Immunsystem
: Kinderarzt empfiehlt: Kinder sollten trotz Erkältung in die Kita

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Kita-Kinder sind im Winter häufig krank. Doch das ist noch kein Grund zur Sorge, sagt Dr. Ulrich Fegeler. Im Gegenteil: Der Oranienburger Kinder- und Jugendarzt empfiehlt Eltern sogar, ihre Sprösslinge trotz Rotznase in die Kita zu schicken.
Von
Odin Tietsche
Oranienburg
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Dauerbeschäftigung für den Winter: Kleine Kinder sind in der kalten Jahreszeit oft krank - vor allem, wenn sie in die Kita gehen.

Silvia Marks

„Das Immunsystem der Kinder ist ein lernendes System. Es kann sich nur entwickeln, wenn es mit verschiedenen Viren in Kontakt kommt“, sagt Dr. Ulrich Fegeler. Der Kinder- und Jugendarzt aus Schmachtenhagen, der bis 2016 auch als Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) tätig war, rät Eltern daher auch davon ab, das Kind „beim ersten Husten oder Schnupfen in Watte zu packen. Es kann durchaus weiter in die Kita gehen.“

Ausdrücklich ausgeschlossen von dieser Empfehlung seien aber „hochansteckende Krankheiten und bakterielle Infektionen“, wie Bindehautentzündung oder Brech- und Durchfallerkrankungen. „In solchen Fällen, ebenso wie bei Fieber, sollten Kinder natürlich zu Hause bleiben.“ Bei Erkältungen oder grippalen Infekten könne das Kind aber weiterhin die Pflegeeinrichtung besuchen, denn „nur so bilden die Kinder Anti-Körper gegen eine Vielzahl von Viren, das Immunsystem wird dadurch stärker“.

Zugleich beruhigt Ulrich Fegeler auch jene Eltern, die das Gefühl haben, ihr Kind wäre dauerkrank. „Gerade in der ersten Zeit in der Kita wird das Kind mit vielen neuen Viren konfrontiert, darauf muss sich das Immunsystem erst einstellen.“ Erst nach etwa zwei bis drei Jahren hätte sich „das eigene Kind an die Viren der anderen gewöhnt, sodass es seltener krank wird“.

Ähnlich sieht es Oberhavels Amtsarzt Christian Schulze. „Das Immunsystem der Kleinsten ist noch nicht so ausgeprägt.“ Durch die Infekte anderer Kinder würde „das Immunsystem quasi dazulernen“ und so letztlich gestärkt werden. Doch der Mediziner schränkt auch ein: „Wenn sich das Kind matt oder schlapp fühlt, die Körpertemperatur höher ist als normal oder das Kind über Schmerzen und Unwohlsein klagt, dann sollte man als Elternteil schon reagieren und das Kind zu Hause lassen.“

Von einer absichtlichen Ansteckung des eigenen Kindes, um diesen Vorgang zu beschleunigen, rät der Mediziner jedoch dringend ab. „Es gibt zum Beispiel diese Masern-Partys, bei denen sich Kinder gezielt anstecken sollen, um gegen die Krankheit Anti-Körper zu entwickeln. Was Eltern dabei aber nicht bedenken: Laut Statistik stirbt ein Kind von 1000 durch die Masern oder trägt zumindest bleibende, gesundheitliche Schäden davon. Stattdessen sollte man sein Kind lieber impfen lassen.“