Käse aus Kremmen: Warum Ziegenkäse nicht streng schmecken muss

Kamen mit einer Auswahl Käse aus Ziegenmilch ins Podcaststudio: Gela Angermann (l.) und Lovis-Karoline Angermann Hein (r.) von der Ziegenkäserei Karolinenhof in Kremmen.
Sandra Ketterer- Ziegenkäserei Karolinenhof: Frischer, milder Käse statt „strengem“ Ziegengeschmack.
- Entscheidend sind Melkhygiene und sofortige Verarbeitung der Milch.
- Ziegenmilch ist zarter, ideal für Frischkäse – Schnittkäse braucht Ausgleich.
- Etwa 100 melkende Ziegen, rund drei Liter Milch pro Tier und Tag.
- Hofladen und Café offen Fr–So, „Ziegenkuscheln“ im Frühjahr, Führungen zur Landpartie.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer hat Angst vor Ziegenkäse? „Viele denken bei Ziegenkäse gleich daran, dass es sehr streng nach Ziege schmeckt“, sagt Lovis-Karoline Angermann-Hein. Aber das müsse nicht so sein. „Bei uns sind die Käse wirklich sehr frisch und mild“, betont die Inhaberin der Ziegenkäserei Karolinenhof in Flatow bei Kremmen.
Ins Studio unseres Podcasts „Brandenburg, lass uns über Essen reden“ hat sie gleich eine ganze Auswahl mitgebracht - und erklärt im Gespräch, worauf sie in der Käserei achten und warum Ziege nicht gleich Ziege ist.
Der Podcast erscheint alle zwei Wochen, immer donnerstags, auf allen relevanten Podcast-Portalen, darunter Spotify und Apple Podcasts. Auch auf YouTube stellen wir die Folgen ein. Auf Instagram und Facebook geben wir unter „Lass uns über Essen reden“ Einblicke in unsere Arbeit als Food-Reporterinnen und Podcasterinnen.
Ziegenkäse muss nicht streng schmecken
Den milden Geschmack erreiche man durch verschiedene Schritte, ergänzt Mutter Gela Angermann, die den Hof mit ihrem Mann zusammen gegründet hat und für die Käserei verantwortlich ist. Das eine sei die Melkhygiene.
„Dann aber auch die frische Verarbeitung“, sagt Angermann. Den Frischkäse setze sie an, sobald die Milch aus dem Melkstand komme. „Je länger die Milch steht, umso strenger schmeckt sie.“ Was auch gut zu wissen sei: Die Milch kann von Ziege zu Ziege unterschiedlich schmecken. „Früher, als ich noch gemolken habe, habe ich mir immer einen Kaffee mitgebracht und mir die frische Ziegenmilch dafür genommen, dafür hatte ich meine Lieblingsziegen.“
Der Unterschied in der Herstellung zwischen Ziegen- und Kuhmilch? Die Struktur sei anders. „Ziegenmilch ist ein bisschen zarter“, sagt Angermann. Sie eigne sich besonders gut für Frischkäse, weil die Produkte weicher blieben als bei Kuhmilch. Der Fettgehalt schwanke über das Jahr stark, im Sommer sei er geringer als im Frühjahr. Schnittkäse aus Ziegenmilch neige dazu, zu übersäuern und krümeliger zu werden als aus Kuhmilch. „Das kann man auch ausgleichen.“ Aber die Feinheit komme bei Frischkäse deutlicher heraus.
Außerdem geben Ziegen weniger Milch. Ungefähr drei Liter pro Ziege pro Tag erhalte sie, sagt Angermann. Zum Vergleich: Eine auf Hochleistung gezüchtete Kuh produziert ungefähr zehnmal so viel.
Karolinenhof seit 26 Jahren Café, inzwischen auch Restaurant
Gela Angermann und ihr Mann haben den Karolinenhof 1991 übernommen, das Gehöft ist mehrere Jahrhunderte alt. Ein Jahr später fingen sie mit der Ziegenzucht an. 45 Tiere war die erste Herde klein. 1993 fingen sie an, die Milch zu verarbeiten. Angermann selbst hat schon in ihrer Jugend begonnen, Käse herzustellen. Ihre ersten Tiere seien eine Ziege und eine Kuh gewesen.
Etwa 100 Ziegen, die gemolken werden, halten die Angermanns inzwischen, dazu kommen Böcke und Nachwuchs. Im Jahr 2000 eröffnete die Familie das Wiesencafé, eine Kombination aus Café und Hofladen. Mittlerweile ist daraus ein kleines Restaurant geworden, das Gäste auch im Winter besuchen können. Der Hofladen ist zudem der einzige Ort, an dem Interessierte den Käse kaufen können.

Im Karolinenhof in Kremmen bieten Gesa Angermann und ihre Mutter auch schnittfesten Käse aus Ziegenmilch. Was der Hof bietet und was diesen Käse von anderen Arten unterscheidet, erklären sie im Podcast „Brandenburg, lass uns über Essen reden“.
Elisabeth VoigtIm Frühjahr bieten die Angermanns zu bestimmten Terminen sogar „Ziegenkuscheln“ für ihre Gäste an. Dann können Besucherinnen und Besucher ganz nah an einige Tiere heran, die wiederum aber auch die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen.
Die Ziegen werden meist im Januar geboren, erklärt Angermann Hein. Sie suchten sich daraus 20 bis 25 Zicklein aus, um sie großzuziehen. Diese dürften noch einige Tage bei ihren Müttern bleiben, bevor sie von Menschenhand aufgezogen werden.

Im Frühling können Kinder und Erwachsene auf dem Karolinenhof in Kremmen Ziegen streicheln oder beim Melken zuschauen.
Elisabeth Voigt„Alle anderen Zicklein, die bei uns geboren werden, können natürlich nicht dauerhaft bei uns bleiben“, sagt Angermann Hein. Bei 100 Ziegen, die im Durchschnitt 1,5 Ziegen an Nachwuchs pro Jahr gebären, sei das nicht möglich. Fünf bis sechs Wochen nach der Geburt würden sie daher schrittweise zum Schlachter gebracht. „Wir vermarkten das Fleisch über unseren Hofladen.“
Ziegenkäserei Karolinenhof, Karolinenhof 1, 16766 Kremmen-Flatow; Café und Hofladen haben Freitag von 11 bis 19 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Am 13. und 14. Juni 2026 nimmt der Hof an der Brandenburger Landpartie teil und bietet Führungen um 12 und 15 Uhr an.