Jobportal: Hier bewirbt sich der Chef beim künftigen Mitarbeiter
Schon 2016 habe er sich intensiv mit dem Modell beschäftigt. Zusammen mit Jan Grawunder aus Cottbus bildet er das Geschäftsführungsgespann der auf Franchise-Unternehmen basierenden Arbeits- und Personalvermittlung GS Company. Ein Standort befindet sich in Oranienburg.
„Wenn sich ein Markt schnell entwickelt, dann der Arbeitsmarkt“, sagt der 32-Jährige. Das neue Internetportal sei die „längst überfällige Digitalisierung der Personalbranche“. Er spricht von einer Innovation, die den Markt umkrempeln soll. Rund 500 000 Euro wurden bereits investiert. Die Idee entstand in der GS Company. „Wir profitieren von 17 Jahren Expertise.“ Das Unternehmen „wedooper“ ist allerdings ein eigenständiges, Kitschun und Grawunde sind hier ebenfalls Geschäftsführer.
So funktioniert das System hinter „wedooper“: Wer auf Jobsuche ist, gerade in der aktuellen Lage wegen Kurzarbeit einen Mini-Job braucht oder sich generell nach einer neuen Herausforderung umsehen möchte, der legt auf www.wedooper.com ein Profil an. Jeder bestimmt selbst, was er von sich preisgibt. Das Profil ist die Visitenkarte und die Bewerbung des Suchenden gleichermaßen. Deshalb sollte es laut Kitschun möglichst überzeugend und transparent sein.
Zu sehen sind die bereitgestellten Daten (Lebenslauf, Fähigkeiten, Kontaktdaten) nur für interessierte Arbeitgeber, wenn der Suchende diese auch freigibt. Ein Profil kann zudem anonym angelegt werden. „Es gibt nicht eine Stellenausschreibung“, erklärt Enrico Kitschun. Die Arbeitgeber suchen im Bewerberpool anhand diverser Kriterien; die Suchenden werden gefunden und angeschrieben. Heißt: Der Chef bewirbt sich beim künftigen Mitarbeiter. „Für Suchende und Arbeitgeber ist der Service kostenfrei.“ Personalvermittler oder Zeitarbeiterfirmen auf Personalsuche müssen zahlen. Geld soll später zusätzlich durch Premium-Angebote und Werbung fließen. Ein externer Datenschutzbeauftragter sorgt für die nötige Sicherheit im Umgang mit den sensiblen Daten.
Psychologisch besonders reizvoll: „Es gibt keine Absagen mehr. Dieses ungute Gefühl, nach der Bewerbung zu warten und zu bangen und dann doch ein Nein zu bekommen, fällt komplett weg.“ Damit sinkt auch die Demotation in der Suche um eine neue Anstellung.
Doch nicht nur für Arbeitssuchende entstünden Vorteile. Kitschun sagt, wenn ein Chef regulär nach Personal sucht, können vom akuten Bedarf bis zur Besetzung schon einmal locker vier Wochen ins Land ziehen. Mit der digitalen Lösung von „wedooper“ könne das alles innerhalb von 24 Stunden passieren.
Der Hauptsitz von „wedooper“ ist in Cottbus. „Wir planen, bis zu 100 Mitarbeiter einzustellen“, sagt Kitschun. Weitere Schritte sind die Ausweitung auf den europäischen und internationalen Markt. Investoren und Kooperationspartner sind ebenso notwendig wie eine Marketing-Kampagne. Denn der Erfolg des Portals lebt von seinen Usern. Je mehr, desto attraktiver für Firmen. Je mehr Firmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit für Suchende, Jobs zu bekommen. Enrico Kitschun ist erstaunt, dass diese Idee bisher noch niemand umgesetzt hat. „Dabei brauchen wir kein 1000. Stellenportal.“ Sein „wedooper“ sei keine Jobbörse, sondern ein Talentportal.
"Wir helfen zu helfen"
Der Name der neuen Internetplattform ist eine kreative Wortschöpfung. Das Wort "wedooper" steht dabei für eine Abkürzung: "We do personal". Etwas frei übersetzt heißt das auf Deutsch: "Wir machen Personal".
Auf der Startseite wirbt die neu an den Start gegangene Plattform derzeit mit einem Landwirtschaftsbild und dem Spruch "Wir helfen zu helfen". Besonders in der Corona-Krise will die Plattform Arbeitssuchenden oder von Kurzarbeit Betroffenen "zur Hand gehen", so Enrico Kitschun.⇥win

