Katastrophe
: 27 Jahre nach dem Großbrand bei Summt

27 Jahre nach dem verheerenden Großbrand im Briesewald sind kaum noch Spuren des Feuers zu finden. Dank vieler forstlicher Maßnahmen erholt sich der Wald langsam.
Von
Jürgen Liebezeit
Summt
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  • Die Förster Bodo Lemke aus Zühlsdorf und Anika Gammelin aus Briese sind zufrieden mit der Entwicklung auf der ehemaligen Brandfläche zwischen Summt und Briese. Hier begutachten sie eine Fläche, auf der der Natur freien Lauf gelassen wurde.Fotos (4): Jürgen Liebezeit

    Die Förster Bodo Lemke aus Zühlsdorf und Anika Gammelin aus Briese sind zufrieden mit der Entwicklung auf der ehemaligen Brandfläche zwischen Summt und Briese. Hier begutachten sie eine Fläche, auf der der Natur freien Lauf gelassen wurde.Fotos (4): Jürgen Liebezeit

    Jürgen Liebezeit
  • Als gefährliche Brandlast sieht Feuerwehrmann Klaus-Günther Schnur die Holzreste im Wald.

    Als gefährliche Brandlast sieht Feuerwehrmann Klaus-Günther Schnur die Holzreste im Wald.

    Jürgen Liebezeit
  • Immer noch zu finden: kohlenschwarze Baumrinde

    Immer noch zu finden: kohlenschwarze Baumrinde

    Jürgen Liebezeit
  • Mit schweren Maschinen sind vor 27 Jahren Brandschutzschneisen in den Wald gerodet worden.

    Mit schweren Maschinen sind vor 27 Jahren Brandschutzschneisen in den Wald gerodet worden.

    Jürgen Liebezeit
  • Die Dimensionen sind zu erkennen. Anschließend sorgte der Prachtkäfer, den Förster Dietrich von Grzymala hier sucht, für weitere Schäden. (In einer ersten Version haben wir den abgebildeten Förster Charwat genannt. Wir bitten um Entschuldigung.)

    Die Dimensionen sind zu erkennen. Anschließend sorgte der Prachtkäfer, den Förster Dietrich von Grzymala hier sucht, für weitere Schäden. (In einer ersten Version haben wir den abgebildeten Förster Charwat genannt. Wir bitten um Entschuldigung.)

    OGA-Archiv
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Als der damalige Wehrführer der Feuerwehr Birkenwerder mit zwei Löschfahrzeugen zusammen mit anderen Einheiten aus der Region am Brandort eintraf, standen bereits drei Hektar Wald in Flammen. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Sofort wurden den Verantwortlichen klar, dass das Feuer außer Kontrolle geraten würde. Quasi pausenlos wurden Einsatzkräfte nachgefordert. Das führte damals zeitweise zu einer unübersichtlichen Lage. Zudem war der Funkkanal überlastet, sodass die Helfer nicht zielgerichtet am Schwerpunkt des Brandes eingesetzt werden konnten.

Summt kurz vor Evakuierung

Schnell wurden auch Kräfte aus Berlin und sogar aus Nordrhein-Westfalen sowie Soldaten aus Lehnitz, das Technische Hilfswerk und die AWU (mit zwölf Wasserwagen) mobilisiert. Inzwischen waren auch Hubschrauber und Flugzeuge im Einsatz, um den Großbrand zu bekämpfen. Der Einsatz aus der Luft sowie das Anlegen von sehr breiten Feuerschneisen brachten dann schließlich den Erfolg. Eine weitere Brandausbreitung konnte nach mehreren Tagen verhindert werden. Damals stand die Ortschaft Summt kurz vor der Evakuierung. „Da hat nicht viel gefehlt“, erinnert sich Schnur an die dramatischen Tage.

Erschwert wurden die Löscharbeiten durch Kompetenzgerangel zwischen der Leitstelle vor Ort und Vertretern des brandenburgischen Innenministeriums. „Nachdem die Flugmittel es ermöglicht hatten, den Brand innerhalb eines abgesteckten Gebietes einzudämmen, erging aus dem Innenministerium die Weisung, keine Flugmittel für die Brandbekämpfung einzusetzen“, heißt es in dem offiziellen Bericht des Landkreises Oranienburg  vom damaligen Landrat und heutigem Innenminister Karl-Heinz Schröter, dem früheren Leiter der unteren Forstbehörde, Dr. Eberhard Tauchnitz, und dem damaligen Kreisbrandmeister Lothar Sprenger. Vermutlich waren Kostengründe Hintergrund dieser fatalen Entscheidung, denn noch am Abend des selben Tages breitete sich das Feuer wieder aus. Die Flugzeuge und Hubschrauber kamen erneut zum Einsatz.

