Mathias Hennig ist 38 Jahre jung, wohnt in Velten und arbeitet seit dem 1. August als Praktikant im Leegebrucher Jugendclub „T-Point“. Das Praktikum ist Bestandteil seiner Ausbildung zum Erzieher, die er vor zwei Jahren am Oberstufenzentrum Oranienburg begonnen hat. Die ersten zwei Jahre hat er Jugendliche in einer offenen Jugendgruppe betreut. „Eine ganz andere Arbeit, vor allem aber Herangehensweise, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen und sie zu leiten“, erklärt er.

Jugendliche motivieren und anleiten

In Leegebruch gehe es nun darum, den Kindern und Jugendlichen Angebote zu offerieren und sie zu motivieren, allein aktiv zu werden. „Das ist ebenso spannend“, sagt Hennig.
Dass er mit 38 Jahren einen beruflichen Neustart wagt, hat mit seiner Heimatverbundenheit zu tun. „Ich stamme aus Velten, bin dort zur Schule gegangen, war unter anderem im Rugby-Club. Dort leben meine Familie und viele Freunde. Also dachte ich mir, es wird Zeit zurückzukommen und sesshaft zu werden“, so Hennig. Denn eigentlich ist er gelernter Matrose und arbeitete als Binnenschiffer.
Nach dem Abschluss der zehnten Klasse stand die Frage: Was tun? Einen richtigen Pan hatte er nicht, also ließ er sich vom Arbeitsamt beraten. Ein Angebot war die Ausbildung zum Binnenschiffer. Hennig schrieb eine Bewerbung, schon zwei Tage später hatte er den Ausbildungsplatz.

Unterwegs auf der Elbe, dem Main und der Donau

Bereut hat er seine Entscheidung nie. Er war auf den Gewässern zwischen Polen und Halle unterwegs, auf der Elbe und ebenso auf dem Main und der Donau. Die Arbeit hab Spaß gemacht: 14 Tage Dienst, 14 Tage frei. „Das ist für jemand, der jung ist und die Welt sehen will, eine super Alternative“, stellt er klar. Doch sei eben dieser 14-tägliche Wechsel nicht gerade hilfreich, wenn es darum gehe, sesshaft zu werden und an eine Familienplanung zu denken, ergänzt er. Doch war ihm eben das wichtig und ließ in ihm den Entschluss reifen, sich beruflich neu zu orientieren. Dass er Velten als Heimathafen angesteuert hat, ist nachzuvollziehen. Das war vor zwei Jahren.

Lieber Erzieher als Verkäufer

Bei der Suche nach einem beruflichen Neuanfang wurde Mathias Hennig geraten, in den Verkauf zu wechseln. „Sie können reden, vor allem können Sie Menschen begeistern, das würde passen“, so der Rat. „Stimmt schon“, gibt Hennig unumwunden zu. Doch seine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Menschen begeistern, das wollte er schon. Doch er wollte mehr und entschied für sich anders. „Das sind doch ebenso gute Voraussetzungen, um mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, sie zu motivieren, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen“, sagt er. Also entschied er sich dafür, Erzieher zu werden. Nach zwei Jahren kann er für sich feststellen, genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Im Leegebrucher Jugendclub angekommen

Im Leegebrucher Jugendclub ist er nach knapp fünf Wochen bereits angekommen. Den Kids etwas anzubieten, ist die eine Sache. Die andere ist, ihnen den Freiraum zu geben, selbst Hand anzulegen. „Ich will sie nicht bespaßen, ich will sie motivieren, dass sie ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten selbst entdecken und daraus Schlüsse für ihr weiteres Leben ziehen“, umreißt er seine Angebote. So will er unter anderem die Fahrradwerkstatt wiederbeleben. Erste Mitstreiter hat er bereits gefunden.

Ein Whirlpool namens Oskar

Doch es gibt noch ein zweites Projekt: Das ist Oskar. Doch Oskar ist kein Jugendclubbesucher, sondern ein alter Transporter, der auf dem Clubgelände so vor sich hinsteht. „Den wollen wir zu einem Whirlpool umbauen“, sagt er. Und klar, dass die Jugendlichen davon begeistert sind, das lässt sich erahnen. Entkernt ist das Autowrack schon. Die Türen sind zugeschweißt, damit kann die Arbeit beginnen. Da ist zum einen die theoretische Planung, wie Oskar umgerüstet werden kann. Dann kommt der praktische Teil, bei dem die Jugendlichen selbst Hand anlegen müssen.

Das Projekt will er auch nach Ende der Ausbildung zu Ende führen

Doch ist sich Mathias Hennig sicher, dass der Umbau zu schaffen ist, „wenn die Jugendlichen das selbst wollen“, so seine klare Ansage. Dass das Projekt nicht in 14 Tagen zu schaffen ist, weiß nicht nur Hennig. Das wissen auch die Jugendlichen. Aber auch darum geht es ihm, um Ausdauer. Die Jugendlichen sollen sich ein Ziel setzen und daraufhin arbeiten. Deshalb ist es für ihn auch keine Frage, das Projekt bis zum Abschluss zu führen. Selbst wenn Oskar noch nicht fertig sein sollte, wenn sein Praktikum im nächsten Jahr endet, will er weiter kommen und daran mitarbeiten.