"Der Ton der Stellungnahme des Bürgermeisters ist völlig überzogen und nicht akzeptabel", sagt die Co-Fraktionsvorsitzende Petra Klemp. "Anstatt sich konstruktiv mit den Vorwürfen auseinander zu setzen, ruft Laesicke zur Denunziation auf." Der Bürgermeister heize damit die Stimmung weiter an.
Im Stadtmagazin bezeichnet Laesicke die Verfasser des anonymen Briefs zur Oranienburg Holding als "feige Heckenschützen und Brandstifter". Er spricht auch von Hasardeuren mit mutwilliger Zerstörungswut. Letztlich führte aber das anonyme Schreiben dazu, dass nun ein Untersuchungsausschuss die Holding durchleuchten soll. Petra Klemp ärgert sich darüber, dass der Bürgermeister dazu aufrufe, die Autoren zu entlarven und zur Verantwortung zu ziehen. Laesicke bitte dazu sogar um sachdienliche Hinweise. "Sind für solche Ermittlungen nicht eigentlich Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig. Und hat der Bürgermeister schon Anzeige erstattet?", fragt Petra Klemp. "Wir Grüne sind ziemlich fassungslos, wie der Bürgermeister mit seiner martialischen Sprache versucht, Kritiker einzuschüchtern. Anstatt die Situation zu beruhigen, wie es einem Stadtoberhaupt gut zu Gesicht stünde, vergiftet er weiter den Umgang in der Stadt", kritisiert Klemp.
Kritisch beurteilt Petra Klemp auch den Umgang der Stadtverwaltung mit dem Thema Holding. Im Stadtmagazin werde einseitig versucht, die Kritikpunkte des anonymen Briefs zu klären. Dabei werde ein wichtiger Punkt vergessen. "Am Anfang des Dramas stand schließlich der Versuch, den Geschäftsführer der Woba unter fadenscheinigen Gründen zu kündigen. Dass sich damit jetzt ein Untersuchungsausschuss beschäftigen wird, ist gut und wichtig", sagte Petra Klemp.
Ähnlich äußerte sich der Stadtverordnete Thomas Ney (Piraten). Laesicke habe es versäumt, frühzeitig das Gespräch mit Woba-Chef Bernd Jarczewski zu suchen. Spätestens nach dessen Brief an die Stadtverordneten hätte der Bürgermeister sofort zum Hörer greifen und das Gespräch mit Jarczewski suchen müssen. Die letztlich gescheiterte Kündigung müsse Thema im Untersuchungsausschuss sein, so Ney.
Die Stadtverordneten werden voraussichtlich am 10. August erneut zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um die Einsetzung eines eigenen Untersuchungsausschusses zu  beschließen. Der Hauptausschuss kann diese Aufgabe nicht übernehmen. Die Kommunalaufsicht sieht bei sechs Hauptausschussmitgliedern eine mögliche Befangenheit, weil sie auch dem Aufsichtsrat der Holding angehören. deren Vorsitzender Ralph Bujok wird in dem anonymen Brief ebenfalls thematisiert, könnte also auch im Untersuchungsausschuss befragt werden können.
Das zu gründende Gremium kann Gäste zur Befragung einladen. Sie werden aber nicht wie bei einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss als Zeugen geladen und damit zur Anhörung verpflichtet. Zu entscheiden sein wird auch, ob die Fraktionen jeweils einen Sitz bekommen oder die größeren Fraktionen SPD, CDU, AfD und Linke mit jeweils zwei Stadtverordneten vertreten sind und ob zusätzlich sachkundige Einwohner zugelassen sind.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Daniel Langhoff äußerte den Wunsch, die Verwaltung solle die Beschlussvorlage zum Untersuchungsausschuss erarbeiten. Dem könnten sich die Fraktionen dann anschließen. Ralph Bujok nannte drei Punkte, die der Untersuchungsausschuss beleuchten müsse: den Gründungsprozess, die erstellten Satzungen sowie aktuelle Probleme in der Holding und ihren Gesellschaften.
Dass in der Holding offenbar nicht alles rund läuft, hatte auch ein Brief der Woba-Projektleiterin zu Tage gefördert. Sie hatte darin ausführlich dargelegt, was aus ihrer Sich im Unternehmen schiefläuft und aus diesen Gründen schließlich gekündigt. Auch dieser Brief fand im Stadtmagazin keine Erwähnung, wird aber ganz Sicher zum Thema des künftigen Untersuchungsausschusses.
Auf die Vorwürfe der Grünen reagierte Laesicke mit dem Hinweis, er sei an einer sachlichen Aufklärung interessiert. Die Vorwürfe könne er nicht nachvollziehen.