Bei den Linken des Mühlenbecker Landes ist er noch ein bisschen "die Neue", in seiner Partei ist der mit 32 Jahren noch junge Direktkandidat der Linken aber längst ein erfahrener Mitstreiter. Schon als Jugendlicher fand er zur PDS – im tiefsten baden-württembergischen Westen. "Der ganze Landesverband hatte damals 600 Mitglieder", erinnert sich Vadim Reimer. Doch die linke Forderung nach "sozialer Gerechtigkeit" gefiel ihm schon damals. Er hatte bei seinen Eltern die Brüche im Lebenslauf miterlebt, deren Bildungsabschlüsse als Geologe und Geografin nicht anerkannt wurden und die den beruflichen Anschluss nie wieder ganz fanden.
Zu Partei und Gewerkschaft
"Ich bin in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen", sagt Vadim Reimer. Als 16-Jähriger verließ er die Schule mit der mittleren Reife, begann in Karlsruhe eine Ausbildung als Mikrotechnologe und trat in die PDS ein. Gleichzeitig engagierte er sich in der IG Metall-Jugend. "Der Zivildienst in der Jugend- und Drogenberatungsstelle in Karlsruhe hat mich geprägt", sagt er. "Da habe ich viel Aufschlussreiches aus dem Leben von Suchtkranken erfahren." Über den Umweg einer fachgebundenen Hochschulreife hat Vadim Reimer inzwischen Jura studiert. Als Jurist sind Bürgerrechte sowie Arbeit und Soziales seine Schwerpunkte, und diese sind ihm auch politisch besonders wichtig. Die Polizeigesetzverschärfung, auch wenn sie in Brandenburg moderat ausfalle, hält er für einen Fehler der Rot-Roten-Koalition, das Bündnis gegen das Polizeigesetz im Kreisverband habe er unterstützt. Zu leicht würden unter dem Schlagwort "Terrorabwehr" die Befugnisse der Polizei auf einen bloßen Verdacht hin ausgeweitet. "Polizisten werden oft als sehr positiv wahrgenommen, und meistens ist das auch ganz richtig", sagt Reimer. "Denoch haben sie auch eine Macht im Staat, die missbraucht werden kann, wenn sich eine entsprechende Dynamik entwickelt, in Demonstrationen beispielsweise." Er spricht sich deshalb für eine Beschwerdestelle beim Land aus, die Ermittlungsbefugnisse auch gegen die Polizei hat und ausdrücklich nicht beim Innenministerium angesiedelt sein sollte. "Eine solche Stelle kann auch der Polizei selbst nützen", findet er. Zudem würde sich Vadim Reimer für mehr Personal in der Justiz einsetzen. Verfahrenserleichterungen dürften nicht mit der Beschneidung von Angeklagtenrechten einhergehen.
Über die Landesliste der Linken hat Vadim Reimer keine Chance, und als Direktkandidat weiß er auch seine Mitbewerberinnen und Mitbewerber realistisch einzuschätzen. Sollte er den Vollzeit-Job als Landtagsabgeordneter nicht bekommen, freut er sich auf eine andere schöne Aufgabe: Er geht dann für sein gerade gut drei Monate altes Söhnchen Jury in Elternzeit – was bei den Juristen noch gar nicht so selbstverständlich sei.

Zur Person


Vadim Reimer wurde im Dezember 1986 in Perm in der Russischen Förderation geboren. Im Alter von acht Jahren kam er mit seiner Familie nach Pforzheim (Baden-Württemberg).

Nach der Realschule absolvierte er in Karlsruhe zunächst eine Ausbildung zum Mikrotechnologen. Er engagierte sich bereits als Azubi in der IG-Metall-Jugend und in der Vorgängerpartei der Linken, der PDS.

Vor zweieinhalb Jahren zog er mit seiner Frau in ihren Heimatort Mühlenbeck. Er ist seit drei Monaten Vater eines Sohnes. hw