Kirche: Erneut Wirbel um Pfarrer in Birkenwerder

Philip Kiril Prinz von Preußen ist Pfarrer in Birkenwerder.
Picture Alliance/Schindler„Es gibt noch kirchenrechtliche Fragen zu klären“, erklärt Pfarrer von Preußen das Verschwinden der Nachricht. Deshalb nehme er diese Nebentätigkeit in Berlin vorerst nicht auf. Es gebe jetzt eine Klärungsfrist bis mindestens 1. September. „Ich möchte auf jeden Fall gerne Pfarrer in Birkenwerder bleiben“, so Pfarrer von Preußen auf Nachfrage.
„Das geht nicht“, sagt dagegen Ulrike Trautwein, Generalsuperintendentin der Evangelischen Kirche Berlin–Brandenburg–schlesische Oberlausitz (EKBO). „Er kann auf keinen Fall sowohl Pfarrer in Birkenwerder als auch Hauptpastor in der freikirchlichen Pfingstgemeinde am Südstern sein“, erklärte die Theologin unserer Zeitung. Dr. Jörg Antoine, Konsistorialpräsident der EKBO, begründet das allgemein: „Pfarrer der EKBO, die in einer Gemeinde wie der Kirche am Südstern tätig sein wollen, müssen aus dem Dienst ausscheiden“, machte er klar. Das sei im Pfarrdienstgesetz eindeutig geregelt. Ordinierte verlieren demnach Auftrag und Recht zur öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung, wenn sie sich an eine andere Kirche oder Religionsgemeinschaft, die nicht mit der Evangelischen Kirche in Deutschland, einer Gliedkirche oder einem gliedkirchlichen Zusammenschluss in Kanzel– und Abendmahlsgemeinschaft steht, anschließen. Dazu gehört laut Antoine auch die Pfingstgemeinde.
Pfarrer von Preußen, der sich für mehr ökumenische Zusammenarbeit und weniger Regeln und Kontrollen in der evangelischen Glaubensgemeinschaft ausspricht, sieht in dem Pfarrdienstgesetz aber wesentlich mehr Spielraum. Deshalb sei er mit dem Konsistorium im Gespräch.
Die christliche Pfingstbewegung wird in Kirchenkreisen wegen sehr konservativer Ansätze kritisch gesehen. So ist Pfingstlern zum Beispiel Sex vor der Ehe verboten, Abtreibung wird als Sünde gesehen.
Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers ist wegen seiner Äußerungen und Schriften in Birkenwerder schon länger umstritten. Er hat sich für die Wiedereinführung der Monarchie ausgesprochen und wird unter anderem wegen seiner konsequenten Haltung gegen Abtreibung kritisiert. Philip von Preußen sieht sich zu Unrecht mit diesen Vorurteilen belegt.
Allerdings gerät er immer wieder in die bundesdeutschen Schlagzeilen. Im Mai vergangenen Jahres zog eine Gastrede von Philip Kiril Prinz von Preußen in Neustadt an der Ostsee Ärger nach sich. Einige Zuhörer warfen ihm eine rechtsnationalistische Rede vor dem Jüdischen Kammerchor Hamburg vor. Der Kritisierte wies dies vehement zurück.
Schon der Start in Birkenwerder stand unter keinem guten Stern. Es hatte vier Einsprüche gegen seine Wahl gegeben. Sie wurden damals aus rechtlichen Gründen vom Kirchenrat des Kirchenkreises abgelehnt. Spätestens seit seinem Amtsantritt im März 2013 ist die Gemeinde gespalten. Viele Mitglieder gingen deshalb in Nachbargemeinden. Andere Gemeindeglieder sprechen dem Pfarrer, der ein „sehr guter Seelsorger“ sei, dagegen ihr Vertrauen aus. Seine Amtszeit läuft Ende 2022 aus. Pfarrer von Preußen ist diesen Sonntag für die Predigt in der Kirche von Birkenwerder eingeplant. Beginn:10 Uhr.
