Hilfe
: Eine Freundschaft überwindet Grenzen

Gemeinsam mit Helfern fuhr Michael Lüttke aus Liebenwalde im April in die Ukraine. Bei Freunden war der Dachstuhl eines Einfamilienhauses abgebrannt.
Von
Volkmar Ernst
Liebenwalde/Kiew
Jetzt in der App anhören

Der Dachstuhl steht: Dieter Hübner (rechts) und Michael Lüttke (Zweiter von rechts) mit den anderen Helfern.

Volkmar Ernst

Freundschaft zu DDR-Zeiten

Die Freundschaft der Familien reicht in die 1980er-Jahre zurück, als es noch die DDR und die Sowjetunion gab und sowjetische Truppen auf einem Übungsgelände in Vogelsang bei Zehdenick stationiert waren. Dort tat auch Victor Prosolupow seinen Dienst. Obwohl private Kontakte trotz der in der DDR offiziell immer beschworenen Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF) nicht gern gesehen wurden, freundeten sich die Familien an. Was noch wichtiger ist: Die Freundschaft endete auch nicht, als es die DDR nicht mehr gab und im Zuge der deutschen Vereinigung die sowjetischen beziehungsweise dann russischen Truppen abgezogen wurden. Das war 1991 der Fall. Doch die Freundschaft blieb bestehen, wie die regelmäßigen Telefonate und Besuche belegen. Selbst der Tod von Victor vor gut zwei Jahren ließ die Freundschaft nicht enden.

Insofern war für Lüttkes klar, dass sie ihrer Freundin Galina helfen werden. Doch ging es in diesem konkreten Fall um das praktische Anpacken. Einen Mitstreiter fand Michael Lüttke in Handwerker Dieter Hübner, der sich gemeinsam mit ihm Anfang April auf den Weg in die Ukraine machte, um beim Wiederaufbau des Dachstuhls zu helfen. Im Wagen verstauten sie das Werkzeug, dann ging es auf die Reise. Gut 1 500 Kilometer waren bis zu dem kleinen, in der Nähe von Kiew gelegenen Ort zurückzulegen. Eigentlich kein Problem, einmal abgesehen von den strapaziösen Kontrollen durch die polnischen Zöllner und den doch teilweise sehr reparaturbedürftigen Straßen in der Ukraine, wie Michael Lüttke erzählt.

Gut zehn Tage waren die Helfer vor Ort. Galina Prosolupow hatte den Dachstuhl bestellt und noch Helfer organisiert. Sie sorgte für die Versorgung, die Männer packten an. Von Vorteil war, dass Lüttke „einigermaßen gut Russisch sprechen kann“, wie er selbst einschätzt. „Das ist schon von Vorteil, wenn man miteinander arbeitet“, stellt er klar. Das Holz musste aufs Haus geschafft und dann daraus die Dachstuhlkonstruktion zusammengezimmert werden. „Es hat geklappt“, freut sich Michael Lüttke und dankt allen, die ihn dabei unterstützt haben. Denn auch wenn er keinen Spendenaufruf gestartet hat, haben ihm Bekannte und Freunde Geld mitgegeben, das er Galina überreichen sollte, damit sie möglichst schnell wieder in ihr Haus einziehen kann. "Das nenne ich Freundschaft“, freut sich Michael Lüttke über die Zuwendungen. Wenn alles klappt, will Galina im Sommer ihre Freunde besuchen kommen.

Info-Kasten

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel