Klärwerk
: Zweckverband investiert in den Klimaschutz

Der Trink- und Abwasserzweckverband Liebenwalde investiert rund eine Million Euro in die Sanierung des Klärwerkes. Dabei wird vor allem auf Energieeffizienz Wert gelegt.
Von
Volkmar Ernst
Liebenwalde
Jetzt in der App anhören
  • ORA-190606-Liebenwalde-TAV-1 Liebenwalde, TAV, Bauarbeiten

    ORA-190606-Liebenwalde-TAV-1 Liebenwalde, TAV, Bauarbeiten

    Volkmar Ernst
  • Blick auf die Baustelle: Die Installation des neuen Belüftungssystem erfolgt bei laufendem Betrieb.

    Blick auf die Baustelle: Die Installation des neuen Belüftungssystem erfolgt bei laufendem Betrieb.

    Volkmar Ernst
1 / 2

Das Liebenwalder Klärwerk ist die Jahre gekommen. Genau genommen sind es inzwischen schon 27 Jahre, die die Anlage ihren Dienst versieht – und das, ohne große Probleme zu bereiten. „Das ist eine Top-Anlage“, kann Jana Trampe als Geschäftsführerin des Trink- und Abwasserzweckverbandes (TAV) Liebenwalde nur zufrieden feststellen. Dennoch will sie nicht leugnen, dass 27 Jahre Dienst sowohl an Maschinen als auch Material ihre Spuren hinterlassen haben. Immer wieder müssen die Techniker Hand anlegen, wenn Teile mit der Zeit verschlissen, also abgenutzt sind und ersetzt werden müssen. „Es wurde schon alles geschweißt, was geschweißt werden konnte“, fügt sie hinzu. Deshalb hat der Verband schon vor Jahren beschlossen, dass eine Sanierung unausweichlich ist. Die ersten Überlegungen reichen ins Jahr 2016 zurück. Eine Möglichkeit ist, die Technik auszutauschen. Dagegen sprach jedoch, dass sich sowohl das Verbraucherverhalten geändert als auch die Technik verbessert hat. Denn im Abwasser landen mittlerweile auch Feuchttücher, sogar Windeln, die speziell zerkleinert werden müssen. Darauf musste reagiert werden, beispielsweise durch effizientere Schneidwerkzeuge.

Aktiver Klimaschutz

Eine weitere Überlegung bei der Planung war deshalb, verschlissenen Teile nicht einfach nur auszutauschen. Es sollten Anlagen­teile verwendet werden, die weniger Energie verbrauchen – und genau das wird auch gemacht. „Alle reden vom Klimaschutz, wir setzen ihn auch um“, so Jana Trampe.

Bereits fertig ist die neue Fäkalannahmestation, in der die durch Fahrzeuge angelieferten Abwässer in den Klärkreislauf eingeleitet werden. Sie werden grob gereinigt und gelangen von dort ins sogenannte Rechenhaus. Hier werden aus den Abwässern ebenso Essensreste und anderes grobes Material wie Steine entfernt. Ein neuer Rechen, der statt sechs nun nur noch eine Durchlassgröße von drei Millimetern hat, wurde bereits installiert. Ein zweiter soll noch folgen. Auch Öle und Fette, die später den Klärkreislauf stören würden, werden hier entfernt. Dritte Station für das Abwasser ist der Sandfang, wo sich Sedimente ablagern können. Danach gelangt das Abwasser ins Belüftungsbecken, an dem gerade gebaut wird.  Dabei handelt es sich um ein rundes Becken, in dessen Mitte sich ein Söller befindet. Vom Söller reicht derzeit noch eine Stahlbrücke bis zum Rand, wo sie fahrbar aufliegt. An der Brücke befindet sich die Belüftungsvorrichtung, die für einen ausreichenden Sauerstoffeintrag ins Belüftungsbecken sorgt. Doch die Brücke hat ausgedient. „Optimierung des Belüftungssystems“, fasst Jana Trampe kurz die Umbauarbeiten zusammen.  Denn im Becken werden künftig 20 neue und fest installierte Plattenbelüfter dafür sorgen, dass die Bakterien genügend Sauerstoff bekommen, um ihre Zersetzungsarbeit ausführen zu können. „Der Clou an der Sache“, wie die Geschäftsführerin erklärt: „Wir verbrauchen 30 Prozent weniger Energie.“ 573 000 Euro kostet das neue System, das in gut drei, vier Wochen den Probebetrieb aufnehmen soll. Ein Lob gibt es von der Chefin gleich noch für die bauausführende Firma „EMSR Anlagenbau Wiemann“ aus Zepernick. „Damit wir für den Probebetrieb nicht eine Ersatz-Entsorgungsvariante für den Fall, dass doch irgendetwas nicht funktioniert, organisieren müssen, hat die Firma den Brückenlauf auf eine Pendelbewegung umgestellt. So kann der Bau in zwei Abschnitten erfolgen und die Anlage überprüft werden.“

Nach dem Belebungsbecken gelangt das gereinigte Abwasser in das Nachklärbecken und in den Schönungsteich, bevor es schließlich als gereinigt in den Oder-Havel-Kanal eingeleitet wird.

Insgesamt kostet die Sanierung den TAV 978 000 Euro, die durch die gleichzeitige Energieoptimierung allerdings zu 56 Prozent von der Europäischen Union über das Programm „RENplus2014-2020“ gefördert wird.

Trink- und Abwasserverband

Mitglieder im Zweckverband sind die Gemeinde Schorfheide und die Stadt Liebenwalde.

Der Verwaltungssitz befindet sich in Liebenwalde an der Berliner Straße/Ecke "Zum Klärwerk".⇥veb