Oranienburg verzeichnet nicht nur eine starke Nachfrage nach Wohnraum. Auch als Gewerbestandort wird die Oberhavel Kreisstadt immer attraktiver.
So hat die österreichische „S Immo Property Zehn GmbH“ aus Wien eine 13,4 Hektar große Fläche am Bärenklauer Weg zwischen künftiger Flugpionierstraße und B 96 (Abfahrt Oranienburg Süd-Zentrum) erworben, um sie zu einem Gewerbegebiet zu entwickeln. Der Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan Nr. 150 „Gewerbepark Süd - Bärenklauer Weg/B 96“ wird an diesem Mittwoch (18 Uhr, Orangerie) erstmals beraten.

Wiener Investor

Die Flächen von S Immo Property am ehemaligen Gut Annahof grenzen an den Gewerbepark Süd (Nordteil), den die Stadt Oranienburg entwickeln will. Erst in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung wurde eine Änderung dieses Bebauungsplans beschlossen. Danach sollen auf diesem Gebiet nur noch Gewerbe-, aber keine Industrieflächen mehr festgesetzt werden. Auch auf den Flächen der Wiener soll nur Bauland für nicht störendes Gewerbe geschaffen werden.

Kein Industrie-, sondern ausschließlich Gewerbegebiet

Geplant sind dort vier Baufelder mit Größen zwischen 1,6 und 3,6 Hektar. Während in den beiden südlichen Baufeldern mittlere bis hohe Emissions-Störgrade zulässig sein sollen, gelten für die beiden nördlichen Baufelder mit Rücksicht auf die benachbarten Wohnbereiche geringe Störgrade. Die Emissionen müssen aber immer noch deutlich unter den zulässigen Werten liegen, die in einem Industriegebiet erlaubt wären.

Flugpionierstraße wird verlängert

Erschlossen werden soll dieses Gewerbegebiet über eine neue Straße, die südlich der dort bereits bestehenden Bebauung an die künftige Flugpionierstraße angebunden werden soll. Bisher endet die Flugpionierstraße, die am Kreisverkehr Birkenallee beginnt, nördlich des Rewe-Logistikzentrums und der Matthäi Asphaltmischanlage. Die Flugpionierstraße soll künftig bis zum Kreisverkehr Bärenklauer Weg verlängert werden.
Inzwischen wurde die Trasse, die an der ehemaligen Heinkel-Einfliegehalle vorbeiführt, nach Munition abgesucht. Eigentlich hätte der Ausbau der Flugpionierstraße auch noch dieses Jahr beginnen sollen. Gegenwärtig werden die letzten naturschutzrechtlichen Fragen noch mit der Unteren Naturschutzbehörde abgeklärt, sodass Tiefbauamtsleiter Stefan Gebhard derzeit davon ausgeht, dass der Ausbau erst im kommenden Jahr erfolgt.

Rewe benötigt noch mehr Platz

Die komplett ausgebaute Flugpionierstraße würde dann den weitaus größten Teil des ehemaligen Flugplatzes erschließen und damit sicher auch zu einer besseren Verteilung der Lkw-Lieferverkehre beitragen, die bisher allein über die Birkenallee erfolgen. Weit mehr als 100 Lkw fahren täglich bereits heute allein nur das Rewe-Logistikzentrum an, das vor genau neun Jahren mit einer Lagerfläche von 52.500 Quadratmetern in Betrieb ging. Seit Jahresbeginn baut Rewe kräftig, schafft neue Lkw-Stellplätze, eine Pkw-Parkpalette und schließlich eine neue 20.000 Quadratmeter große Lagerhalle für Frischeprodukte, die nördlich vor das bestehende Logistikzentrum gesetzt wird.

Bauausschuss berät über Planungen

Rewe benötigt aber noch mehr Platz, der dort aber kaum noch vorhanden ist. Während auf der östlichen Seite der Logistikhalle inzwischen wirklich alles ausgeknautscht ist, hat der Kölner Konzern auf der westlichen Seite, an die B 96 angrenzend, noch Flächen gefunden und erworben. Sie liegen bisher aber nicht im B-Plan Nr. 43.1 „Alter Flugplatz Mitte“. Das soll mit einer Planänderung anders werden, damit Rewe dieses Areal für die Erweiterung seines Wertstoffballenlagers nutzen und damit die Betriebsabläufe auf dem Gelände optimieren kann. Zur B 96 ist aber ein Mindestabstand von 20 Metern einzuhalten.
Auch mit dieser Planänderung wird sich der Bauausschuss zu befassen haben.

Mehrere Gewerbestandorte


Oranienburg verfügt über drei große Gewerbegebiete. Im Gewerbepark Nord, in dem der Globalplayer Orafol mit mehr als 1.000 Beschäftigten größter Arbeitgeber ist, gibt es nur noch wenige kleinere gewerbliche Restflächen. Im Mittelteil des Gewerbeparks Süd ist das Rewe-Logistikzentrum mit mehr als 570 Beschäftigten größter Arbeitgeber. Auch dort stehen keine weiteren Flächen mehr zur Verfügung. Die gibt es nur noch im Nordteil des ehemaligen Heinkel-Flugplatzes, den die Stadt Oranienburg in den nächsten Jahren entwickeln will. Weitere große Gewerbestandorte gibt es noch an der Lehnitzstaße mit dem Pharma-Konzern Takeda (zirka 800 Beschäftigte) und den Flächen des Innovationsforums.

Ein drittes größeres Gewerbe- und Industriegebiet, in dem es aber keine nennenswerten freien Flächen mehr gibt, besteht an der Veltener Straße in Germendorf. Die Gewerbeflächen an der Sachsenhausener Straße - Gewerbepark Mitte - sollen neu geordnet werden. Das durchschnittliche Gewerbesteueraufkommen Oranienburgs lag in den zurückliegenden Jahren bei rund 30 Millionen Euro.