Sie habe sich am Morgen über ein Ständchen gefreut, strahlt Margarete Ehlert und weist auf die geschmückten Tische mit vielen selbstgebackenen Torten. „Genießen und gelassen bleiben, das sind die Stärken meiner Tante“, sagt auch Arno Pries, der sich gemeinsam mit seiner Frau Silvia um sie kümmert.

Im Segelboot nach Hiddensee

In der Einrichtung im Aderluch bewohnt Frau Ehlert eine Zwei-Zimmerwohnung mit Küchenzeile und Terrasse, bereitet Frühstück und Abendbrot selbst zu und kann sogar allein in den Garten gehen. Das Einkaufen und kleine Dienste übernimmt Familie Pries, denn eigene Kinder hat die Jubilarin nicht. „Wir sind adoptiert worden“, erklärt der Neffe, zu dessen schönen Erinnerungen die Sommerferien in Stralsund und auf dem Segelboot von Tante und Onkel gehören. „Bis nach Hiddensee sind wir gesegelt und haben das Boot dort festgemacht, wo die Leute uns dazu einluden“, erzählt Margarete Ehlers.

Krankenschwester in Hinterpommern

Ihr Leben hat sie in der Nähe der Ostsee verbracht. Geboren in der ehemaligen Hansestadt Treptow an der Rega im damaligen Hinterpommern, wurde sie in ihrer Heimatstadt zur Krankenschwester ausgebildet, musste 1945 fliehen und zog nach Ueckermünde, wo sie ihren Mann fand. Der gelernte Klempner ließ sich auch zum Pfleger ausbilden, beide lebten und arbeiteten jahrzehntelang im Stralsunder Krankenhaus West und zogen erst als Rentner wieder nach Ueckermünde zurück. Als sie vor sechs Jahren ihre Wohnung verlor, holte Familie Pries sie nach Oranienburg.

Elternhaus in Trzebiatów

Im Seniorenheim scheint jeder eine besondere Bindung zu der alten Dame zu haben. Pflegeberaterin Bianka Jeschek hat sie zum Beispiel verraten: „Man muss die Dinge so nehmen, wie sie sind, das ist mein Lebensmotto.“ Als fit, sportlich und freundlich beschreibt sie die Pflegedienstleiterin Barbara Schön-Barke und erzählt, wie Frau Ehlert von ihrer Terrasse aus jedem freundlich zuwinke oder lache und gern aus ihrer Vergangenheit berichte.
Noch zum 90. Geburtstag war sie so vital, dass sie mit ihrer Familie nach Trzebiatów fuhr und sich überzeugte, dass ihr Elternhaus, die Schule und der Treffpunkt der Jugendlichen noch existiert. „Ich habe alles wiedererkannt“, sagt Frau Ehlert stolz.

Blumen von Bürgermeister Alexander Laesicke

Über den schönen Blumenstrauß der Stadt Oranienburg freut sie sich und liest mit 100 Jahren noch ohne Brille aufmerksam den Brief, den Bürgermeister Alexander Laesicke mitgebracht hat. Die beiden finden auch gleich eine Verbindung zueinander, als der Bürgermeister erstaunt feststellt, dass seine Großmutter in derselben Stadt aufgewachsen ist. „Es ist für mich ein Geheimnis, wie Menschen, die sich nicht geschont haben, so alt werden und stark bleiben. So ein Besuch lehrt mich Respekt vor dem Leben und Demut, weil die eigenen Probleme auf einmal viel weniger bedeutend erscheinen.“