Historisches: Von FKK bis Ziegelfabrik - Geschichten aus Hohen Neuendorf und Birkenwerder
Kein Foto diesmal auf dem Deckblatt: Es ist ein Landschaftsgemälde, das den Kalender „Geschichte & Geschichten für das Jahr 2021 ziert. Das Original gehört der Stadt. Hermann Scheffler hat dieses Bild um 1936 gemalt, damals war das Rathaus gerade neu. Prominenter könnte Autor Matthias Salchow „seine Rotpfuhle“ nicht platziert wissen. Er beschreibt das erste Kalenderblatt, das auch auf der Rückseite reich bebildert ist, unter anderem mit einem Entwurf zu diesem Bild des Künstlers Scheffler. Diesen geerbten Schatz hütet Salchow zu Hause, denn der Maler war mit seiner Familie befreundet.
Mehrere Künstler haben sich am Sujet Rotpfuhle versucht, und die Ergebnisse zeigen, dass die beiden Gewässer damals als Motive attraktiv waren. Die Bilder stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zwar waren bis in die 1990er-Jahre Schlittschuhläufer neben dem vereisten Schilf unterwegs. Aber die Idylle gibt es nicht mehr. Hoffnung auf eine Wiedervernässung hat Salchow trotzdem immer noch für den kleinen Rotpfuhl. Mit dem Verein Heimatfreunde sei ihm dies jedenfalls ein Anliegen .
Schickes von Tusk
Ansonsten zeigt der Kalender 2021 wieder jene historische Vielfalt an Fotografien und Geschichten, die die Stammleserschaft aus Hohen Neuendorf und Birkenwerder gewohnt ist. Am Montag präsentierten Nora und Volker Döring von „BildArt“ das druckfrische neue Werk. Zwölf Autorinnen und Autoren sind in ihren Orten auf Spurensuche gegangen, haben Erinnerungen an Läden und Betriebe abgefragt oder sich mit einem Wohngebiet in der Niederheide, mit der Entwicklung der Schulen oder mit einzelnen Persönlichkeiten beschäftigt.
So hat Dietmar Tusk den Borgsdorfer Familienbetrieb Helmut S. Tusk, der feine Mode schneiderte, beschrieben. Die Serie „Ziegeleien“ aus dem vergangenen Jahr setzt Petra Schmidt mit einer Stolper Ziegelei fort. Schon seit Anfang des 17. Jahrhunderts ist der Abbau von Ton auf der Stolper Heide belegt.
Der Dichter Christian Morgenstern war wegen seines Tuberkulose-Leidens öfter Patient in Sanatorien. So auch in Birkenwerder. Den „Zwang der Tagesordnung“, so zitiert der Schriftsteller Roland Lampe Christian Morgenstern auf dem Mai-Kalenderblatt, mochte er wohl nicht besonders, aber den Aufenthalt in Birkenwerder wusste er auch im Nachhinein noch zu schätzen. Am 6. Mai 2021 jährt sich Morgensterns Geburtstag zum 150. Mal.
Glotzen verboten! Der FKK-Strand am Bernsteinsee habe in den 1970er-Jahren auf der nahen Autobahn für Unfälle gesorgt. Da half auch ein aufgeschütteter Erdwall nichts, berichtet Ulrich Bergt, der sich mit dem vor etwa 50 Jahren entstandenen Kiessee befasst hat.
Einerseits sind 2022 schon wieder fast alle Monate „besetzt“: Andererseits: Ein, zwei Kalender noch, dann wird es langsam eng mit den Themen, meint Matthias Salchow. In Hohen Neuendorf haben die Autorinnen und Autoren demnach die guten Geschichten inzwischen ziemlich abgegrast.
Auf der Suche für Geschichten 2023 sind die Hobbyhistoriker trotzdem: Infos und Fotografien zum Fischladen Kubin in der Schönfließer Straße werden dringend gewünscht, ebenso über "Zement-Krüger“, eine später als PGH Betonelemente weitergeführte Firma an der Ecke Berliner Straße und Albertstraße, startet Matthias Salchow ein Aufruf.
Das letzte Foto im Kalender zeigt übrigens auch wieder Ausflugskähne auf einem Gewässer; Ein „Seebad Birkenwerder“ gibt’s zwar nicht mehr. Aber der Boddensee ist noch immer beliebt.

