Hund in Oranienburg: Beagle Lilly nach Tierversuchen blind ‒ so geht es der Hündin

Blind auf beiden Augen: Hündin Lilly hat eine tragische Vergangenheit. Herrchen Steven Giese in Wensickendorf, Ortsteil von Oranienburg, erzählt, wie es ihr heute geht.
Sophie Brachvogel-LüttkeBeagle Lilly hat eine tragische Geschichte hinter sich. Ganz gezielt für Tierversuche gezüchtet, wurde die Hündin durch die grausamen Tests blind. Der Rettung aus einem Labor für Tierversuche folgte die Unterbringung bei Steven Giese in Oranienburg, der sich der Hündin liebevoll annahm. So geht es dem Tier heute.
„Ein Vermittlungsverein, der Laborhunden hilft, hat Lilly in seine Obhut genommen", berichtet ihr Besitzer Steven Giese vom Gnadenhof Wensickendorf in Oranienburg. Als sie 18 Monate alt war, wurde sie über eine solche Organisation an ihren ersten Besitzer in Berlin übergeben.
Das traurige Schicksal von Beagle Lilly
Es sei ihm unbegreiflich, dass für Kosmetik immer noch jedes Jahr so viele Tiere leiden und sterben müssten, so Giese. Immerhin gebe es doch inzwischen Alternativen, die allerdings teuer seien. Die Unternehmen würden also Geld sparen, indem sie die Versuche mit Tieren machten.
Durch die ätzenden Flüssigkeiten, die in ihrem Auge getestet wurden, sei Lilly erblindet. Ein Berliner habe sie zunächst in seine Obhut genommen und versucht, das Augenlicht der Beagle-Dame zu retten. Sie habe Schmerzmittel und mehrmals täglich verschiedene Salben für ihr Auge bekommen.
„Leider hat das alles nicht geholfen. Der Tierarzt musste zunächst ein Auge entfernen", so Steven Giese. Der ehemalige Besitzer war allerdings irgendwann mit der Situation überfordert, als dann auch das zweite Auge große Probleme bereitete. Salben und Schmerzmittel täglich, das habe ihn einfach an die Grenze des Machbaren gebracht.
Das war der Moment, in dem Steven Giese ins Spiel kam. „Der Besitzer rief mich an und bat mich, die Hündin zu übernehmen." Der 44-jährige Tierfreund zögerte nicht lange, immerhin betreibt er zusammen mit Sunny Giese seit vielen Jahren erfolgreich den bekannten Gnadenhof und die Wildtierrettung Notkleintiere in Wensickendorf.

Die blinde Hündin Lilly liebt es, in Oranienburg Wensickendorf spazieren zu gehen, dabei verlässt sie sich auf ihren gut ausgeprägten Geruchssinn.
Sophie Brachvogel-Lüttke„Wir haben Lilly dann bei einer auf Augen spezialisierten Tierärztin vorgestellt. Sie riet uns, das zweite Auge ebenfalls zu entfernen", schildert Giese die damalige Situation.
Wie sich herausstellte, war das der richtige Schritt. „Lilly hat inzwischen ein gutes Leben, ist fröhlich und hat keine Schmerzen mehr." Sie komme sehr gut mit ihrer Blindheit zurecht, gehe unheimlich gern spazieren und sei trotz ihres schlimmen Schicksals immer noch dem Menschen zugewandt.
Inzwischen lebt die zehnjährige Hundedame zusammen mit den anderen Hunden und vielen weiteren Tieren auf dem Gnadenhof der Gieses. Auch in der Gruppe mit den anderen Hunden gebe es nie Ärger. Seit ihrem vierten Lebensjahr wohnt sie nun in der idyllischen Umgebung mit Feldern, Wiesen und Wäldern. „Manchmal gehe ich mit ihr zum nahe gelegenen See zum Baden ‒ natürlich nur mit der Laufleine, damit sie nicht zu weit weg schwimmt", schmunzelt Steven Giese.
Lilly ist aufgrund ihres lieben Charakters aber auch bei vielen Besuchern des Gnadenhofs beliebt. Eine Familie, die sich keinen eigenen Hund leisten kann, holt die Beagle-Dame regelmäßig zum Spazierengehen ab und macht kleine Ausflüge mit ihr. Lilly freue sich über jeden, der mit ihr die Umgebung erkunden wolle, sagt Steven Giese. Durch ihren guten Geruchssinn mache ihr die Blindheit auch keine großen Probleme. Sie orientiere sich jetzt mit der Nase.

