Investitionen geplant: Berliner Unternehmen will Funkamtsgelände in Zehlendorf entwickeln

Sanierungsbedürftig: Das Berliner Unternehmen Solwo hat große Pläne auf dem riesigen Gelände des früheren Funkamtes Zehlendorf. Der marode Saal (rechts) soll so hergerichtet werden, so dass diesen Familien aus dem Ort auch für Feiern nutzen können.
Friedhelm BrenneckeGroße Bauvorhaben
Dafür scheint sich für Zehlendorf bei zwei großen Vorhaben jetzt manches schneller zu drehen. Im Dorf seien zwei Investoren vorstellig geworden und hätten über ihre Projekte auch schon recht konkret mit dem Ortsbeirat gesprochen. Da zeichne sich eine hoffnungsvolle Entwicklung ab. Ein Investor habe die Häuser am Amselweg erworben, wolle sie sanieren und dort noch neue Häuser errichten und insgesamt 66 Wohneinheiten schaffen. Die sollen unterschiedliche Größen haben und auch auf den Bedarf, der im Ort bestehe, zugeschnitten werden. Wohnungen könnten auch als Eigentum erworben werden. Preislich soll sich alles in einem bezahlbaren Rahmen bewegen. Baugenehmigungen lägen bereits vor, sodass schon in Kürze mit Aktivitäten zu rechnen sei.
Weitaus größere Pläne verfolgt die Berliner Solwo Landleben GmbH, die das weitläufige Gelände des Funkamtes erworben hat. Ein Schild am Eingang des Areals weist jetzt darauf hin. Die Philosophie dieses Unternehmens sei es, den Dreiklang von Ökologie, Ökonomie und Soziales miteinander zu vereinen, so die Ortsvorsteherin. Als erstes Vorhaben wolle Solwo in den vorderen Gebäuden Wohnplätze für Menschen mit seelischen Erkrankungen schaffen, die der Großstadt entfliehen müssten, um in einer natürlichen Umgebung mit sinnstiftender Arbeit therapiert zu werden. Dazu sollen ihnen in biologischer Landwirtschaft sowie bei anderen Firmen auf dem Gelände Arbeitsmöglichkeiten angeboten werden, um auf diese Weise den Weg in die Gemeinschaft zurückzufinden. In einem Café und einem kleinen Hofladen sollen selbst hergestellte Produkte angeboten werden.
Saal auch für Familienfeiern
Die Bewohner des Areals sollen gern auch zu einem Teil Zehlendorfs werden — so wie die Zehlendorfer von den Möglichkeiten auf dem früheren Funkamtgelände profitieren sollen. „So hat uns der Investor zugesagt, den maroden Saal mit dem markanten Wandbild zu sanieren und diesen auch für Familienfeiern unseren Einwohnern zur Verfügung zu stellen“, sagt Ortsvorsteherin Heike Bartel. „Nach den Sommerferien will Solwo auch zu einem Tag der offenen Tür auf das Gelände einladen und dabei alle dort geplanten Projekte vorstellen“, kündigt Heike Bartel an.
Eine kleine Manufaktur zur Herstellung von Biohumin soll auf dem Grundstück ebenfalls Platz finden. Biohumin ist ein natürlicher Bodenverbesserer, der aus Mineral– und Kohlenstoffen sowie Pflanzenfasern besteht. Auch der Anbau von Naturhanf sei geplant. Der könne eine Alternative zu Kunststoffen sein, soll in Zehlendorf aber vor allem in Zusammenarbeit mit der Humboldt–Universität und der Charité zu medizinischen Zwecken erforscht und bearbeitet werden.
Schließlich wolle Solwo der Höhenwindkraft eine echte Chance in Zehlendorf einräumen. Dafür würden große Gleitschirme in 500 Meter Höhe sorgen, wo die Windkraftausbeute deutlich höher ausfalle als bei Windrädern. Die Gleitschirme sind mit Seilen an kleinen Loks mit Generatoren befestigt, die auf einer Gleisstrecke im Kreis fahren. Die dabei erzeugte Bewegungsenergie wird in elektrischen Strom umgewandelt, der laut der Investoren erheblich günstiger produziert werden könne, als es alle übrigen Verfahren erlaubten. Der Strom soll nicht nur den „Green Solution Campus“, wie die Investoren ihr Zehlendorfer Vorhaben nennen, mit Strom versorgen. Der werde auch für die Zehlendorfer angeboten.
Die Ideen und Visionen des Berliner Unternehmens der Brüder Ince, die mit der „Königsstadt“ in Königs Wusterhausen ihr bisher größtes Projekt auf den Weg gebracht haben, muteten vielleicht abenteuerlich an. „Wir haben beide aber als seriöse Gesprächspartner kennengelernt, in die wir große Hoffnungen für Zehlendorf setzen“, ist sich Heike Bartel mit ihren Mitstreitern Anja Rosenow–Doil (FWO) und Ahmet Öztemel (SPD) einig.