Insgesamt waren mehr als Tausend Feuerwehrleute und Helfer in diesen dramatischen Tagen vor Ort. Am 5. Juli – also am sechsten Tag nach dem Ausbruch – war das Feuer offiziell gelöscht. Tatsächlich gab es aber noch monatelang immer wieder Einsätze, weil nicht alle Glutnester entdeckt wurden und das Feuer sich in dem teilweise torfhaltigen Boden ausbreiten konnte.

Das Forstamt Borgsdorf stand vor einer Herkulesaufgabe. Eine Fläche von fast 300 Hektar musste aufgeräumt und neu aufgeforstet werden. Zudem griff der Prachtkäfer die geschwächten Bäume am Rande der Brandfläche an, die das Feuer überstanden hatten.

Forstamtsleiter Dr. Eberhard Tauchnitz sah die große Freifläche auch als Chance, mit unkonventionellen Maßnahmen naturnahen Wald zu schaffen. Die Idee, die Fläche komplett sich selbst zu überlassen, wurde zwar kurz diskutiert, dann aber wieder verworfen. Auf lediglich einem Zehntel wurde der Natur freien Lauf gelassen. Heute wachsen dort hauptsächlich Pionierpflanzen wie Birken, Kiefern und Aspen. Vereinzelt haben es auch Eichen geschafft. Auf 53 Prozent der Fläche wurden Laubhölzer kultiviert. In einem ausgebrannten Kiefernschlag, wo nur noch schwarze Stangen standen, wurden zum Beispiel Eichen ausgesät. Tatsächlich sind einige Bäume angewachsen, doch im Laufe der Jahren wurden sie von schneller wachsenden Kiefern überholt. Bei der Bestellung der Sandwüste wurde auch wieder ein Hubschrauber eingesetzt. Aus der Luft wurde flächendeckend eine Schutzdüngung – eine Mischung aus mineralischem Dünger und Samen von bodenverbessernden Pflanzen ausgebracht, um das Austrocknen und Verwehungen zu verhindern. „Es sah damals fast aus wie ein Getreidefeld“, erinnert sich der Zühlsdorfer Revierförster Bodo Lemke. Auf diesen Flächen wachsen heute wieder Kiefern, mit denen die Forstwirtschaft ihr Geld verdient.

Damit das Holz, das dort heute naturverträglich für die heimische Wirtschaft, bei einem Brand gerettet werden kann, sind breite Schneisen angelegt worden, die mit hohem Aufwand vor dem Zuwachsen geschützt werden. Das ist aus Sicht des damaligen Einsatzleiters Klaus Günther Schnur auch sinnvoll. Im Falle eines Brandes würde er im Bereich der Schneisen einen Schaumteppich legen, damit Funken sofort ersticken. „Das bekämpft zwar nicht das Feuer, verhindert aber die Ausbreitung“, so Schnur. Ähnlich ging die Feuerwehr auch vor 27 Jahren vor, als die entscheidende 1,5 Kilometer lange Schneise mit Raupen und Panzern durch den Wald gezogen wurden. „Wir haben immer drei Liter ‚Fit’ ins Wasser gekippt.“ Was damals als bewährtes Mittel der ‚alten Hasen’ galt, muss heute neu entwickelt werden.

Trotz der Schneisen, die heute vorsorglich angelegt sind, sieht Schnur die Gefahr als unverändert hoch an, dass in den heimischen Wäldern der kleinste Brandherd sich zu einer ähnlichen Katastrophe ausweiten kann. Ihn ärgert, dass nach Pflege- und Erntearbeiten Äste und Kronenholz im Wald verbleiben. „Eine einzige Kippe reicht“, warnt Schnur vor Unachtsamkeit. Er appelliert an die Forstverwaltung und an private Waldbesitzer, nicht verwertbares Holz vor Ort zu schreddern. „Darin wird auch die Feuchtigkeit besser gehalten“, so Schnur.

Vermutlich war es Brandstiftung

Ursache für den schwersten Waldbrand in der Region nach der Wende war vermutlich Brandstiftung. Es konnte sogar ein Verdächtiger ermittelt werden. Verurteilt wurde der Mann aus Mangeln an Beweisen aber nicht. Erst kürzlich wäre es beinahe wieder zu einem Feuer im Briesewald gekommen. Nur durch Zufall kamen zwei Waldarbeiter vorbei, die das Feuer mitten im Kiefernbestand schnell löschen konnten. Dieses Mal waren lediglich zwei Quadratmeter betroffen. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

Bilanz desGroßbrandes

Der Waldbrand zwischen Summt und Briese brach am 30. Juni 1992 aus. Am 5. Juli war er offiziell gelöscht.

Insgesamt waren 271,20 Hektar Wald betroffen. Auf 234,77 Hektar entstand ein Totalverlust.

Der Schaden wurde auf 3,5 Millionen D-Mark geschätzt.

Der Waldbrand gehört mit zu den größten Katastrophen, die sich nach der Wende im heutigen Kreis Oberhavel ereignet haben.

Im Trockenjahr 1992 gab es im Bereich des Forstamtes Borgsdorf 71 Waldbrände. ⇥zeit