Weil ein damals 23-Jähriger die Kontrolle über seinen Mercedes verlor, starben auf der B96a vor Schildow (Landkreis Oberhavel) im Juli vergangenen Jahres zwei Menschen, zwei weitere wurden verletzt. Der Fahrer des 510 PS starken Sportwagens muss sich seit Dienstag, 4. Oktober, wegen zweifachen Mordes vor dem Landgericht in Neuruppin verantworten.
Der 24-jährige Deutsche habe am 10. Juli vergangenen Jahres in einem Sportwagen, ein hochwertiger Mercedes-AMG, den Unfall mit einem entgegenkommenden Auto auf einer Bundesstraße im Mühlenbecker Land verursacht, sagte Staatsanwältin Lara Garnkäufer bei der Anklageverlesung zum Prozessauftakt. Der Mann habe seinen Sportwagen auf bis zu 230 Kilometer pro Stunde beschleunigt, um seinen Beifahrer zu beeindrucken. Viel schneller fährt das Auto nicht. In einer Kurve sei der Betrunkene mit voller Beschleunigung auf die Gegenfahrbahn geraten und dort mit einem Auto zusammengestoßen. Die Staatsanwältin wirft dem 24-Jährigen zweifachen Mord aus niederen Beweggründen vor.
In dem entgegenkommenden Fahrzeug starben zwei Frauen im Alter von 32 und 28 Jahren. Die Ältere war nach den Angaben des Verlobten vor Gericht im sechsten Monat schwanger - auch das ungeborene Kind überlebte den Unfall nicht. Die Polizei hatte nach dem Unfall zunächst angegeben, dass das jüngere Opfer schwanger gewesen sei. Der Verlobte und die Ehefrau der tödlich verletzten 28-Jährigen saßen ebenfalls in dem Fahrzeug. Die Frau erlitt schwere und der Verlobte nach eigenen Angaben nur leichte Verletzungen.
Kurz vor dem tödlichen Crash gab es laut Staatsanwältin bereits eine leichte Kollision mit einem anderen entgegenkommenden Auto an den Außenspiegeln. In dem Auto saß eine Frau mit ihrem Sohn. In diesem Fall blieb es bei Sachschaden.

Der Angeklagte arbeitete in Oranienburg

Der Angeklagte sagte vor Gericht aus, dass er mit einem Freund von einer Geburtstagsparty in Schildow zu der Tour aufgebrochen sei, um zu Hause in Hohen Neuendorf etwas zu holen. Er war wieder auf dem Rückweg zur Party. Das Auto habe ihm sein Arbeitgeber für das Wochenende geliehen.
Der 24-Jährige arbeitete damals in einem Autohaus im Oranienburger Gewerbegebiet als Auszubildender in einem Autohaus. Er war dort als Verkäufer tätigt und durfte nach eigenen Angaben regelmäßig am Wochenende hochwertige Fahrzeuge nutzen. Inzwischen wurde dem Mann gekündigt.
An den Unfall habe er keine Erinnerung, sagte der Angeklagte. „Ich kann mich an vieles nicht mehr erinnern. Ich weiß nicht, warum“, sagte er zu Beginn seiner Einlassungen, die mit klarer Stimme vorgetragen wurden. Er wisse aber wieder, dass er nach dem Unfall mit seinem Freund über die Rückbank aus dem total beschädigten Sportwagen geklettert sei. Wenig später seien Polizeibeamte gekommen und hätten ihre Personalien aufgenommen. Dann wurden die beiden leicht verletzten Männer im Krankenhaus behandelt.
Er wisse aber wieder, dass er nach dem Unfall mit seinem Freund aus dem beschädigten Sportwagen geklettert sei. Wenig später seien Polizeibeamte gekommen und hätten ihre Personalien aufgenommen. Dann wurden die beiden leicht verletzten Männer im Krankenhaus behandelt.

Ehefrau des jüngeren Opfers berichtet

Die Ehefrau des jüngeren Opfers berichtete dem Gericht von den schrecklichen Minuten nach dem Unfall, den ihre Partnerin nicht überlebte. Seitdem gehe es ihr psychisch sehr schlecht und sie sei dauerhaft krankgeschrieben. Der Angeklagte wandte sich daraufhin in einer persönlichen Erklärung an die Frau. „Es ist nicht möglich, die richtigen Worte zu finden, aber ich möchte einfach um Verzeihung bitten“, sagte er. Daraufhin brach die Zeugin in Tränen aus. Sie reagierte ebenso wie der Partner der verstorbenen Fahrerin nicht auf die Bitte des Angeklagten.
Staatsanwältin Garnkäufer erklärte, der 24-Jährige habe versucht, vom Unfallort zu flüchten. Die beiden Männer wurden jedoch wenig später von Polizisten vorläufig festgenommen. Einer der Polizisten berichtete vor Gericht, der Angeklagte habe dabei völlig uninteressiert an dem Geschehen gewirkt. Selbst als er den 24-Jährigen erklärt habe, dass bei dem Unfall zwei Menschen ums Leben gekommen seien, habe der Angeklagte nur mit den Schultern gezuckt und gesagt, er habe ja gar nichts gemacht, berichtete der Beamte.
Ein Verkehrspsychologe sagte als Gutachter vor Gericht, dass der Angeklagte zum Unfallzeitpunkt einen Blutalkoholwert von 1,9 Promille gehabt haben müsse. Denn bei dem 24-Jährigen sei noch Stunden nach dem Unfall ein Blutalkoholwert von gut 1,3 Promille festgestellt worden. Die absolute Fahruntüchtigkeit beginnt bereits bei 1,1 Promille.
Der Angeklagte war im April in Untersuchungshaft genommen worden, nachdem Gutachter die Umstände des Unfalls geklärt hatten. Für den Prozess gegen den Fahrer sind fünf Verhandlungstermine bis zum 8. November anberaumt. Gegen den Beifahrer wird gesondert ermittelt.