Islam: Muslime werben für Toleranz in Oberhavel

Said Ahmed Arif, Imam der Ahmadiyya.
Jürgen Liebezeit„Viele haben Angst vor dem Islam und vor dem Fremden“, sagte Said Ahmed Arif, Imam der Gemeinde, die Muslime dieser islamischen Gemeinschaft in Berlin und Brandenburg betreut. „Angesichts des im Namen des Islam verübten Terrors fühlen wir uns als Muslime dazu verpflichtet, die Bevölkerung aufzuklären“, so der Imam. „Unsere Religion wird von Extremisten missbraucht“, stellt der 33-Jährige klar. Er sei dankbar und froh, dass aus seiner Glaubensgemeinschaft noch kein einziger Fall von religiös motivierter Gewalt gegen Staaten und Menschen vorgefallen sei. „Wir sind friedfertig und achtsam“, sagte der Imam. Seiner Meinung nach sind Aufklärung, Toleranz und Bildung die besten Mittel, um Fanatismus schon im Keim zu ersticken.
Durch die Kampagne erhofft sich die Gemeinde Ahmadiyya, dass die Menschen von der klaren Differenzierung zwischen Muslimen und fanatischen Extremisten erfahren und nicht aus Unkenntnis zu voreiligen Schuldzuweisungen und Vorurteilen neigen. „Dies wird nur zur Spaltung der Gesellschaft beitragen, und das spielt den Extremisten in die Hände“, so Said Ahmed Arif.
Im Rahmen der Kampagne werden die „dem Islam innewohnende Heimatliebe und Loyalität zum Staat“, in dem die Muslime leben, vorgestellt. Interessierten wird an Infoständen die Möglichkeit angeboten, ihre Fragen, Sorgen und Ängste zu teilen und mehr über die Lehre des Islam zu erfahren. „Aber wir wollen nicht missionieren“, sagt der Imam. Begleitet wird die Kampagne von mehreren Flyer-Aktionen. So wurden in den vergangenen Tagen in mehreren S-Bahn-Gemeinden und in Hennigsdorf Informationsblätter in die Briefkästen gesteckt. Diesen Sonnabend wird in der Hennigsdorfer Havelpassage um 11 Uhr ein Info-Stand aufgebaut.
Der Verfassungsschutz hat die Ahmadiyya nicht unter Beobachtung. Das bestätigte die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Inka Gossmann-Reetz.
Knapp 300 Mitglieder in Brandenburg
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) hat nach eigenen Angaben deutschlandweit 46 000 Mitglieder, überwiegend Flüchtlinge aus Pakistan. In Berlin und Brandenburg sind es etwa 600, von denen etwas mehr als die Hälfte in der Hauptstadt lebt.
In Berlin wurde in Pankow eine Moschee gebaut. Anfangs gab es Skepsis in der Gegend. "Die ist verschwunden", so der Imam. ⇥zeit
