachgedruckt werden.

Der neue Leiter, Dr. Erdmann Bieber, hat noch eine ganze Liste von Themen, die geplant oder schon in Bearbeitung sind: „Wir wollen Faltblätter mit historischen Spaziergängen in Borgsdorf und Umgebung herausgeben. Das haben uns unsere Nachbarn in Birkenwerder schon vorgemacht. Routen, auf denen eine kurze Information zu interessanten Stellen gegeben wird.“

„Daneben gibt es natürlich die langfristigen Forschungen wie die Geschichte der „Behelfsheime für ausgebombte Berliner“ im Waidmannsweg oder die Suche nach dem immer wieder veränderten Verlauf der Havel zwischen Oranienburg und Birkenwerder“, sagt Dr. Bieber.

Dafür und für viele andere Projekte wünschen sich die Mitglieder des Geschichtskreises Nachwuchs, denn sie wollen nicht nur die alteingesessenen Borgsdorfer an ihre Vergangenheit erinnern, sondern den neueren Bewohnern und den Kindern ihren Wohnort nahebringen.