Etwas skeptisch beäugen die zehn Hovawart-Welpen von ihrem sicheren Platz in der Hunde-Kinderstube die Klappe in der Wand. Sie bewegt sich neuerdings und lässt immer wieder Sonnenstrahlen ins Innere des Gebäudes luken. Was sich wohl dahinter befinden mag?
Mutig wagt sich ein Welpe an die Klappe und stößt sie an. Sie lässt sich wegschieben, der Welpe klettert durch die Öffnung und landet schließlich auf der anderen Seite des Gebäudes im Garten. Nun gibt es kein Halten mehr. Die anderen kleinen Hunde folgen und sind gleich verschwunden. Bloß das Nesthäkchen lässt sich Zeit und spielt lieber mit der sich bewegenden Klappe, bevor die Neugier siegt Raus geht es in die pralle Sonne. Was ist das? Schnell ab zu Frauchen, dort ist es bestimmt sicher!
Schon ist Gabriele Heidicke vom Kamelhof in Nassenheide (Landkreis Oberhavel) von den Welpen umringt. Neugier macht mutig. Schnell sind die zehn Welpen der Hunderasse Hovawart auf Entdeckungstour unterwegs. Es ist das erste Mal, dass die Rasselbande im Garten ist, und es macht ihnen Spaß, wie den kleinen Fellknäueln, die durch die Gegend hüpfen, anzusehen ist.
Gut einen Monat sind die Hovawart-Welpen alt. Am 29. Juni kam der Nachwuchs von Mutter Krümel vom Fleckschnupphof und Vater Elmo von der Hasel zur Welt: sieben Schwarzmarken – sie sind bis auf kleine helle Fellteile dunkel – und drei Blonde.
Namen haben sie noch nicht, verrät Züchterin Gabriele Heidicke. „Das überlassen wir den neuen Besitzern.“ Laut Abstammungslinie sollten die Namen mit O beginnen. „Doch das ist nur für die Papiere. Selbst wenn die Besitzer das Tier Puschel nennen, ist das ihre Sache“, sagt Jörg Heidicke.

Hovawart sind Beschützer

Dass auf dem Kamelhof in Nassenheide auch Hovawarte gezüchtet werden, ist ein Nebeneffekt. „Als wir den Hof gegründet haben, suchten wir gezielt auch nach Hunden und sind schließlich auf den Hovawart gekommen“, erzählt Jörg Heidicke. „Das sind sehr ortstreue, vor allem aber familienfreundliche Tiere. Genau das haben wir gebraucht, zumal wir täglich Besuchergruppen auf dem Hof haben.“
„Wie sich aus dem Rassenamen ableiten lässt, sind es Hofwächter, also Tiere, die einen Hof bewachen“, ergänzt Gabriele Heidicke. „Ihre erste Aufgabe ist es, ihr Territorium zu bewachen. Sie wissen, wer zum Rudel gehört. Fremde dürfen es nicht betreten. Sollten sie es doch gewagt haben, dann werden sie wieder vom Gelände gedrängt“, erklärt Jörg Heidicke. Dabei nutzen die Tiere vor allem ihre imposante Statur und Größe, seien also in erster Linie nicht aggressiv. Ein Biss sei wirklich die Ausnahme, falls der Eindringling kein Einsehen zeige.
Umgekehrt registrieren die Tiere sehr wohl und schnell, wen ihre Menschen aufs Gelände lassen. Sie gehören für die Zeit bis zum Verlassen des Hofes zum Rudel und werden akzeptiert.
Miit den Welpen schmust auch Jörg Heidicke gerne.
Miit den Welpen schmust auch Jörg Heidicke gerne.
© Foto: Volkmar Ernst
Das Besondere an Welpen aus Nassenheide sei, so erklärt die Züchterin weiter, dass sie aus der ostdeutschen Linie stammen. Als Deutschland geteilt worden sei, hätten die Züchter im Osten die Rasse unverändert gelassen. Im Westen seien indes Veränderungen vorgenommen, so zum Beispiel Tiere mit einer schmaleren Statur gezüchtet worden. Deshalb sei der Original-Hovawart-Nachwuchs aus den neuen Bundesländern bis heute begehrt, erklärt Jörg Heidicke durchaus mit Stolz.
Das erste Mal durch die Klappe: Was es da alles zu entdecken gibt!
Das erste Mal durch die Klappe: Was es da alles zu entdecken gibt!
© Foto: Volkmar Ernst
Die weitesten Reisen haben zwei Welpen angetreten, die in Spanien und in der Schweiz ein neues Zuhause gefunden haben. „Eine Halterin aus München habe sich vor Jahren sogar für vier Wochen in der Ferienwohnung in Nassenheide eingemietet, um so das Heranwachsen ihres Welpen vor Ort verfolgen zu können“, erzählt Heidicke.

Abgabe erst nach acht Wochen

Mindestens acht Wochen müssen die Welpen alt und sechs (Hündin) bis sieben (Rüde) Kilogramm schwer sein, ehe sie an die neuen Eigentümer gegeben werden, erklärt Gabriele Heidicke.
Noch seien einige Welpen zu haben. Doch erwartet sie von Interessierten, dass diese sich genau überlegen, welche Erwartungen sie mit dem Tier verbinden. Ein Hovawart sei zwar familienfreundlich, aber er sei eben ein Beschützer und kein Spielkamerad. „Ein Hund für Kinder ist die Rasse nicht, eher für Erwachsene.“ Umgekehrt schlafe der Hovawart am Tage gern, um in der Nacht wachen zu können. Dennoch erwarte er von seinem Besitzer, dass dieser sich mindestens eine Stunde am Tag mit ihm intensiv beschäftigt – und das bei jedem Wetter und, wenn möglich, zur gleichen Zeit. „Hunde stellen auch Ansprüche“, so Gabriele Heidicke.