Die katholische Kirche Herz Jesu in der Augustin-Sandtner-Straße feiert am 13. September ihr 125-jähriges Bestehen. Aus diesme Anlass findet um 10 Uhr ein Festgottesdienst im Freien statt..
Im Anschluss sind Begegnungen und Kirchenführungen unter Einhaltung der Corona-Abstandsregeln im Rahmen eines kleinen Gemeindefestes geplant.Das teilte das Erzbistum Berlin am Freitag mit.

Erste Kirche für Katholiken seit 350 Jahren

Die Kirche hat nicht nur beide Weltkriege überstanden, sondern ist auch Ausdruck der nachreformatorischen Neubegründung des katholischen Gemeindelebens in Oranienburg. Mehr als 350 Jahre hatte es in Oranienburg keine katholischen Gottesdienste mehr gegeben, bis Pfarrer Johann Leopold Panske aus Reinickendorf im Jahr 1893 in einer Gaststätte, in der aus zwei wackeligen Holzböcken und einem Brett ein Altar zusammengebaut wurde, wieder Sonntagsmessen anbot.
Im Zuge der Industrialisierung wuchs die katholische Gemeinde schnell an. Ermöglicht durch Spenden von Katholiken aus dem In- und Ausland wurde ein Jahr später in der Berliner Straße 42 (heute Augustin-Sandtner-Straße 3) der Grundstein für ein katholisches Kirchengebäude gelegt. Mit dem Bau wurde der Oranienburger Architekt Wilhelm Daßler beauftragt, der in der Folge auch die Kirchen St. Joseph in Velten, St. Heinrich in Wittenberge und die Mariä Himmelfahrt-Kirche in Zehdenick realisierte. Die Verwandtschaft ist den Sakralbauten anzusehen.

Unbeschadet durch zwei Kriege

Nach anderthalbjähriger Bauzeit wurde die neue Herz-Jesu-Kirche, ein schlichter historistischer Backsteinbau mit Portalturm, im September 1895 eingeweiht. 1910 wurden die katholischen Oranienburger von der Pfarrei St. Marien Reinickendorf unabhängig und zur eigenständigen Kirchengemeinde.
Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude verhältnismäßig unbeschadet. In den Jahren 1960 und 1995 erfolgten umfangreiche Sanierungen des Innenraums, bei der der Altarbereich jeweils umgestaltet und die Wand- und Deckenmalereien durch eine dem Zeitgeschmack entsprechende schlichte Ausmalung ersetzt wurden.
In Erinnerung an die Opfer des KZ Sachsenhausen ließ die Gemeinde im Jahr 1987 eine Gedenkwand in der Kirche gestalten.

Wachsende Gemeinde

Nach 125 Jahren blickt die Herz-Jesu-Kirche auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Nach wie vor prägen die früheren und die aktuellen Zuwanderungsbewegungen das mittlerweile internationale Gesicht der durch die Zuzüge von Katholiken nach Oranienburg weiterhin zahlenmäßig wachsenden Kirchengemeinde: Heimatvertriebene aus Schlesien, dem Sudetenland und Ostpreußen und deren Nachfahren, spätausgesiedelte Russlanddeutsche, Zugezogene aus den unterschiedlichen Regionen Deutschlands, dazu nicht wenige Polen und seit einiger Zeit auch Geflüchtete vom afrikanischen Kontinent. Sie alle prägen die Gemeinde in bereichernder Vielfalt. Aktuell gehören knapp 1860 Katholiken zur Pfarrei Herz Jesu Oranienburg.
Für die Teilnahme am Festgottesdienst wird um Anmeldung gebten unter //herzjesu-oranienburg.de/oranienburg/index.php/anmeldung-gottesdienst